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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1928-11-16 · 16 (16.11.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
V (1928-1929)
Issue
16 (16.11.1928)
Date
1928-11-16
Page
[Seite] (sequence 9)
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15 Uhr im Gesellenhnns ihren Anfang. Dieselbe wurde durch musikalische und gesangliche Tardielungen eingc leilei, in welche sich die Damen Frau Dr. L. Hirs ch, Frl. T. Roberts, Frt. L. Levi und Frau Tr. U r y teilten. Alsdann folgte die Begrüßungsansprache durch Frau Levi, die Borstandsdame de- Ulmer Bereins. Ihr Willkomm galt alle» Teilnehmerinnen, die in einmütigem Streben nach der Tonartstadt gekommen, um praktische und theoretische Probleme sozialer Arbeit gemeinschasllich zu eiöricrn. Herzliche Worte des Bedenkens ividmete sic der erst vor kurzem verstorbenen 1. Vorsitzenden und Gründerin des Bunde« Frau Fanny Heul«, Hcilbronn. Diesen AussÜhrungen schlossen sich Gesänge von Frau S. Leiter und Frau Dr. Glück- Esten an. Hernach erstattete Frau Bergmann, Laup heim, ihr großangelegte« Referat. Bor allem nahm sie Beranlassung, den Tank der Bersammlung der rührigen Leitung gegenüber sür ldie Durchführung dieser Veranstaltung zum Ausdruck szu bringen. Auch sie sühlte sich gedrungen, das selbstlose und mustergültige Wirken von Frau Henle nochmals zu beloneu und forderte nachdrücklichst zur Racheiserung in jeder Bezichuitg aus. Zunächst schilderte Frau Bergmann ihre Eindrücke von der Breslauer Tagung. — Der schwere Kamps int Erwerbsleben, der wirlschastliche Ruin des Mittelstandes, die sittliche Gefährdung der frühzeitig aus sich selbst gestellten Jugend, die Bedrohung der Bolksgcsund» heit durch schleichend« Krankheiten, Berfallserscheinungen im Judentum, die Angrisse des Rassenhasses, die Heimatlosigkeit der durch den Krieg entwurzelten jüdischen Massen — dies alles stellt die jüdisch« Frauenwelt vor neue Ausgabe», erfordert Abhilfe und Gegenwehr in tätiger Hingabe. Jugenderziehung und Ausbildung, Hauswirtschaft, Familienversorgungs-Bersicherung, Berufsberatung, Eheanbahnung, Rednerinnenkurse, Unterstützung des Verbandes durch regelmäßige Beiträge des Berbandsorgan« usw. waren die hauptsächlichen Punkte, über welche Frau Bergmann klar und sachlich referierte. Die schwache Kraft der Eiiizelperjäiilichkeit vermag hier allein nur ivenig auszurichten. Die soziale Hilssarbeit muß vielmehr Gemeinschaftsarbeit iverden, um fruchtbringend zu sei». I» Erkenntnis dieser Rotivendigkeit hat der jüd. Frauenbund allerorts die Frauen zu gemeinschastlichei» Kampf gegen die Röte und Schäden unseres moderne» Lebens organisiert. Reicher Beifall wurde der Rcserenti» für ihren klaren Bortrag gezollt. Die rege Aussprache brachte noch verschieden« neue Anregungen (z. B. Reisesteuer), die sämtlich in dem Willen gipfelten, aus dem großen Gebiete der sozialen Liebestäligkeit helfend mitzuwirken. — Mit herzlichem Tanke an die Erschienenen und dem Wunsche, eine solche oder noch größere Zusammenkunft im nächsten Jahre — vielleicht im Unterland — zu ermäglichen, schloß Frau Levi die in jeder Hinsicht gelungene Beranstaltung. Däter und Söhne. Don Bez. Rabbiner Dr. Deermann-Heilbronn. Die Rabbinerjamile Bamberger ist zumal in Süddeutschland bei Juden aller Richtungen zu einer gewissen Volkstümlichkeit gelangt. Seit Selbmann Bär Bamberger durch seine Frömmigkeit und talmudische Gelehrsamkeit dem Würzburger Rabbinate hchren Glanz verlieh, sind nun schon mehrere Generationen hindurch Söhne, Enkel und Urenkel beflissen, im Geiste des verehrten Ahnherrir zu wirken. Es ist rührend zu sehen, wie allent Wandel der Zeiten entgegen, sich der Geist strenger Gesetzestreue und der Vietät gegen die überkommenen Religionszüter bis heute in dieser Familie erhalten hat. Das kam mir erneut zum Bewußtsein, als ich mich in zwei eben erschienene Schriften versenkte. Die eine vom Urenkel des berühmten Würzburger Raw bietet die Doktordissertation des Kissinger Rabbinersohns M. £ Bamberger, die uns in die Zeit der Toßaphisten führt, und der wir daher zuerst unsere Aufmerksamkeit schenken wollen und das Responsenwerk de>- Jsak Halevi Bamberger, das der Vater de) oben genannten jungen Gelehrten, der Rabbiner Dr. Bamberger Kissingen mit vorbildlicher Sorgfalt veröffentlicht hat. Jahrhundertelang schlummerte in der großen Handschristensammlung der Münchner Bibliothek der Pentateuchkommentar des Joseph bchor Schor, der zur nordfranzösischen Exegetenschule gehört. Im Anschluß an die bisher veröffentlichten Teile jener Erläuterungen zum Pentateuch gibt Bamberger nunmehr die zum vierten Buch Moses erhaltenen exegetischen Bemerkungen des mittelalterlichen Bibelerklärers mit gewissenhafter Treue und mit sachfördernden Anmerkungen heraus, die uns einen Blick tun lassen in die Quellen, die der Ausleger bei seinem Kommentar benutzt hat. Besonders wertvoll erscheinen mir die vielfachen Vergleiche und Hinweise auf verwandte Ideen bei den Toßaphisten. Zu ihnen muß man ja Joseph schon um deswillen rechnen, weil er ein vielgefeierter Jünger des Raschienkels Rabbenu Tam war. Schon längst habe ich darzutun - 205 - versucht, daß unser Joseph identisch ist mit dem bei den Toßaphisten öfters genannten Joseph aus Orleans, eine Annahme, die durch die ganze Ar beit BambergerS erneut^ihre Bestätigung findet. „Netia schel simcha" nennt der Kissinger Rab biner die Sammlung Response» des frühe ren Würzburger Rabbiners Jsak Bamberger. Um dieser „Pflanzung der Freude" gerecht zu wer den, muß man sich vergegenwärtigen, daß nach der ganzen religiösen Einstellung des Fragenden und Antwortenden jede Lehrmernung der Dezisoren und jeder überkommene Brauch von un antastbarer Heiligkeit sind. Nur dann kann man verstehen, daß Erwägungen wie die, ob man ein lleines Kind am Sabbat waschen dürfe, überhaupt angestellt werden. Der aus historisch-positivem Standpunkt stehende moderne Rabbiner wird der Befürchtung, es könnte das Ausdrücken des Schwammes eine am Sabbat verbotene Handlung sein mit dem Grundsatz des Talmuds begegnen, daß in Rücksicht aus die durch Unreinlichkeit entstehende gesundheitliche Gefahr eine etwaige rabbinische Erschwerung nicht zu beachten sei. Unser Autor will am Sabbat die Waschung des Kindes nur direkt mit den Händen unter Ausschluß des Schwammes gestatten. Ebenso trägt er Bedenken, Kissinger Kurgästen die Benützung des Heilbades am Sabbat zu gestatten, was durchaus logisch und folgerichtig ist von der Einstellung aus, daß dies nur einem gefährlich Kranken zur Lebensrettung gestattet fei; denn die erleichternde Auffassung einiger Dezisoren, nach der alle innerlich organisch Kranke als — {>esährlich krank im talmudischen Sinne aufzuassen sei, macht er sich nicht zu eigen. Sehr Dannigfach ist der Inhalt des Buches. Schächtwesen, Tierschau, Eherecht, Fragen des insgesetzes finden eingehende Berücksichtigung, u der Frage, ob man zwei Paare zugleich religionsgesetzlich trauen darf, bietet das Buch eine gründliche Behandlung. Bereits die alten Dezi- CANNSTATT Gote 6<8toeUK0ar5«!■ MARKTSTR. 24 / TELEFON Nr. 50012 EIGENE KONDITOREI Pfinktlldier Vcruid nach auswirt« Erstklassige Moborbett Umarbeitungen Karl Kunze KOnlgstrafce 46 / Telefon 5t 124 Drogerie LWegde, KOntgsir. 46 Conrad Schräg / Cannstatt $cflentn|e 2 Hehl en gros la S, 10, IS, SO W. 100 Ko. Mdcen / Liefernag frei Haas 1 Mftcwumc ——— Aafo Reparalarwerkslfilfc Einbau n. Regulierung v. PALLAS Unterdruckförderern und Vergasern EUGEN BEUTTER Ml SOL a BEUTTER Cannstatt, Karlstraße 18 a, Telefon 51202 Homüopaihisitie Zentralapnlheke holrat U. mayer Cannstatt, Waiblingentr. 7 Einzige rein bonmopattilsdie flpotliefce UflrtleBbergs GÖPPINGEN n ADIOHAUS S IV V. GEHLEN 5 KIRCHSTRASSE 1 , Lieferung v. Radioanlagen u. 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