Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VI (1929-1930)
- Issue
- 7 (1.7.1929)
- Date
- 1929-07-01
- Page
- Seite 93 (sequence 1)
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Gemeinde Zerrung fttr 6fe tfraelitifc&en dtmcintcn Württemveras 8c Zngppret» cwschUc500, 8cl»«u,«u> PU,rU<«, 5 XM, (|alb)fil|rUd| 1.30 XM Dlcrtclt<U|illd| J.13 XM, Slozcbmmmck M Reldiepfcnnlg Po|t1d»«»-Konlo: Mt 3* Erscheinl moggntlich 1 vcimal am 1. n. 10. Verlag- Israeltttsche Verlogsavstalt G. m. d. k». feraspr. rzzrs * Stuttgart * Kafecnenfte. 13 Schrtstlettuug: Stadtraddiuer vr. Rteger, Stuttgart, Lharlotteaftrotz« 13 g |< I g id pul i Me einlpctllg« NonpQkeMczcjlc 30 Reidiapfcnnig nm(ailag(cll«n a t>orjug,plü»« nach Torts, faalUennnjdgen and kleine Anzeigen Me Nietnzetie 10 «etchopsenntg, } ReUmncjeU* 1.30 XM f Sei Wiedertzolnngei, Dergiinstigmag 3 vi. 3a9roano 6tnttgort, 1.3nli 1929 3tr. 7 CHratlfcQe 3$efatiutma<tMsu0esi Israelitischer Oberrat. Betreff: Bildung eines Ansgleichssonds. Die Arbeitsgemeinschaft der Süddeutschen Is raelibischen Verbände, zu der auch der Oberrat der Israelitischen Religionsgemeinschaft Württem bergs gehört, empfiehlt den israelitischen Religionsgemeinden Württembergs der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden in Berlin zur Bildung eines Ausgleichssonds 10 v. Hundert der jetzt zur Ausschüttung kommenden Abschlagszahlung auf die Wohlfahrtsrente aus de» Stiftungskapitalien zu gewähren. Diese 10 v. Hundert berechnen sich also nicht aus den Kapitalien selbst, sondern ans den jetzt zur Aus zahlung gelangenden Vorschüsse ans die Wohl - sahrtsrente. Nördlinger. Der Oberrat macht aus das Erscheinen der „Zeitschrift für die Geschichte der Inden in Deutschland" ansmerksam. Er hofft, das; die für die Heimatgeschichte der deutschen Juden in teressierten Kreise das Erscheinen dieser Zeit schrist durch deren Bezug fördern werden. In der Zeitschrift soll das vorhandene wertvolle Material zur Geschichte der Inden in Deutschland in einer sachlich und fachlich einwandfreien Weise Bearbeitung finden und die Bedeutung der Inden für das wissenschaftliche und kulturelle Leben Deutschlands fachkritisch behandelt werden. Das regelmäßige Erscheinen der neuen Zeitschrift ist nur dann möglich, wenn die für diese Fragen interessierten Kreise chr Erscheinen durch deren Bezug sicherstellen. N ö r d l in g e r. Israelitisches Borsteheramt Stuttgart. Der 2. Gottesdienst an den hohen Feiertagen findet im Festsaal des Gustav Siegle-Haufes statt. Gemeindemilglieder, welche Eintrittskarten wün scheu, haben dies bis s p ä t e st e n s Montag, den 8. Juli 1929 schriftlich der Gemeindepflege mitzuteilen. Da bei ist anzugeben, wieviele Herren, Damen-, Knaben- und Mädchenplätze gewünscht werden. Die Karten sind in der Zeft von Montag, den 15. bis Freitag, den 19. Juli 1929 bei der Israelitischen G e me i n d e p f l e g e, H o s p i t a l st r. 36 p., abzuholen. Die Mieter von Synagogenplätzen werden hiermit ausgesordert, den Mietzins für das Jahr 1929/30 gegen Empfang der entsprechenden Platzkarte alsbald bei der Israelitischen Gemeindepflege, Hospitalst r. 36 p., zu entrichten. Stuttgart, den 24. Juni 1929. Essin g er. Sdilagwörtcrl Es ist sicher eine. Folge der Verbreitung des Zeitungswesens, daß sich der Mensch der Gegen' wart einen festen Bestand an Redensarten a»ge eignet hat, mit denen er nach Herzenslust ope riert. Klingende Redewendungen, pathetische For meln, Schlagwörter, die schlaglichtgleich aufta» chen, kurz, Redefloskeln, die aus dem Wörter buch des „papierenen Stils"' der Zeitnngssprache stammen, gchören zu dem Alltagsrüstzeug des sogenannten gebildeten Menschen. Daß dieser ra pierene Stil den persönlichen Stil, die eigene Sprache, die Kunst und Kraft des individuellen Ausdrucks verdrängt und durch Formeln frcm den Gepräges und fremden Empfindens ersetzt, mag bedauerlich sein. Schlimmer ist, daß der Gegenwartsmensch sich so in diesen Formalismus eingclebt hat, daß die feste Redensart zum Sur rogat des eigenen Denkens geworden, daß er gleichsam mit fremdst Münze zahlt und in frem den Gedankenwendutigen spricht und so fast un willkürlich zu einem Grammophon wird, das auf fremden Platten eigenes Denkerz vortäufcht. Der Mensch der Gegenwart ist nach und nach zum Echo „seiner" ^Zeitung geworden, zum Ab klatsch seiner Partei, zu einer Maschine, deren Sein sich aus so und sovielen Fremdworten und Fremdbegrissen zusammensetzl. Wer sich einmal die Mühe gibt, den Inhalt dessen zu er forsche», was sich hinter diesen tönenden Schlag Wörtern birgt, wird sein blaues Wunder er leben. Man mache sich einmal den Spaß und frage den „gebildeten" Nachbarn, was Religion, was Se-le, was Sittlichkeit, was der Staat, was (Glauben, was Gewissen ist alles Worte, die er tagtäglich im Munde führt — und man wird ein erschreckendes Abbild von der inneren Hohlheit und der jämmerlichen Phrascnhastig keit der Mitmenschen gewinnen. Einige Dutzend, schöner Redcnsartest sind das Kapital unserer Parteigrößen. Das Parteidogma und die Grup penphrase beherrscht die Masse, die Phrase ist der Deckmantel sich die eigenen Äedankcnlosig feiten geworden. Das Schlag,vort ist der eigent liche Zeittyrann. Das gilt für die jüdische Wett i» gleichem Maße wie für die nichtjüdische. Ilnller dieser Fremdherrschaft der Redensart leidet unser reli giöses und politisches Leben. Man nehme einmal eine jüdische Zeitting vor, in der eine Partei grüße über eine Zeitfrage orakelt, und' man wird die furchtbare Wahrhaftigkeit dieser Tat sache erleben. Ein Wust von Zeitredensarten, ein Kunterbunt von Schlagwörtern, ein Durcheinander von Phrasen, ein Kauderwelsch von Rasse und Assimilation, von Volkstum und Schicksals gemeinschast dient als spärlicher Ersatz für die Leere an eigenem Denken und Fühlen. Dieser Wirrwarr wird dann noch durch einige mystische Redensarten geziert — und der Essay ist fertig. Gerade diese vielbewunderte mystische Sprache ist der Erbfeind des natürlichen Denkens und Spre chens im Judentum der Neuzeit geworden. Tic natürliche Sprtchsorm, so zu sprechen, wie man denkt, scheint verloren zu sein. Tie Sprache, das allernatürlichstq Organ des Denkens, ist in ihr Gegenteil entöltet. Heraklit der „Dunkle" ist sonnenklar gegenüber diesen modernen Artisteii und Seiltänzer - der Sprache. Ein wahrer Wett lauf im Ehrgc z, einander durch sprachliche Rät selhaftigkeit zu:! überbieten, ist das Merkzeichen dieser neujüdisthen Journalistik geworden. Es ist an ver Zeit, daß dieser angeblichen Tiesgeistigkeit »ie Maske vom Angesicht gerissen wird. Wer eävas zu sagen hat, der spreche so, daß er verständlich redete Er bringt sich sonst in den Verdacht, daß er die eigenen Uu klarheiten hinter Redensarten birgt^ Tie Koket tcrie, sich hintir geheimnisvollen Worten zu ver stecken, ist ein Modetorheit, die in das große Kabinett der L icherlichkeiten gehört. Wir brauchcil den Mut, auck einmal zu gestehen: das verstehe ich nicht, unchl wenn es nicht verständlich ans gedrückt werde» kann, dann ist es Nonsens. Es ist ein wundcrtwlles Wort unserer Weisen: Tib droh tauroh tilschaun bne odom: die Thora spricht die Mcnschensprache, sogar der geistige Gort redet in - der Sprache der Menschenkinder Er redet in dcc Sprache, die von Menschen ver stailden wird, die menschlich klingt nnd doch göttlich ist. Ti! Wahrheit kann nur siegen, wenn -das Schlagwo:t stirbt. Darum ist der Kamps gegen das Sch agwort der Kamps für die Wahrheit. 'S Bon diesem ^Standpunkt aus fordern die in den letzten Wachen abgehaltenen beiden jüdischen Frauentagungchl in Hamburg und Berlin eruste Kritik heraus. Wortreich, ist di» Entrechtung der jüdischen Fräst durch den Malm und das alte Gewohnheitsrecht beklagt wordeN7-has^ die Frau von dem Paradiese der Gcmeinidestube ausschließt und jauchzend «der Allbruch einer neuen besseren Zeit verkündn worden, die eben darin ihrcil Ausdruck sind», daß die Frau als eine Gleichberechtigte in'd e Gemeinde einzieht. Frau Margarete Susmcnn jubelt an besonders hervor ragender Stel e der Festnunimcr der Blätter des jüdischeil Frauenbundes, daß es »un end lich der jüdiscjen Frau erlaubt ist, „aus chrer eigenen Wahrhaftigkeit zu leben" und daß das Gewissen .(!?)> der Frau „von Jahrtausende al tem Truck beireit ist"l Ist das wirklich wahr? Lebten unseres Mütter nicht aus ihrer eigenen Wahrheit, way ihr Gewissen wirklich mit einem Jahrtausende altem Drucke belastet? Ich rufe die angeblich! entrechteten versklavten jüdischen Mütter der Vvrzcit, diese Frauen, zu denen die Gatten wie zu! den ungekrönten Königinnen ihres Lebens, die Svhne und Töchter wie zu Heiligen aufblickten, zuiZeugen aus, ob wirklich chr Schick sal so unsagbar hart gewesen. Sie würden mit dem feinen gütigen wissenden Lächeln antworten, mit denen njan Schlagwötter iabweist. Wenn IINIIIMIIIIUIIIMII HBJUlUiranailUntllllllllUlIHfllHIIlHHIlUIIIKHlKlIHtitlllllHIlHIHIIIUUIUIIIIIIII IHNIHHINIIflUltWUlllUlHIHIillllllllllllü SCHIEDMAYER Ptanofortmfmbrtk v. U. u. P. gohledmayef STUTTGART, Neckarstrasse 12, Kok« uinoi-atr«.«* FLÜGEL / PIANINOS / HARMONIUM T0USOH CUNOKN BCbUCMK TEILZ4HLUNQKN ■or«oM«r I4i/4a iHiiuiiiniiiiiwiwiKiiiuiiuiuiiiiiiiiiiiiiilmiinuiuiiiuumiuuiuuiiiiiuiiiiiniiiiiiuiiiiiuiuiijiiiitMniiuu»^