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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1929-03-16 · 24 (16.3.1929) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
V (1928-1929)
Issue
24 (16.3.1929)
Date
1929-03-16
Page
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Gemeinde Äertuns für die Ifroeimy^c» «bemetnften WUrttetavergs ,9 .« J 0 g p t « t « verlas, Tlgjitginptil, 9«fkUg«IO sthMch 5 Mi, howstUnUch t.SO Mi JfrncUtifd!« Derlogeonftnlt G. m. b. fj. 6k «tnlpcülo« nonpartUkjtik SO R«td|sp,<iinlg pkrMfiUitttd, l.ti Mi, dnyttnmnmcr iS R»Ich«pt«mUg fernfpr. U3tt » Stuttgart » Knfcrncnftr. 13 Umfölagltltcn o. PotgagfpMg« »och tortt, famUknmi)ttg«n nn6 kktat Hnjetg«n di« Klttnjtlk to R<td)6p,«nntg, PoMd|«fc-Ksats: SM« 0q(i|tUitnng; RcktmiMjcik |.S0 JIH t Stadtradbiuer Dr. «leger, Stuttgart. Ersch«t»1 »««»tlich iwiaul mm 1. l 10. <Z haelottenstroH« 13 v. AoOroong etnttoart, 16. mär) 1929 3tr. 24 Unsere Sorgenkinder. Von Oberlehrer Th. Rothschild-Ehlingen. QlmtliOe 4$efamstnroc$«sii0ca | Zst-etttischer Cietroi. s Cttrrjf: Ferienfortbildungskurs. Am 14. bis 16. April 1929 findet in Stuttgart der fünfte Feriensortbildungskurs für die Rabbiner und Religionslehrer der Jsraelilischen Relrgiouegen.einschast Württembergs in den Räumen des Württ. Wirtschaftsministeriums, Lindenstr. 1, mit untenstehender Tagesordnung statt. Den) Teilnehmern werden die Reisekosten 3. Klasse, ein Taggeld von RM. und ein Uebernachtgeld von 4.56 RM. aus der Israelitischen Zentralkasse ersetzt. Schnellzug darf, wenn nötig» benützt werden. Tie Benützung ist zu begründe». . Nördlinger. Tagesordnung für den FericnsortbildungskurS für die Rabbiner »nd Religionslehrer Württembergs vom 14. bis 16. April 1929 in Stuttgart. 2 o n u t a g, den 14 April 1929, vormittags 10.30 bis 1 Uhr: 1. Stadtrabbiner Tr. Rieger-Stuttgart: „Die Idee und die Geschichte des Sabbathgedanken' in der Bibel mit Lektüre ausgcwählter Stellen (Tenach)." Nachmittags 3 bis 5 Uhr: 2. Rabbiner Tr. Schweizer-Horb: „Ausbau de-, Mischnah-Traktats Sabbath" (Mischnahband Mord). Nachmittags 5 bis 7 Uhr: 3. Rabbiner Tr. Tänzer-Göppingen: „Ter Sabbath in der Predigt." Montag, de» 15. April 1929. vormittags 8.30 Uhr bis 11.30 Uhr: 4. Rabbiner Tr. Berlinger-Hall: „Lektüre und Behandlung von ausgewähl ten Stellen aus dem Talmud Traktat Sabbath." (Es sind einige Talmud-Exemplare hier vorhanden. Wir bitten jedoch soweit möglich, den Talmud-Traktat Sabbath mitzubringen.) Vormittags 11 bis 1 Uhr: 5. Rabbiner Tr. Schlesinger-Buchau: „Des Sabbath in der Religionsgeschichte und Philosophie." Nachmittags 3 bis 6 Uhr: 6. Oberlehrer Rothschild-Eßlingen: „Der Sabbath in der unterrichtlichen Behandlung." Dienstag, den 16. April 1929, vormittags 8.30 Uhr bis 10.30 Uhr: 7. Rabbiner Dr. Feinb erg-H eil b r o n n: „Der Sabbath im Religionsgesetz' mit Lektüre von ausgewählten Stücken aus dem Schulchan Aruch." (Kizzur Schulchan Aruch ist mitzubringen.) Vörmiltags,von 11 bis 1 Uhr: 8. Rabbiner a. D. Dr. Treitel-Laupheim: „Die Sabbathidee bei Philo und bei den Hellenisten." Nachmittags von 2.30 Uhr bis 4.30 Uhr: 9. Religionsoberlehrer Krämer-Heilbronn: „Der Sabbath in der Liturgie." Am Sonntagabend findet ein gemütliches Beisammensein statt. Das Nähere wird bei der Tagung bekanntgegeben werden. Die einzelnen Stellen, die zur Behandlung kommen, werden den Teilnchmern noch rechtzeitig vor dem Kurs mitgeteilt werden. Tem Erzieher an jüdischen Erziehungsanstal ten werden heute in weit zahlreicheren Fällen als früher Kinder mit krankhaften Bereitschasten und Schwächen anvertraut, die in den meisten Fälle» auf Erzichungsfehler zurückzusübren sind. Ost ist er der Berater besorgter Eltern, die sich an chn wenden, daß er Helfer sei, Abnormisieruugen ihrer Kinder pädagogisch zu überwinde». Meist geschieht das aber erst, wenn die Rinder das Erzichungsalter schon erheblich überschritte» haben. Er empfindet dann den Schmerz der Ab Weisung ebenso sehr wie die Eltern, es bleib« ihm nur die bittere Erkenntnis, daß es so viele Eltern gibt, die sich so sehr dagegen stsäuben, Kinder, die rersagen, zeitig in kundige. Hände z» geben. So viel ist jedenfalls sicher, es mehrt sich auch in jüdischen Kreisen die Zahl der Kinder, die abwegige Berhaltungsweisen zeige», inöge» ihnen Schwächezuständc der Erbanlagen oder aber Reifungshemmungcli, oder Reaktionen auf er ziehungswidrige Einflüsse zu Grunde!i?gen. Tie jüdischen Eltern versagen bei solchen Kindern ebensosehr wie andere Eltern, wenn es gilt, dem nervösen oder kranken Kinde in seinem Kampse um die innere Harmonie zu helfen. Das ist die besondere Ausgabe der Heilerziehung. Es ist in den meisten Fällen möglich, beim krankheitsbereite» Kinde sogar scheinbar unterwerlige Eigenschaften-in hochwertige umzuwandeln. Zahlreiche unrermeidliche Ursachen haben zu sammengewirlt, das bedrohliche Anwachsen krankhaft seelischer Bereitschaften auch in jüdischen Kindern zu veranlassen. Wir gehören einem alten Kulsurvolk an. TaS Kcimgut eines so alten Kulturvolkes ist stark differenziert d.h.eS besitzt nicht mchr die Entwicklungsenergien, die Kraft und Stärke, die Terbgesundheit der Anlagen eines Naturvolkes und eines Volkes mit einsachcr Le bcnrsührung. Aber dafür ist dieses Keimgut in viel höherem Maße bceinslußbar auf Einwirkungen aller Art, im guten wie im schlimmen Sinn. Al e Erziehung:- und Kräjtigungsmaßnahmen im Kindesalter sonnen das differenzierte, der Becinjlussung stark zuzäng iche Anlagematerial so, daß starke Höhepunkte zu erreichen sind. Aber eine so stark differenzierte Keimanlage ist auch äußerst empfindlich gegen jede Vernachlässigung, so daß sich das Anlagematerial in solchem Falle stark unterwertig formt. Wenn in unserer Gemein schaft auch der Erziehung unserer Kinder' große Sorgfalt zugewendet wird, so können wir doch nicht leugnen, daß auch in unfern Kreisen die gesunden Erziehungs- und Kräftigungsmaßnahmen nicht überall in gleicher Weise zur Anwen düng kommen, daß hier Unterlassungssünden begangen werden, die sich an unfern Kindern bitter rächen. Es kommt ferner hinzu, daß auch heute noch viel zu wenig beachtet wird, daß die angeborene, Anlage nicht entscheidend ist für den Menschen, daß der Ernährung, der Erziehung, der Kräf tigung, der Ertüchtigung des Kindes eine wesentliche Rolle zufallen bei der Entwicklung dieser primären Veranlagung. Wenn Erzicher und Eltern die angeborene Anlage überschätzen und die Tragweite der von chnen selbst abhängigen Einwirkungen als gering bewerten, dann müssen sie natürlich Kraft und Planmäßigkeit bei der Durchführung aller ihrer erzieherischen Maßnahmen vermissen lassen oder vernachlässigen. Namhafte Aerzte und Pädagogen haben die Behauptung aufgestellt, daß zwei Trittel aller krankhaften seeli scheu Erscheinungen beim/Kinde auf, Fehler in der Erziehung zurückzusühren sind. Sie hätten also vermieden werden können, wenn Eltern und Erzieher in planmäßiger Erziehung sich bemüht hätten, das vorhandene Kcimgut abzuändern. Nur etwas mehr als ein Drittel der krankhajten Erscheinungen beruht auf unabänderlichen Anlagen, . die aus eigener Krankheitskrast trotz guter Er ziehung eben zum Turchbruch kommen. Tft Ausgaben des Lebenskampfes sind auch sür die Mitglieder unserer Gemeinschaft gewachsen. Viele unserer Mütter sind selbst mit wirt schastlichen Sorgen aller Art belastet, andere kön»>^ neu oder wol'en das schwere Werk der Erzichung nicht bei allen Kindern so bewältigen, wie es notwendig wäre. Viele betätigen sich auf dem Gebiete des öffentlichen Lebens, wo man chre Hilft braucht und wo ihnen schneller greifbare Früchte reifen. Unsere Vgter sind stärker als jeum die wirtschaftliche Existenz ihrer Familie bemüht und müssen so aus planmäßige Ex ziehung verzichten. Wir leben in liier Zeit tastender Versuche nach neuen Lebenszielen und neuen Lebensformen, in einer Zeit widerstrebender Ideen. Eine solche Zeit erschwert die Erziehung, denn nichts hemmt die Erziehung mehr, als unklare schwankende Ziele. Tazu kommt, daß unsere Schulen heute wieder Anforderungen stet len, denen nur ganz gesunde- Kinder gewachsen sind. Wir kennen nur zu gut den Ehrgeiz jüdischer Eltern, auch schwerlernende Kinder und Kinder mit seelischen Abnormitäten den höheren Schulen zuzusühren, denen sie nicht gewachsen sind und die sic weitüber ihre Kraft belasten. Ebenso ist es mit den Berufen; unsere Kinder werden vielfach Berufen zugesührt, sür die weder Eignung noch Kräftevorrat vorhanden sind. TaS alles muß sich früher ^der {später rächen. Hier ist eine Fülle von Fehlerquellen; e; bilden sich psy chische Mechanismen, die vielliicht zunächst gar nicht zum Ablauf kommen. Aber es bedarf oft nur eines geringfügigen Anlasses, und es kommt zu Aeußerungen, ti: uns erschrecken. Der angerichtete Schaden wird sichtbar, der psychisch« Kräfte- - ablauf hat die normale Richtung verloren und es kommt zu Krankheitserscheinungen. Wir bitten H hierdurch höfl. um umgehende Einsendung der noch ausstehenden Bezugsgebühren für das Jahr 1929/30 von Mb. 5.^-, damit deine Unterbrechung im Bezug eintritt. Dieselben können auch, halb» jährlich mit Md. 2.50 entrichtet werden.« Isr.DerlagsanstaltG.mb.H. Stuttgart - Postscheck-Konto 382 58

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