Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- V (1928-1929)
- Issue
- 10 (16.8.1928)
- Date
- 1928-08-16
- Page
- [Seite] (sequence 7)
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Die jüdische Jugendbewegung und der Sport. Bo« Dr. med. Richard Ney. Stuttgart. Ter geistigen Befreiung der jüdische» Jugend mußte no.wendigerwri'e auch die körperliche fol gen. Borgebildet wird das Interesse für die körperliche Ertüchtigung im Turnunterricht der Schule, im Wettkampf mit den Kameraden. Viele Tausende bewahren das Band sportlicher Käme radschast über die Schule hinaus, in Sport und Turnvereinen. In größeren jüdischen Ge meinde», wi -sich die Jugend zur Pflege jüd. Wesens zusammengefunden hat, sühr.e dieser Zusammenschluß auch zur gemeinsamen Pflege der Leibesübungen. I» der Tat bedeutet die Gesund erhaltung der jüdischen Jugend ein ernstes Prob lem. Ein großer Teil unserer Eltern hat den wirtschaftlichen Ausbau ihrer Familien sich zur Ausgabe gemacht, wobei nur zu häufig gesundheitliche Ueberlegungcn in den Hintergrund traten, sodaß körperliche Schädigungen als regelmäßige Folge eintrale». Tie heutige Jugend hat er kanut, daß sich derar ige,Schädigungen vermeiden lassen, wenn vom frühesten Alter an auch der Körperpflege Aufmerksamkeit geschenkt wird. Wer seine Gesundhrit, seinen schlanken Leib bewahren will, muß unter täglich neuer Mühe darum ringen, durch Uebungen, Mäßigkeit im Essen und Trinken und ausreichenden Schlaf. Unsere Elter» glaubten, nachdem sie ihre Gesundheit vernachlässigt hatten, in Badeorten neue Gesundheit kausen zu können. Wir Jungen wollen Vorbeugen, ivir wollen nicht erst krank werden, sonder» aus den Sportplätzen, in den Bergen, auf dem Wasser, durch Wanderungen durch unser schönes Vaterland Körper und Geist gesund erhalten. Vcr fügen doch wir Juden nicht über das Kapital an Körperkraft und Gesundheit wie unsere Umgebung, nachdem die viele Jahrhunderte dauernde Beschränkung des Ghettos und unsere Wirtschaft liche Benachteiligung die Körperkrast vieler Generationen geschwächt hat. Taß diese Schädigung keine dauernde ist, haben die Leistungen der Juden im Kriege bewiesen, die ebenbürtig neben denen ihrer christlichen Kameraden stehen, Auch aus sportlichem Gebiet finden wir heute hervorragende jüdische Leistungen und manchen Welt rekord hatten Juden inne. Unsere besten Köpfe haben erkannt, daß die vorzüglichen Schöpfungen jüdischen Geistes nicht ausreichen, wenn wir da bei körperlich zu Grunde gehen. Geist, Körper und Seele müssen im Gleichgewicht stehen, alle drei müssen gepflegt werden. Aber nicht nur spießerisch darf die Körpererziehung sein, sie bedarf großer Mühe und Anstrengung. Vor dem Kriege erfolgte dieselbe in der Schule, beim Militär und vereinzelt in Turnvereinen. Auch heute hat die Jugend den Tranz nach körperlicher Ertüchtigung, ohne militärischen Zwang. Es braucht alle Energie der Erzieher, ein Ueberwuchern des Sports bei der Jugend zu verhindern. Tie Aufgabe der Erzieher ist es, das Maß geistiger und körperlicher Arbeit auszugleichen. Tie Zeit ist kostbar, die Masse geistiger und körperlicher Ausgaben viel größer geworden. Taher ist eine genaue Zeiteinteilung sehr wichtig und die rechtzeitige Bestimmung eines Lebenszieles. Ter Sinn für Unterscheidung zwischen Schein und Sein ist zu wecken, sowie technisches Verständnis und Fachkenntnisse. Ten Jungen ist vieles selbstverständlich, was die Alten mit Mühe entdeckten, oder was ihnen widersinnig erschien. Auf der einen Seite trifft inan Befangenheit in alten Anschauungen, auf der anderen allzu ruhiges Gewährenlassen. Tie Praxis wird hier mit der Zeit von selbst den nötigen Ausgleich bringen. Nur dann kann ein gesundes Geschlecht heranwachscn, wenn wir täglich mit neuer Mühe unsere Gesundheit erneuern, und unseren Körper kräftigen. Jur Hygiene des Wanderns. Von Santtätsrat Dr Ries, Stuttgart. Die beklagenswerten Ereignisse der letzten Zeit im Eisenbahnverkehr geben ernsthaft zu denken und werden manch einen veranlassen, an Sonntagen, wo ohnedies mit Ueberfüllung zu rech »en ist, Ziele und Touren zu wählen, bei denen der Hauptgenuß im W a n d e r n besteht. Und dem ist gut so, denn es ist ein zweifelhaftes Vergnü gen, zu Beginn und am Ende der Wanderung — 123 - noch stundenlang in der dumpfen Eisenbahnlust zu verbringen. Ta nun aber unsere Jugend begreiflicherweise das Bedürfnis hat, auch andere Gegenden kennen zu lernen, als die der Heimat am nächsten liegenden, dürfte es wohl angezeigt sein, einmal ein wenig in die Hygiene im Eisenbahn und Straßenbahnverkehr hineinzuleuchte». Zur Zeit der Postkutsche war aus nayeliegenden Gründen die Gesayr der Infektion geringer als heute: Es reisten damals weniger Menschen, die Bevölkerung war weniger dicht. Mit de^ Zunahme der Reiselust und der Notwendigkeit, Verkehrsmittel zu benützen, wuchs auch die Gefahr der Infektion. Und mit dem Fortschreiten der Wissen schaft und ihren vom Laien vielfach mißverstandene» Ergebnissen zeigte sich eine weit« Kreise erfassende Erscheinung, nämlich die Bazillensurcht! Jedes Berühren einer Türklinge, das Ansassen eines Gegenstandes, den ei» anderer vielleicht schon berührt halte, ja die Unterhaltung mit einem sremden Menschen wurde als Jnfekiionsgesahr betrachtet. Gewiß muß peinlichste Sauberkeit die Grund läge jeder Hygiene sein und es ist kein unbilliges Verlangen, wenn man auch in der Eisenbahn ist dies möglich sich vor und nach dem Essen die Hände wäscht und sich dann diese nicht a» einem beschmutzten. Taschentuch oder Handtuch, sondern besser mit Kreppapier, das man iw Rucksack mit sich führen kann, ablrocknet. Lassen doch die Handtücher oder ähnliche Gebilde, wie »ran sic i» den Waschabteilen zuweilen bekommt, kaum mehr eine trockene und reine Stelle er kennen! Ebenso werden wir uns einen Mit reisenden, der so lebhaft spricht, daß er uns Tröpfchen aus dem Munde in unser Gesicht spritzt, tunlichst entsernHhalten. Auch ist es nicht angenehm und erquickend, einem, der sichtbar an übermäßigem Handschweiß leidet, die Hand zu reiche» und zu drücken; wer stark erkältet ist oder an Grippe leidet, der bleibt im eigenen In teresse lieber zu Hause und verschont dadurch seine Kameraden mü> Mitfahrer vor Ueberlragung seiner Erkrankung. Aber man darf nicht in jedein Mitmenschen eine Infektionsquelle vermuten, man muß vor allem sich vor Furcht hüte», denn wer sich fürchtet, der wird gewiß angesteckt werde». Wohin sollten auch die Aerzte kommen, die durch ihren Beruf genötigt sind, mit Typhus-, Cholera-, Lungenkranken usw.-in Berührung zu kommen, .wenn sie sich fürchten würden, dadurch krank zu werden. Tas Pflichtgefühl und das Bewußtsein, einem erkrankten Mitmenschen hcl sen zu können, bringt den Arzt wie auch das Pflegepersonal über solche Bcdentcn hinweg. So berechtigt das Verlangen nach frischer Lust beim Fahre» ist, so sehr müssen wir uns hüten, ivenn ivir erhitzt einsteigen, den Ausgleich der Tempera tnr, die Ven.ilalion unvernünftig anzuwenden. Tenn dadurch entstehen Erkältungskrankheiten, die auch Komplikqttonen w e Rippenfell und Lun genentzündung nach sich ziehen können. Es ist auch zweifelhaft, ob bei sengender Hitze es ratsam ist, ganz ohne Kopsbedecknng sich den intensiven Sonnenstraylen längere Zeit auszusetzen. So sehr cs zu begrüßen ist, daß die Uebung, den Hut ULM MOHREN-APOTHEKE ° AUGUST HEISS | ALLOPATHIE UND HOMÖOPATHIE ° GROSSES SPEZIALITÄTEN.LAGER o FERNSPRECHER Nr. 208 O- O ©O00000000000900000000000000000000«ooo° Blumenladen Hermann üietzen Ulm / PreuenstraBe 31 neben d. 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