Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- V (1928-1929)
- Issue
- 22 (16.2.1929)
- Date
- 1929-02-16
- Page
- [Seite] (sequence 9)
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293 - fBiexwtl ich schon in meinem Bortrag unter näherer Begründung ausgrführt hatte, daß jeder Kamps gegen den radikalen Kritizismus zur Erfolglosigkeit verurteilt ist, stellte ich mich loyal zur Diskussion am 8. Januar dieses Jahres. Herr Landgerichtsdirektor Stern ist. soweit ich ihn gehilrt habe', — ich war perhindert, pünktlich zu erscheinen, — aus meine Aussührungen mit keinem Worte eiugegangeu und hat ein ganz neues Referat gehalten und für die Textkritik eine Lanze gebrochen. Meine Erwiderung hat sich wie folgt gestaltet: ich freue mich, in der Auffassung der Bibeln als Gott geofsenbarte« Sott mit Herrn Landgerichtsdirektor eins zu sein, tvas derselbe durch Zurus korrigierte. Dies gab mir zu folgenden Ausführungen willkommenen Anlaß. „Rein, Herr Landgerichtsdirektor, Sie haben so nicht gedacht, nicht gesagt und nicht gemeint, und es wäre eine Frechheit von mir, da- Gegenteil behaupten zu wollen. So aber ist es nach meiner Meinung auch eine Bermessenheit, von einem Prophetenwott zu behaupten: das hat der Prophet nicht gesagt und nicht gemeint. Wenn man selbst zugeben will, daß an manchen Stellen der Text nicht unversehrt geblieben, so müssen wir anderseits zugestehen, daß uns %bie Mittel fehlen, ihn wieder herzuftellen, daß jede sprachlich «wer historisch noch io sehr gestützte Konjektur uns noch nicht einmal die Wahrscheinlichkeit dafür bietet, daß der Prophet der heiligen Schrift nicht wie der uns vorliegende Text geschrieben habe. Wir kennen nicht genau die stehenden Redensarten, die^ geflügelten Worte, die Gleichnisse und Bilder des Zeilalters, nicht die Ideen, gegründet in den Börstel langen des Morgenlandes. - A. S. flahuda „Die Sprache de« Pentateuchs" (siehe Frankfurter Zeitung Rr. 30 vom 12 Januar 1929, 1. Morgenblatt) gibt mir darin vollkommen recht." „$etr X", so führte ich tveiter au«, „besitzt eine is Pompeji ausgegrabene Statue, die aber selbst nach Thorwaldsen und Danneiter nicht ganz unserer Aus sassung der Kunstgesetze entspricht; ein paar Feilenstriche der großen Meister würden ausbessernd Helsen. Der Re sitzer der Statue aber duldet nicht, daß Hand angelegt werde an dem echten Altertum, und so sage auch ich - nicht wir — Hände weg von unseren heiligen Altertümern, unseren alten Heiligtümern! Das treue Ausbewahren und Festhalte» der überlieferten Schreibatt der Thora ist da» beste Schutzmittel,, sie vor Fälschung zu sichern und die heiligen Quellen vor Verdunstung und Berschüttung zu schützen." Diese» bie Generalantwort aus die tettkritischen Anwandlungen des Herrn 'Landgerichtsdirektors Stern, oder ist das kein Eingehen aus die Aussührungen des Herrn Land gerichtsdirektor Stern? Run soll ich mit der Faust aus da« Pult geschlagen haben. Das hätte ich tatsächlich nicht gewußt, wenn Herr Landgerichtsdirektor Stern es Mir nicht gesagt hätte Es soll nicht wieder Vorkommen! Da» muß in der Ekstase geschehen sein, und da verstehe ich niich nun wirklich selber nicht, denn es war in der Tat nicht» Aufregendes, was Herr Landgerichtsdirektor vor getragen hat: daß die den Tod Moses berichtende» Berse des Pentateuch nicht von Mose geschtteben sein känue», daß da» Deuteronomium eine spätere Zu gäbe sei, daß die Worte, „Sonne stehe still zu Gibeon und Mond im Tale Ajalon" (Josua lO, 12) nicht ivörtlich zu nehmen seien, daß (l. Samuel 9, 9) „was heutzutage den Propheten, nannte man vorher den Seher", nicht von Samuel gesagt ist, daß da» Buch Jesaia nicht von einem und demselben Bersasser herrühre, daß in Jeremia einige Kapitel gegen die übrigen in der Sprache stark absallen und so aus einen anderen Verfasser schließe» lassen, daß Psalmen mit der Aufschrift „Ledovid", durchaus nicht von David sein müssen, daß die Engellehre und der Äe danke der Auferstehung nachexilisch und gar nicht aus jüdischem Boden gewachsen sind, und daß, wer wie er?an ein Borhersehen und an ein Vorhersagen nicht glaubt, die Abfassung mancher biblischer Schriften in eine weit spätere Zeit Hinausrücken muß. Alles den Kern der Sache nicht lies berührende Dinge. Darauf einzeln und erschöpfend zu antworten, da» geht über den Rahmen, besonders aber über die Zeit einer Diskussion hinaus. Außer dem Angesühtten hat Herr Landgerichtsdirek- PHOTO-PFfilFFER,VLH via Blldmle - Werketitte kttr jeden Geschmack Imdlvldnellee Eingaben aal tue PeraSnlidikelt ABtaahmen Im eigenen Helm Tedmlethe a. ladaetrielle Aafaahmen Jeder Art photo^bÜklame ULM a. D., Kdalg WilheimatraBe 1, Telefon S.A. Mil i Konditorei Cafe-Ben I Neu>Ulm R Qualitätserzeugnisse toi Stern den Satz geprägt: „Der Glaube an eine , Offenbarung, daß Gott .vom Himmel herniedergestiegen und gesprochen habe, bedeutet die Durchbrechung aller Naturgesetze." Da» habe ich „vollends in, Gegenwart eine» jugendlichen Publikums" als eine Ungeheuerlichkeit empfunden und ich hätte gewünscht, daß ein Maimon, ein Jehuda Halevi auserstanden wären und die Antwort erteilt hätten. Ich habe, indem ich mich an meine jungen Freunde, die zum großen Teil meine Schüler waren, wandte, mit folgenden Worten Stellung genommen: „Sie alle kennen das Sprichwort, wer einmal lügt, dem glaubt man nicht, und wenn er auch die Wahrheit spricht. Umgekehrt, Sie haben einen Freund und Führer, den Sie niemals bei einet Unwahrheit betroffen haben. Dieser Freund nun erzählt nnd - berichtet Ihnen, >va» Ihnen - sonder bar vorkommt. Ihnen nicht oder noch nicht einleuch tet, werden Sie das schlechthin verwerfen? In vielen Beispielen habe ich Ihnen gezeigt, wie die Bibel, dieser treue Führer, selbst, .in scheinbar ganz gleichgültigen Dingen da» Exempel auf die Wahrheit besteht, daß die inschriftlichen Urkunden und Zeugnisse bis jetzt diese Bibel noch nicht in einem einzigen.Punkte irgend eine« Jrttums, geschweige. denn einer bewußten Fälschung haben zeihen können. Lassen Sie sich nicht beirren, dem bewährten Führer, der Bibel, zu vertrauen." Und nun weiß ich wirklich nicht, was Herr Land gerichtsdirektor Stern will. Will er von sich rede» machen, oder mich mißkreditieren? Den schweren Borwurs der Illoyalität weise ich aus» schärfste zurück! Wahrlich, ein Mann vom Staude eines Landgerichtsdirektor« sollte sich hüten, in der Oeffentlichkeit einen durch ULM MOHREN-APOTHEKE AUGUST HEISS ALLOPATHIE UND HOMÖOPATHIE GROSSES SPEZIALITÄTEN-LAGER FERNSPRECHER Nr. 298 °e o o o o 9 O o o e o Blumtnladtn Hermann Vietzen Ulm / FrauanstraB« 31 ntöon d. SUdtpost (TrsmbahrvHRltMtdl«) empfiehlt für jede Gelegenheit passend " Mite teaditf Sie die Idaifeadcr —■ ■ ■ ■ TITESHALB PHOTOGRAPHIEREN I ** SIE NOCH NICHT?] SIE KNIPSEN - ICH MACHE ALLES WEITERE! ULMER-PHOTOHAUS u'^Ys SStßltt £20151 Tel. 27M, 3 Min. v. Bahnhof 50 Betten, fließendes Wasser In allen Zimmern Bad Unter gleicher Leitang: Restaurant und Cafi Wilhelmshöhe V^ ' 5 Minuten v. Bahnhof — Tel. 2187 L ff. Bernd Ul Mfi iPlmPF fc Erstes Haus für: iciincr | DamcnkonlcMion / Nelder-Slotle LT1 tt« JUa — intlcrplalz I ™™HEN' f LÄUFER, DECKEN usw. SalonWalz Damen- und Herrenfriseur Io. 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