Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- V (1928-1929)
- Issue
- 17 (1.12.1928)
- Date
- 1928-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
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hoben, mit deren Beihilfe ti möglich wurde, dem Berein ein würdige« Bethau« zu errichten. M. Kellermann erstattet« den Kassenbericht. Die Herrichtuug de« neuen Bethause« hat den Berein in Schulden gebracht. Wa« di« Mitglieder im letzten Jahr an Beiträgen und Spenden ausbrachten, übersteigt die Leistungen der früheren Jahre fan ein vielfache«; trotzdem war es nicht möglich, die gesteigerten Kosten au« Berein«mttteln zu bestrette». Hilfe tut not! Rach Entlastung de« Vorstände« wurden Reuwahlen vorgenommen. Wiedergewählt wurden : M. Pariser als 1. Vorsitzender, B- Freund! als stell». Vorsitzender, M. Kellermann als Kassier, A- Ausübel al« l. Gabbe, G. Haspel als Beisitzer. Reugewählt wurden B. Schreiber und M. Fendel. Stuttgart. Trauerfrier für Hermann Moor. Unter außerordentlich starker Anteilnahme weiter Kreise de» Handel« und der Industrie fand am Sonntag, den 26. November, di« Beisetzung des im 77. Lebensjahre nach langem Leiden dahingegangcnen zweiten Seniorchef« der Firma Elias Moos, Hermann Moo«, statt. Nachdem der Stadtrabbiner in de^. Frirdhosskapell« in einem Gebete in warmen Wor- tcn die edlen Eigenschaften des Verstorbenen geschildert, hielt am Grabe der Resse des Verstorbenen, S. Moos- Hamburg, die Gedenkrede, in der er den Verstorbenen aNP einen Mann rastloser Arbeit darstclltc. Im Jahre 187-1 war er, nachdem er einige Lernjahre in Amerika zugebracht, in die väterliche Firma eingetreten, der er seitdem gemeinsam mit seinen beiden Brüdern seine voll« Kraft gewidmet hat. Weitere Abschiedsworte widmete der Prokurist der Firma, Herr Hamburger, dem Verstorbenen im Namen der Angestellten und Arbeiter, wobei er hen immer gütigen Ehes und väterlichen Freund seiner Mitarbeiter dankbar rühmte. Mit einem Gebet und einem Gottesdienst schloß die Feier, di« in ihxrr eindrucksvollen Schlichtheit der letztwilligen Bersügung des Heimgegangcnen entsprach. Lregliuge». Am 7. Dezember d. Js. begeht Oberlehrer Jos. P r e ß b u r g e r, der noch immer im Amte ist, in voller geistiger und körperlicher Frische seinen siebzigsten Geburtstag, verehrt von seinen Schülern, seiner Familie und der ganzen Gemeinde. Möge dem Jubilar in Gesundheit ein recht' angenehmer Lebensabend beschieden sein. Ad miwh weeßrim schono. Heilbronn. Am 19. November ds. Js. hielt LandgerichtSdirektor Stern, Stuttgart, im Bund jüdischer Jugend „Monkefiore" einen Propazandavortrag über die „Felaschas". Der Redner gab eine erschöpfende, von — 219 - Begeisterung, durchglühte Schilderung diese« eigenartigen jüdischen Stamme« in Abrssynien und ergänzt« seine Autführuugrn durch ein« Darstellung der neuesten Forschungen auf diesem Gebiete. — Wie da« Judentum nach Abessynien kam, so führt« der Redner ungefähr aus, ist noch ein ungeAfte« Problem der Wissenschaft. Die Sage führt die Hiftlhg» ssincr Siedlung in die Zeit König Salomos zurück, dessen Freundschaft mit der Königin von Saba ein Sohn, Menilrk, entsprösse» sein soll; in ihm erblickt man den Ahnherrn der spätere» Könige von Abessynien. Durch seine Mutter war Mcnilek der jüdische» Religion zugesührt worden. Spä ter verbreitete die Mission da« Ehristentum unter den Abessyniern. Ein kleiner Bolksteil aber — die Felaschas blieb dem Judentum treu. Die Felascha« unterscheiden sich wesentlich von ihren Stammgenossen. Sir sind ein Naturvolk, das'Ackerbau und Handwerk betreibt und streng an den Gqttzen de« Pentateuchs festhält; mit Ausnahme von Ehanukka und Purim beobachten sie all« jüdischen Feste, üben streng« Sabbatruhe — aber die hebräische Sprache kennen sie als Gebrtssprache nicht. Ihre Gebete aber, von denen der Redner einige vortrug, erinnern an die unseren. Der Redner führte weiter aus, daß man schon aus Gründen der universalen jüdischen Idee diesen fcemdstämmigen Glaubenibrüdern Hilfe und kulturelle Förderung angcdeihen lassen müsse. Um die Felascha-Forschung hat sich Dr. Feitlowitsch besonders verdient gemacht, der schon, einige junge Felaschas in Deutschland ausbilden ließ, um sie als Kulturträger wieder in ihre Heimat zurückzusenden. Sin Versuch de« Referenten, junge Felaschas auch im Eßlinger Waisenhaus unterzubringrn, scheiterte. Zum Schlüsse sprach Landgerichtsd.irrktor Stern die Hoffnung aus, daß das FelaschahilfSwerk von der ganzen Judcnheit getragen werde. Die interessanten Ausführungen ernteten den dankbaren Beifall einer zahlreichen Hörer schaft. X. Heilbr»»». Israelitischer Frauenverein. Am 20. November ds. Js. sprach Frau Dr. S e l m a Stern-Täubler, Heidelberg, über ,Zud Süß". Eine große Zuhörerschaft folgte den interessanten Ausführungen, die wir schon srühv in unseren Blättern besprochen haben, mit großer Aufmerksamkeit und dankte durch lebhaften Beifall. Heilbr»»». Bor kurzem verstarb hier der allseits geschätzte Kaufmann Moritz Kirchheimer, Inhaber der Firma S. M. Kirchheimer, Landesproduktc, im 62. Lebensjahr. Ter Verblichene gehörte dem Jsr. Vorsteherin»! al» Mitglied an, war Kassier des Wohl tätigkeitsvereins und hat für die Gemeind« stets vorbildlich gewirkt. — Am Grabe sprachen Mose« Flegenheimer, Stuttgart, im Namen der Stuttgarter Getreidebörse, deren Oberschiedsgericht Moritz Kirchheimer seit langem angehörte, Albert Scheuer für den Israel. Wohltätigkeitsverein und Tr. Gumbel für die Herder- Loge. Das Andenken des verdienten Mannes wird in aller Erinnerung sortleben. L«»ph«i«. Kriegcrgedenkseier. In der hier seit 6 Jahren üblichen eindrucksvollen Weise wurde am 21. und 26. November d. I». der Kriegergedächtnistag begangen. Ter synagogalen Feier am Samstag im Hauptgottesdienst folgte am Sonntag die ösjentlichc Feier aus dem Israel. Friedhöfe vor dem Kriegerdenkmal. Sämtliche Vereine der Stadt versammelten sich um 2 Uhr vor dem Hdthau« und zogen unter Vorantritt der Stadtkapelle und unter Begleitung der-v städtischen und staatlichen Behörden und zahlreicher Beteiligung aus allen Kreisen der Stadt zuerst aus den össentlichen Friedhof, au dessen Kriegerdenkmal der evangelische Geistkichc, der im Turnus mit dem kathol. Geistlichen abwechselt, dir Gedächtnisrede hielt. Unter Gesängen der vereinigten Gesangvereine wurden Kranzspenden am Denkmal niedergelegt. Tie erhebende Feier war von Ehorälen der Stadtkapelle umrahmt. Hieraus bewegte sich derselbe Zug in gleicher Ordnung auf den Israel. Friedhof, um am -Denkmal der jüdischen Gefallenen nach Gebet und Predigt von Oberlehrer Kahn in gleicher Weise der Feier beizuwohnen. Tie Beteiligung auch auf dem Israel. Friedhof war wie alljährlich eine überaus zahl - reiche und legte ein schönes Zeugnis von dem kon ses'ionellen Frieden in unserer Gemeinde ab. —hn - Lsttpheim. Am 21. November d. Js. feierte in aller Stille Jakob Lammfromm seinen 70. Geburtstag. Sowohl durch seine Tätigkeit als Gemeindepfleger in der schlimmsten Zeit der Inflation, als auch als Hilfsvorbeter an den hohen Feiertagen wie überhaupt durch sein vorbildlich ruhiges und religiöse» Leben hat er sich die Hochachtung und Verehrung der ganzen Gemeinde in hohem Maße erworben. Ties kam an seinem Ehrentage in schönster Weise zum Ausdruck. Möge ihm an der Seite seiner gleichgesinnten Gattin ein recht , langet Lebensabend beschieden sein! — na-- Laupheim. Am 2. Tezembcr d. I«. feiert die Se niorin unserer Gemeinde, Frau Fanni L. Steiner geb. Roscngard in Körperfrische und hervorragend geistiger Kraft ihren 90. Geburtstag. 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