Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- V (1928-1929)
- Issue
- 20 (16.1.1929)
- Date
- 1929-01-16
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 88% known words query
- IRI
…/4904101-5441815-5443060--2089-4906064- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
V kann ihn nicht wieder herausziehen." Er machte auf Nathan den Eindruck eines klugen und rücksichtslosen Emporkömmlings, den eine tiefe Brr achtung gegen das impotente Gottesgnadentum des Zarismus erfüllt und der unverhohlen seinen leidenschaftlichen Haß gegen die zum Ausdruck bringt, die ihn aus dem Amte gedrängt haben. Daß die Minister die Reformpläne nicht durchsetzten, zu denen sie sich Nathan gegenüber brkann ten, war Schuld der höfischen Kamarilla, die die Zarrnpuppe an ihren Drähten zog. Nathan erschien den Ministern, wie einer von ihnen b; kennt, als ehrlicher Mittler, der, zunächst auf einem Teilgebiet, zwischen Regierung und Volk Frieden stiften wollte. War der Ausschnitt des großen russischen Problems, de» er behandelte, auch nur klein, so rührte er doch an die Lebens fragen des gigantische» Reiches. Mancher der Staatsmänner, mit denen er verhandelte, mag eine Empfindung dafür gehabt haben, daß ^dieser Arzt aus Deutschland, der so klug und so überzeugend die Humanität als das beste politische Medikament empfahl, dem kranken- Riesenkörper eine heilbringende Medizin verschrieb. War es zu spät? Fehlten Einsicht und Wille? Im September 1906 wurde das Warschauer Judenviertel Schauplatz eines neuen Gemetzels. Hundert Tote und mehrere hundert Verwundete waren die Opfer, und die Kanonen, die man dann zu spät aufsuhr, zeugten von der Unfähigkeit einer Regierung, die die Tinge so weit treiben ließ. Am 31. Dezember 1906 legte der Minister rat dem Zaren den Entwurf eines Manifestes vor, das ivenigstens die die Juden beschränkenden Bestimmungen von 1682 ausheben und Land» Pachtungen im Rayon gestatten sollte. Ter Zar wies auch diese bescheidenen Vorschläge zurück und verhinderte de» Beginn einer Reform, die vielleicht nicht nur den Juden geholfen hätte / - Otttf btt tbtt> «tHttflart. 3 i p u ii rt des Borstcheramt« vom 6. Januar 1929. Ter Haushaltplan für das Rech nungsjahr 1928/29, von der Finanzabteilung des Bor siehcramt« in mehrere» Sitzungen vorberatc» vom Borstehcramt in seiner Sitzung vom 9. Juli >928 in namentlicher Abstimmung einstimmig genehmigt wird nachdem der Haushaltplan des OberralS und die Steuer festsetzung der Landesversammlung bekannt sind, zum Zwecke de» Steuerbeschlu>'ses noch einmal einer Tnrchiicht unterzogen. Nach dem Boranschlag beträgt der Abmangel der Gemeinbepslcgc zuzüglich der a» die Zentralkasse abzn führenden Beiträge zum Gehalt der Rabbiner und Reli gionslchrer RM. 88 613. . Ter wirtschaftliche» Lage Rechnung tragend, wurde der Haushaltpla» aus das notwendigste Maß beschränkt. Hiedurch und durch Einstellung der Borschüsse srü herer Jahre >var es möglich, den .Hundertsatz aus 2.5 gegen 3,75 im Borjahrescstzuietze». Tie von der Gemeinde Stuttgart anszudringendc Landesninlage beträgt AM. 141782. . Zu ihrer Teckung sind * •' <> (im Borjahr t > > "u) erforderlich, sodaß im .gauzen 6.5 o,, aus dem dreifache» Bcrmögcnsstcuersoll und dem einsackien Eiiilommei,steuersoll des Kalenderjahrs 1927 z» erheben sind. Tamit ist der Steuersatz der ltzemeindt Sluttgarl sür die örtliche Steuer nicht »nr niedriger als der aller Gemeinde» des Landes, er liegt auch lveit unter der Höhe der Umlage, die in nicht ivürtteinbergische» Städten wie Aschasscnburg, Augs bürg, Bamberg, Fürth, München, Nürnberg, Würzburg u. a., in denen an örtlicher Umlage' 7 12 **, <> vom Steuersoll erhoben werden, wozu noch 3 Landes Umlage kommen. Ter Finanzabteilung und der ltzemcindepslege wird sür die sparsame Wirtschaftsführung der Tank des Kollegiums ausgesprochen. Stvttgori. Ter Bereit, Jüdi'chxs Lehrhans versendet in diesen Tage» seine» Arbeitsplan sür die Zeit vom 7. Januar bis 22. März 1929 und bittet gleichzeitig die Gemrindemitglieder an den Kurien und Beranstaltungen teilzunehmen. Ausgabe dieser ist, wie es im Arbeitsplan heißt, „dem allgemein erkannte» Bedürfnis unserer Zeit, die Erhaltung lebendige» Juden tums, zu dienen; denn in erster Linie tut dazu wirk tiches Wisse» von jüdischen Dingen not. Dieses will das Lehrhaus vermitteln, einem engeren Kreis in seinen Kursen, der große» Lesientlichkeit in seinen Sonderveranstaltungen, mit denen e« 'ich im geistigen Leben unserer Stadt zunehmende Beachtung erwirbt und das Ansehen des Judentums in der Umivelt wesentlich fördert. Soll das Lehrhaus aus diesem Weg weilergehe», io bedars es der tätigen Mithilfe aller jüdischen Kreise. Vrtrntr 3<*Aen om Brr JtlaortnaMrr. (B’n»i B nth Wir erinnern daher alle tßemeindemitglicder, die die Wichtigkeit unseier Arbeit erkannt haben, uns aber »och fern stehen, daran, daß es not tut, diese Erkennlnir in die Tat des Beitritts zum Verein umzusetzen, denn nur ein wachsender Stamm von Mitgliedern und Freunde» kan» unserem Bestrebe» eine sichere Grundlage geben." Auch wir fordern unsere verehrl. Leier, die »och nicht Mitglieder des Jüdische» LehrdauseS sind, aus. seine wertvollen Bestrebungen tatkräftig ^u nnlerstützc» und einer Organisation beizutrele», deren Arbeitsleistung in der breite» Oefsentlichke.it ausgezeichnete Würdigung gesunden hat. f Stuttgirl. Wie uns Vas Jüdische L^r y r h a » s mitteilt, finde» die »cuhebräijche» Kurse von Tipl. Ing. Pläwner nicht, wie in unserer letzte» Num mer angezeigt, am Montag und Sonntag, sondern sür Anfänger Donnerstag abends von 8 l» Uhr (Beginn 17. Jan.) und für Fortgeschrittene Samstag abends von 6 8 Uhr (Beginn >2. Jan.) statt. Stuttgart. Ta» in letzter Nummer verössenllichte Bild der Makkabäer Aufführung des Berthold Auerbach-Vereins stammt aus dem Photo groshischkn Atelier von Samson & Co, Stuttgart, Königstr. 69. Stuttgart. Berthold Anerbach Verein. Ter sür den 8. Januar angesetzie T i » k n i i, o n s a b e » d über die Themen „9! r l i g i o » »nd P i » ch o a n a l h s e" und „B i b e l k r i t i k" hatte eine» sehr starken Besuch auszuwei'en ei» Beweis -dafür, daß die i»> B.A.-B. hierüber seinerzeit gehaltenen und ,» un seren Blättern schon besprochene» Neserate das I» teresse weiter Kreise gefunden habe». Tr. Walter Einstein leitete den Abend mit kurzen Worten ein, in denen er das Wesentliche der beiden Wistens gebiete nochmals auszeigte. Sodann ergrijs Landge richlsdircltor Stern das Wort. Er legte dar, daß die tvörtliche Jnspiratio» der Bibel icho» wegen her zahllosen Unstiinniigkeitc» »nd Widersprüche de» über likserte» Textes, insbesondere aber n>egen der Un Möglichkeit, nur vom Siandpunkl des Wunderglan be»s aus zu verstehende Erzählungen für ivahr zu halten, vom liberalen Judentum abgelchnt werden müiie. Eia« etwaige Bestätigung biblischer Berichte durch außer jüdische Schriften »nd Ausgrabungen, lei sür de» liberale» Jude» nur unter dem voranssetzungsloien ok l'ichtspnnkt einer Ermittlung der geschichtliche» Wahrtn'il von Bedeutung. Bon re igiöien GesichtSvunkien aus könn len sie nur dann sür de» Glaube» erheblich »»erden, wenn durch, sie nachgewicsen würde, daß nicht nur der dem Bolke Israel vielfach mit anderen Bölkern gemeinsame Ttoss der Bibel svnder» auch Form und Geiß derselbe» bei anderen Bölkern entlehnt seien. Ter Red »er "ist jedoch der Ilcderzeugung, baß eine unbefangene geschichtliche Forschung niemals zu solchen Ergebnissen gelangen werde. Wen» auch die Bibel Menschenwerk sei, so bleibe sic sür den liberale» Juden doch iiiio fern eine göttliche Lssenbarung, als in ihr dev- Ge ■ „ins eines in gottgewollter großartiger Einseitigkeit aus schließlich sür die Religio» begabte» und in diesem Si ine allerdings auserwählten Volkes ikii»-n klassischen Ausdruck gesunde» habe. Hieraus sprach Tr. Hasgall und sührte ans, daß keine Wissenschaft voransietzungslos ist. Tie liberale christliche Theologie hatte nur insofern.Interesse an der Bibel, als iie durch ihre Forschungen das Neue Testa ment als die religiös« Vollendung dcrstellcn wollte. Besonders die Bibclkritik ist nach dieser Richtung nicht voransietzungslos an de» üdcilieserlen Text getreten. Sodann sprack, Tr. W a g n e.r sür die Religion der allgemeinen Menschlichkeit, die in dem Sprichwort ,sTue recht »nd scheue niemand^ ihren Ausdruck findet und leitete hicrmir zu den Ausführungen von Ober rcchnungsrat M e n e r über, der die Bibel als ein unantastbascs Gut und als die heilige Grundlage der jüdischen Religion ansieh«. Er richtete einen warmen Appell an die Jugend »nd forderte iie ans, für die Bibel stets lvie sür eine» guten Freund einzulre:«» »nd ihr Pertrauen zu schenken auch dann, lven» sic. nicht alle rein vcrftandesmäßig gestsMen Fragen de anlivorlcl. Infolge der vorgerückten Stunde war cs nicht mehr möglich, auch zur Psnchoanalnsc Stellung zu nehme». Hugo T n h i d i o h n ergriss noch zuletzt das Wort und erklärte, daß hie zur Tiskusiion gcstetllen Themen sür einen jüdischen Jugeudverein nicht besonders ge eignet icieii. Wen» auch die aiigeschnitleiien Probleme an diesem Abend nicht geklärt wurden, io kann man alles in allem genommen doch sagen, daß die Beranstallung sehr interessant ivar. Stuttgart. Am 16. Januar, iiachmiliags 16.15 Uhr, spricht Oberlehrer 2. Spatz, Reringeu, im Slntt garlei Südsunk über „Germaiiisckies im jüdischen Kul lris". Wir mache» aus dieien Vortrag besonders anfmerkiai». Stuttgart. Jui M.irz >926 brach von Jcruialein »iilcr der Leitung des Regisseurs Joief Gal Eier eine Filinerpediiion naili dem Toten Meer auf, um eine Kamera Reise von der Mündung des - Jordans dis zu seinen Onellen am Heriuon Gebirge j» unlernehmen. Wundervolle 'Bilder von dieser abenteuerlichen Fahrt, die manchinal durch ganz nndcivobiite, ja znm Teil* von Europäern noch nie betretene ttzegenden führte, sind nniiinehl in einenr Film „Frühling in Palästina" zu sehen, mit dessen .Herstellung sich die leide» Palästina Fonds, der AusbaiisondS Keren Hajejiod und der Bodenfonds Keren Kajemeth Lejiiracl auch kullnryislorische Verdienste erworben haben. Tieier von der deutschen und jüdischen Presse glänzend benrieilic Film läuft am 3. Februar d. Js. in den Kammer Nil untätigen Händen können Sie Zusehen, wie IhrWAschebestand langsam dahinschwindet. Selbsttätig wird Ihre Wäsche ruiniert, wenn Sie das unrichtige Waschmittel wählen. Vorsichtige Frauen waschen seit Jahrzehnten nie ohne Dr.Thompson’s Seifenpulver. Beruckslchtiaen INSERENTEN