Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- VI (1929-1930)
- Issue
- 5 (1.6.1929)
- Date
- 1929-06-01
- Page
- Seite 75 (sequence 9)
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- 75 - nicht nur der Berufsberater gehört werden, sondern auch dir Eltern und vor allem der Jugendliche selbst. Doch darf der Berus nicht nur nach individueller Reigunfi bestimmt werdrn. Auch eine Berufstätigkeit, die eine gleichmäßige mechanische Arbeit verlangt, die unter einem gewissen Zwang geschieht, kann gerade durch die zen! Zwang Besricdigung dielen. Auch kann sich jeder Mensch durch Sport und Runst in der Freizeit ein reiches Leben zimmern. Zu warnen ist gerade unsere jüdische Jugend vor einer Ueberintelleltualisicrung. I» der Jugendbewegung ist der männliche Geist süh renti. Tic Mädchen heleilige» sich meist erst dann >akli», wenn Jugendheime gegründet lind. Sic lieben weniger die großen Gruppenbildungen. Ter weiblichen Pspche entspricht mehr die engere Fühlungnahme, das innere Berbundensein mit dem Nächsten. Zu wünsche» ist, daß in dem Jugendalter nicht die jüdische religiöse Ausbildung aushört, denn gerade in dieser Zeit ist Geist und Seele dem Religiösen, dem Göttlichen ausgetan. Tic lveiblichc jüdische Jugend nimmt besoichere« Interesse an der jüdischen BevölkerungSpolitik und es liegt an de» Erwachsenen, der Jugend die Gefahren zu zeigen, die nur durch die Jugend überwunden werden können. Auch hat die jüdische weibliche Jugend eine besondere Begabung für soziale Arbeit. Tem Leid der Welt steht sie mit ossrne» Auge» und hjlssbc reit gegenüber. Tic Arbeit der WohltätigkeitSvereine er scheint ihr oft ohne seelischen Einschlag. Wir jüdische» Frauen sollen der Jugend zeige», daß wir selbst Ringend.' sind, sollen sie in unsere innere Bereinsarbeit blicken lassen, sollen sic leilnchmen lassen an unseren Bestrebungen wie an unseren Versammlungen. Tic großen Tagungen der jüdischen Frauenbewegung können durch das Masscnerlebnis das Irrationale in der Jugend wecken. Unsere Jugend muß wissen, daß die Frauenbe wegung Protest gegen Materialismus bedeutet. Unsere Jugend soll die Frauen, die Persönlichkeiten, die an der Spitze der jüdischen Frauenbewegung stehe», kenne» lernen. Unsere Führerinncn habe» sich durch Namps und Schicksal zur inneren Harmonie durchgerungen. Tiefe Frauen konnten weder verkümmern, noch satt werde». Turch das Vorbild solcher Fraucngestalten kann unsere Jugend reife» und zum Glück und zur eigenen innere» Harmonie gelangen. Ter Borlrag wurde mit größtem Beifall ausgenommen. XI. R. Stuttgart, Am 21. Mai sprach ean<|. arch. H a n s H i r s ch b e r g im Berthold Auerbach Vcre i » über „T er nahe Crir» t". I» seiner Einlei lnng zeichnete der Redner das «ulturbewußtsein des Mittelalters, daS ganz vom Katholizismus dnrchlränkt war und in jeder Lebensäußcrung „abendländisches SolidaritätSgesühl" atmete. Mit dem Fortschritt der Naturwissenschaften und der Aufklärung wird in dieses Weltbild auch der Orient eingeschlosscn und so eine geistig-seelische und auch materielle Wechselwirkung erschlossen. An drei Beispielen aus neuerer Zeit wies der Redner »ach, ivie vom Abendland im letzten Jahrhundert starke soziale und politische Jnzpulse am den Orient abgegeben wurden und wie sich dieser „Einbruch" Europas in Arabien, Aegypten und Indien aus wirkte. Die interessanten Anssührnuge» ernteten leb hasten Beifall. Stuttgart. Ter Verein jüdisches Lehmhaus." teilt uns mit, daß der auf 9. Juni angcsetzte T a - gcSausslug verschoben iverden muß, da sich innerhalb der vorgesehenen Frist noch nicht genügend Teilnehmer gemeldet hatten und darnach sür de» 9. Juni kein lltrastwagen mehr zu habe» war. Ter Aus slug ist jetzt sür den 3«. Juni vorgesehen, sür welchen Tag ein AuSs'chtSwagen mit 32 Plätzen zur Verfügung steht. Nochmalige Ankündigung folgt in der nächsten Nummer. Stuttgart. Am 2l Mai konnte Emanuel Grindelsingcr, Hohenheimerstr. ll B, seine» HO. Geburtstag begehen. Hermann Ne», Johannesstr. 2«!, durfte am 2.'>. Mai seine» 70. Geburtstag, und Adolf Baruch, Johanncsstr. 2l, am 27. Mai seine» Hl. Gebnrlslag feiern. Wir lvünschcn den würdigen Jubilaren weiter rmlc srohc und gesunde Jahre! Eannstatt. Wie bereits in legier Nummer milgclcili, feierte am IN. Mai die Israelitische Religion-- gemeinde Eannslall das 10jährige Tienftjubiläum ihres Religionsoberlehrcrr Adler. Ter größte Teil der Gemeinde halte iich am Samstag, den 18. Mai, zum Fcstgotlesdienst eingesunde». Vom Israelitischen Oberrat waren dessen Präsident, Regie rungSral Tr. Nördlinger, sowie die Herren Louis Hirsch, Stadtrabbiner Tr. Rieger und Leopold Levi, von der Israelitischen Landesversammlung deren Präsidcnt, Julius Rothschild, anwesend. Rcligionsoberlehrer Leo Adler-Stuttgart leitete in würdiger Weise den Gottesdienst. Er wurde in seinen Gesängen durch den Synagogenchor Cannstatt stimmungsvoll unierstühl. Besonders darf der Sologesang von Max Löwcnthal hcrvorgehoben werden. Tie Festpredigt hielt Bezirks rabbiner Tr. Tänzer-Göppingen, der im Anschluß a» den Wochenabschnitt den Beruf deS Priesters schilderte und insbesondere einen Vergleich mit dem Priestcrdienst des Lehrers und Führers einer Gemeinde zog. Sein« Predigt gab dem Gottesdienst eine hohe Weihe. Hieraus übermittelte S die Glückwünsche des welch tiefem Ernst liadtrabbiner Tr. Rieger-Stuttgart Jsr. Oberrats. Er betonte, mit r Jubilar die Ausgaben des bjc Rcligionslehrers fülle, und wie jeder guten Sae sind Uebermittler des GotteSworh sich jederzeit freudig in den stelle. tep er Dienst FREUDENSTADT Löwen-Apotheke Q. 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