Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- V (1928-1929)
- Issue
- 12 (18.9.1928)
- Date
- 1928-09-18
- Page
- [Seite] (sequence 6)
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den ein neues und fruchtbares Leben erschließt. Ter jetzt dort beschrittene Weg erscheint uns aber unglücklich, und aus dieser Erkenntnis heraus fühlen wir uns verpflichtet, überall da warnend unsere Stimme zu erheben, wo wir ein In teresse für die Palästinaarbeit überhaupt voraussetzen können. Es ist wiederholt ausgesprochen worden, daß wir jedes Ausbauwerk in Palästina begrüßen, das sich frei hält von nationalen Be strebungen. Es ist klar, daß in Palästina so gut wie in Rußland oder an irgend einer anderen Stelle der Erde, wo jüdische Siedlungen sind oder sein »verden, sich durch die Tatsache der Zusammenfassung einer großen Menge von In den in einem Bezirk auch außerhalb der Reli gion bedingte jüdische Kultur, Wirkschafts und Rechtsanschauungen bilden müssen. Was aber die Masse unserer Freunde, welche dem Keren Hajessod in seiner heutigen Form ablehnend ge ^enüberstelien, zu ihrer Haltung veranlaßt, ist nicht dieser Gesichtspunkt, sondern e; ist das Bestrebe» ocs Sttren Hajessod, in Palästina ein jü disches Zentrum für alle Juden der Welt zu schassen und demgemäß jede Einrichtung dort lischt nach ihrem wirtschaftlichen Wirkungsgrad, sondern nach ihrer politischen Wirkung aus das gesamte Judentum zu beurteilen. Wird einmal die Iewisd Agency gegründet und so ausgebaur wer den, daß auch Nichkzionisten in ihr einen maß geblichen Einfluß gewinnen können, so wird die Möglichkeit einer Mitarbeit an dem Aufbauwert für alle Juden geschaffen sein. WaS wir wollen, iir die Kolonisation, die sich allein nach dem realen Nutzeffekt richtet." Tie Einschließungen der Londoner Kommis siou zeigen einen gangbaren Weg zu diesem Ziele. Es wird den zionistischen Partcitheorelikern, das haben die stürmischen Tage der Berliner Sitzun gen des Aktionskomitees bewiesen, nicht leicht, sich in diese l^edankengänge einzuordnen. Aber Pari-, ist eine Messe wen, und um des großen Gedanke» willen sollten die kleinen Einzelwünscht willig geopfert werden. Wo^sollen wir Sport treiben? Bon Luv The mal, Psorzhnm. Tas am 19. August in Stuttgart staitgehabie _/.Süddeutsch? Tressen" des „Pcroandes der jüd. Iugendrercine Teuifchlands" verbunden mit spori.ichen W-ttlämp-en' der Landes-Beroände Bauern, Württemberg, Baden und .Hessen wirft muii lkürlich die Frage aus: „Wo sollen ivrr Juden Sport trneen?" Taß von der allgemeinen Turn und Sportbewegung der heu.izen Zeit auch die' jüdischen Kreise in immer iveikercni Maße erfaßt wer den, dürste ivohl allgemein bekannt sein. Toch würde schon oft ii kleineren Kreisen darüber — 146 - gestritten, ob die jüdische Jugend sich in „allgenuinen", d. h. interkonfessionellen Turn und Sportvereinen betätigen oder sich zu eigenen „jüdischen" Sportvereinen zusammenschließen soll. Man kann diese Frage natürlich nicht einheit lich für alle Gemeinden beantlvorten, sondern man muß zunächst einmal die örtlichen Verhältnisse berücksichtigen. Meist hört man auf obige Frage die Antwort: „Wir wollen keine eigenen jüdischen Sportvereine, hinein in die paritätischen (interkonfessionellen) Vereine; denn hier kann man durch Verkehr mit den nichtjüdischen Sportgenossen viel zur Bekämpfung des Antisemitismus beitragen. Im allgemeinen wird man diesem voll und ganz zus.iinmen, insbesondere, wenn es sich um klei nere Orte handelt, in denen schon an und. für sich die Existenz jüdischer Sportvereine in Frage gestellt ist. Sobald es sich aber um mittlere und größere Städte handelt, gehen die Meinungen hierüber weit auseinander. Gerade hier ist es sehr schwer, unsere Jungens und Mädels in größere» Scharen den paritätischen Turn und Sportveninen zuzusühren. Tie meisten fühlen sich den anderen körperlich unterlegen, wollen aber in chrcn Leistungen nicht zurückstehcn und bleiben daher der körperlichen Ertüchtigung lie der ganz fern, als daß sie als Juden sich de» anderen nicht als vollkommen gleich leistungS fäl ig erweisen. Tie Möglichkeit aber, den größten Teil unserer jüdischen Jugend für Turnen und Sport zu gewinnen, bietet sich eben nur durch eigene jüdische Turn- und Sportgruppen Selbstvcrständ.ich braucht das letztere das erstere nicht auszuschließen und eS ist jederzeit zu begrüßen, wenn besonders gute jüdische Turner und SportSleute ihren Weg auch zu den pari lä i(chen Vereinen einschlagen. Aber gerade durch jüdische Turn und Sportvereine kann man bei guten Leistungen viel zum Ansehen des Judentums beitragen. Wer z. B. einmal den jüdischen Sportverein „Hakoah Wien" mit dem Mogen-Tovid auf der Brust vor über 40000 Zuschauern spielen und siegen sah, der wird zugeben müssen, daß man in der heutigen Zeit kaum besser gegen den Antisemi tismus ankämpfen kann als durch gute sportliche Leistungen, welche ihre Wirkung auf die Massen nie verfehlen. Oder verfolgt man die öffentlichen Veranstaltungen der Sportgruppen des R.j.F. in Berlin oder anderen größeren Städten, ins besondere Westdeutschlands, so muß man zugeben, daß diese sportlichen Veranstaltungen bei den stets zahlreicher erscheinenden nichtjüdischen Zu schauern dem Judentum schon viele tausende Freunde verschafften und ebenfalls viel zur Bekämpfung des Antisemitismus beitragen. Aber nicht dies allein ist der Hauptgrund, un scre jüdische Jugend zur sportlichen Betätigung heranzuzichen: Sport wandelt Mißmutig« in Lebensfrohe; denn Sport wirkt lebensbejahend. — Sport stählt die Willenskraft und stärkt das. Selbstbewußtsein. — Sport fordert Selbstdiszi-, plin, Selbstbezwingung des eigenen Jchs, Unterordnung unter den selbstgewählten Führer. Aber Sport weckt auch das Gemeinschaftsgefühl und das Äemeinschaftsbewußtsein, und so könnte man noch eine Reche weiterer Vorteile aufzahlen. Drun kann man es nicht oft genug wiederholen: Sorgt in allen Städten und Gemeinden, in denen es sich irgendwie ermöglichen läßt, für jüdische Sportgruppen, unterstützt sie durch aktive Mitarbeit oder Zuführung eurer Kinder! Auch eine große Anzahl der dem „Verband der Jüdischen Jugendvereine Deutschlands" angeschlossenen Jugendbünde hat bereits eigene Turn- und Sportgruppen gebildet und wir betrachten es auch als selbstverständliche Pflicht der Gemeinden und Gemeindemitglieder, diese teilweise noch jungen Vereine ideell und finanzielt auf jede möglich« Art und Weise zu unterstützen. Wir alle wollen ja, daß ein nicht nur geistig hochstehendes, sondern auch körperlich gesundes Geschlecht heranwachse. Auch für uns bcwahcheitet sich heute noch das alte römische Sprichwort „mens sana in corpore sano" oder frei übersetzt: „Nur im gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist!" . Aus den Gemeinden Württemberg-. Stuttgart. Infolge des HinscheidenS seiner Vorsitzenden, der Frau Fanny Heule, war der W. H. Landesverband des jüdischen Frauenbundes gezwungen, Neuwahlen zum Vorstand vorzunehmen. Gewählt wurden Frau Else Bergmann-Laupheim zur I. Vorsitzenden und Frau Rosa Kahn-Stuttgart, Reinsburgstr. 30, zur 2. Vorsitzenden. Stuttgart. Am 22. August beging Josef Feigenh e i m e r, fern von Stuttgart, seinen 70. Geburtstag. Seine Freunde und Bekannten ließen eS sich aber nicht nehmen, ihm zahlreiche Beweist ihrer Zuneigung zukommen zu laßen, ein Beweis der Beliebtheit, deren er sich dank seines aufrechten Wesens in weiten Kreisen erfreut. Auch wir bringen gerne dem Jubilar unser« besten Wünsche zum Ausdruck. Stuttgart. TaS Ehepaar Ferdinand Schohl, das früher in Pirmasens und Straßburg wohnte und nach dem Krieg seinen Wohnsitz in Stuttgart ausschlug, durste am 28. August in bewundernswerter körperlicher und geistiger Frische das Fest der goldenen Hochzeit begehen. Ein großer Familien- und Freundes Kreis hatte sich eingesunden, um dem hochverehrten Paar seine Liebe und Dankbarkeit auszudrücken, und von nah und fern wurde ihm durch rühreyjd« Beweise treuer Anhänglichkeit gehuldigt. Vom Reichspräsidenten v. Hindenburg lief ein Glückwunschschreiben ein, ebenso vom württcmbergischen Staatspräsiden:«», der demselben noch ein Bild beifügte. Stadtrabbiner / Commerzu. Privat-Bank Aktiengesellschaft Fitlala Stuttgart Darmstädter und Nationalbank Kommanditgesellschaft auf Aktien Filiale Stuttgart DOERTENBACH &CIE. KfinigstraSe 43 > Bank Spar- Konten ZINSSATZ Stuttgarter Gewerbekasse A. 6. (Handels- und Qcwerbebank) WÜRTTEMBERG ISCHE VEREINSBANK Filiale der Deutschen Bank Disconto-Gesellschaft Filiale Stuttgart Dresdner Bank Filiale Stuttgart