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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1929-06-16 · 6 (16.6.1929) · p. Seite 81

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
VI (1929-1930)
Issue
6 (16.6.1929)
Date
1929-06-16
Page
Seite 81 (sequence 1)
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Bor der Beantwortung diese» Frage muß der Irrtum beseitigt werden, der die Beantwortung dauernd unmöglich macht: die Benvirrung der Begriffe Judenheit und Juden tum. «eit dem Aufhören des jüdischen Staates sind diese Begriffe streng zu scheiden. Tas Zu dentum ist die ideelle Bindung der Judenheil d. h. bei summe von Individuen, die sich zum Juoescin bekenne». Bei einer reinlichen Teen uung dieser beiden Begriffe ist die schwierig keit der Tesinilion des Judentums eigentlich be hoben. Judentum ist dann die weltanschauliche (Grundlage der Judenheit. AuS der Verwirrung der Begrifft Judenheit und Judentum ist die in letzter Zeit wiederholl verkündete Umgrenzung des Inhaltes des Ju dentums als einer Stammes und Schicksals gemeinschast zu erklären. Ter vorläufig letzte, sicher nicht der allerletzte, der dieser Jrrsassung verfallen, ist Ludwig Holländer in seiner streit schrist „Teutsch-Jüdische Probleme der Argen wart (Philo Verlag 1929, «eite 9)". Er emp sindet richtig, daß das Judentum nicht lediglich die Religion ist, welche die Juden von ihren Mitbürgern unterscheidet und erklärt daher, „daß der Gesichtspunkt der Schicksals- und «tammes gemeinschast bedeutsame Bindungen erzeugt." Tiefer Gallimatthias ist zunächst aus der Ber wechslung von Judentum mit Judenheit zu er klären. Tie Judenheit könnte eine «chicksals und «tammesgemeinschasl sein, das Judentum als Jdeengebilde natürlich nimmermehr. Es ist allerdings völlig richtig, daß das Ju dentum nicht lediglich Religion ist, denn Re ligion ist nach dem berühmten «chillerwort: „Warum er keiner Religion angehöre? Aus Re ligion!" nichts Jüdisches und nichts Christliches, sondern die immer erneute Berbindung des Men scheu mit dem Göttlichen, also etwas Allge meinmcnschliches. Jede Konfession hat neben ihren geschichtlich gewordenen Erscheinungsformen (Ritus und Kultus) und einer summe von lieber zeugungen, die gegebenenfalls zu Togmen erstarrt sind, einen gewissen Gehalt an allmenschlichen und weltanschaulichen Gedanken. In diesem sinne ist das Judentum ebensowenig reine Re ligion wie irgend ein Religionsbekenntnis d. h. die Ausprägung, die das Religiöse in einer Bekcnntnisgemeinschast angenommen hat. Zu seinen weltanschaulichen Elementen gehört die Abwehr und Abkehr von der Vielgötterei in jeder Gestalt, seine «ittenlehre aus Grundlage der Willensfreiheit unter Ablehnung der Erbsünde und der Idee des radikalen Bösen, seine Idee der Erlösung nicht aus Gnade sondern aus ei gener Entschließung („Umkehr, Wohltun und Gebet heben das Schicksal aus"), das System seiner Feiern und Formen. Es ist dabei ohne weiteres anzuerkennen, daß das Judentum mit allen anderen ettittgorl, 16. 3uui ±9*9 Bekenntnissen das Schicksal geteilt hat, daß ein zelne seiner Grundideen verworfen, andere über steigert worden sindj, daß sich da und doci die Tendenz zur «ektftrerei auch in der jüdischen Religionsgemeinschaft kundgegeben hat. Aber ein unzerstörbarer Kern von weltanschaulichen Ideen blieb in ihm, den! ein talmudischer Lehrer in das starke Wort zu! fassen imstande war: „Wer den Götzendienst leugnet, ist Jude." schon dieser knappe Gedankengapg reichz^aus, die ganze Irrigkeit der Begriffsbildung abzuleh neu. die in dem Judentum nicht lediglich die Religion, sondern zugleich die Stammes und schicksalsgemeinschaft erkennen will. Aber aut) für die Judenheil in diese Charakierisierung ab zulehneu.. Von einer slammesgemeinschaft der heutigen Judenheil kann nur reden, wer vergißt, daß sich die Judenheit aus weißen, sch.rarzeu (Regerjuden, Kochii^uden, Falaschas.- und gelben Juden zujainmensetzl, daß die östliche Judenheit zu wesentlichen Testen aus chazarischen, d. h. finnisch ugrischen und talarischen 'Blutquellen stammt, daß die europäischen Juden zn einem sehr hohen Prozentlsatz von Proselytcn herrühren Tabci bleibt es gleichgültig, ob diese Juden blutgcmäß Rachkominien Abrahams sind, denn nach dem jüdischen ReligionSgesrtz sind alle Pro seihten „Kinder un eres Vaters Abraham", ein Beweis, daß man iier Blutzugehörigkeil in Js rael nur eine sehr g Aber ebensowenig eine schicksalsgemei scheu, französischen, lienischen, deutschen criuge Bedeutung zuerkannte, kann man in der Judenheit ischast erkennen. Tie spaui holländischen, englische», ita russischen, amerikanischen Juden mögen gesonierte. «chicksalsgemeinschasten darstellen. Wer aber nur das ABC der jüdischen Geschichte kennt, weiß, daß sich diese und viele weitere jüdische nationale «chicksalsgemeinschaste» durchaus von einander scheiden, sie haben ihre eigene» Schicksale, ihjrc eigenen wirtschaftlichen und kulturelle» Ausbauformcu, die sich von denen der anderen «chicksalsgcmeinschasten deutlich trennen. Unter dem Einfluß moderner chauvinistischer Ideologien möchte» gewisse Geschichtsschreiber die gesamte Judenheit als eine einheitliche schick salsgemeinfchaft darstellen, indem sie gemeinsa me Erscheinungssormcu in ihren Schicksalen, Ausgaben, Befehdungen und Verteidigungssor men seststellen. Aber diese Erscheinungen sind rein soziologisch zu erklären, sie sind wirtschafts geschichtlich begründet und haben zumeist mit dem Judcsein der betressenden Gemeinschast nur we nig zu tun. Wer die Judenheiten der vcrschie denen Länder unvoveingenommen betrachtet, der wird sich sofort darüber klar sein, daß von einer schicksalsgemäßen Einheit »nur von solchen ge sprochen werden kann, die keinen wirklichen Ein blick in das geschichtliche «ein dieser Gemein schäften besitzen. Tie «chicksalsgemeinschasten der amerikanischen, der, russischen, der spanischen Juden besitzen an sich keinerlei BerührungS punkte. Tie Anschauung von einer jüdischen schick sals und «tamme^gemeinschaft ist aber nicht 3tr. 6 nur geschichlsiiftssenschaftlich durchaus verfehlt, sondern auch politisch unsagbar bedenklich, sie bedeutet in ihrssn Folgerungen nicht weniger als die Aufhebung! der bürgerlichen Gleichberechti gung der Jüdin in ihren Wohnländern. Tenn - in dem Augenblick, in dem die Jnternationalität der Juden politisch anerkannt ist, treten diese in die Stellung «er sogenannten Minderheiten in ncrhalb ihrer Landcsgepreinsckaftcn ein. Was das i für die Judeni bedeutet, hat . soeben Tr. Wein berg in einem! Aufsatze „Minderheitsrechtc" in der Wiener Zeitschrift „Tie Wahrheit" klar dar gestellt: „In jepem Lande hat die politische Mehr heit es in der Hand, das Schicksal der Minder heilen zu bestimmen. Es liegt in der Natur der sache, daß, n^nu eine Bevölkerungsschicht sich aus die sogenaslnten Minorilälsrechte beruft, sich die herrschende! Partei aus ihre Mehrheiksrechtc beruft und jim für jedes der Minderheit einge räumte Recht jusgiebig entschädigt." schon vor - her hatte Libeis Paris in der Zeitschrift der Al j lianre Jsrcwlite Universelle mil allem Ernste l au> die schweift Gefahr einer MinorilätsstelMlig! der Juden in fden europäischen Ländern hinge. j wiesen, „da fejii Mensch weiß, wie sich dje Po; titik der Minderheiten im neuen Europa ent-; wickeln rcirb."! Eine kleine, aber ausreichende; Kostprobe dieses Theorie hat soeben die national; sozialistische Pyrlei im preußischen Landtag ge' ' boten, indem Ae die Stellung der Juden unter : Minoritätsrechj verlangte und die netten Folge! rungen dieser ,Fechtstellung" anmutig illustrierte.! Es ist also nicht nur ein harmloser theoretischer! Fehler, die Julenheit als eine internationale G^! meinschaft zu erklären und sie als Schicksals und - Stammesgemeinschaft zu kennzeichnen. Tiefe Theorie bedeutet das Ende der jrchtlichen Gleich achlung der Jaden. j Es ist an! der Zeit, daß der logische! und geschichtliche Irrtum der Gleichsetzung * von Judenheit und Judentum verschwindet, daß : Religion und hlonsession in ihren Trennungen 1 und Berührungen richtig ersaßt werden, und daß i da» Judentums als das begriffen wird, was es! einzig und allkin ist — als^ Weltanschauung» form und Jde^ngemeinschast. Tätigkeitsbericht des Württemberg. Landesverbandes für Jsr. Wohlfahrtspflege (L.I.W.e.D.) im Jahre 1828, erstattet von ssmm» Weil in der Mitgliederversamfnlung am 26. Mai 1828. Wie alljährlich soll in der Mitgliederveesamm lung des Würt«. Landesverbandes für Jsr. Wohl! sahrtspslege Rechenschaft über die im vergangenen j Jahr im Landesverband geleistete -Arbeit adge! legt werden. Perichtszeit ist das Geschäftsjahr vom 1. Januaf 1928 bis $1. Tezember 1928. Vier Familie!» und Einzelpersonen standen im Berichtsjahr ist lausender Unterstützung und er; forderten eine Ausgabe von Mk.-734.82. Außer dem wurden Mk. 377.42 an st Familien und Einzelpersonen jausgezahlt. 212 Erwachsene und j i & ..Illllll.. W|ll!l!!II!l!ll«li!!lilll!!i!!ll!I!!!!!!»ll!!l!l!IWl!!!Il!!!!!l!!ll!IW!II!l!I!l!!!liI!!!l!WW SCHIEDMAYER Ptanofortatabrtk v. J. u. P. Sohladmayar STUTTGART, Neokarstrasse 12, Eoka uiriohstraaaa FLÜGEL / PIANINOS / HARMONIUM- ..... iiiipim METI TAIIBOH STIMMUNQEN BEQUEME TEILZAHLUNGEN Pamabraohar 20341/42 PRIX «uaj-rpuis maur-niRM icwis

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