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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1928-08-01 · 9 (1.8.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
V (1928-1929)
Issue
9 (1.8.1928)
Date
1928-08-01
Page
[Seite] (sequence 9)
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Der Wiederaufbau der jüdischen Gemeinden in Südbulgarien. Aus Anlaß der Anwesenheit von Dr. Serper aus Sofia, Mitglied des Konsistoriums der jüdischen Gemeinde und der U.O.B.B.-Loge in Bulgarien, versammelten sich im Berliner Büro der Joint-Jca-Rekonstruktion-Foundation mehrere Bertretrr der jüdischen Presse Deutschlands und des Auslandes, um Informationen über den gegenwärtigen Stand des Wiederaufbauwerks der durch Erdbeben vernichteten jüdischen Gemeinden Südbulgariens entgegenzunehmen. Dr. Bernhard Kahn und Norl Aronoviri wohnten der Besprechung bei. Wie Dr. Serper mitteilte, bieten die von dem Erdbeben betroffenen südbulgarischen Städte auch heute noch ein Bild grauenvoller Zerstörung. Die Städte Philippopel, Tschirpan und Stara Zogora mit größeren jüdischen Gemeinden liegen in Trümmern. An den Wiederaufbau der zerstörten Häuser kann man in diesem Augenblick noch nicht herantreten, da der Boden sich noch nicht beruhigt hat. Die Bevölkerung kampiert in engen Zelten auf freien Plätzen, wo man vor den baufälligen Trümmern sicher ist. Erst in den f.ühen Herbstmonaten wird man zum Wiederaufbau der Häuser schreiten, damit bei Einbruch des Winters die Unglücklichen ein schützendes Dach über dem Haupte haben. Mit dem Aufbau der Häuser ist auch noch nicht alles getan. Es gilt auch, die zerstörten Wirtschaftsexistenzen wieder aufzubauen. Die jüdische Bevölkerung dieser Städte, die meist vom Handel gelebt hat, ist vollkommen zugrundegerichtet. Die jüdischen Gemeinden in Nordbulgarien tun, im Rahmen des allgemeinen Hilfswerks, was in ihrer Macht steht, um den Unglücklichen über den Tag hinwegzuhelsen. In Bulgarien leben etwa 45000 Juden, davon mehr als 2000 in Sofia. Die zweitgrößte Gemeinde, das eigentliche geistige und kulturelle Zentrum der Juden Bulgariens, ist die Gemeinde Philippopel mit etwa 7000 jüdischen Einwohnern. Das jüdische sieben in Bulgarien ist gut organisiert. Außer de» Kultangelegenheiten werden das Erziehungswesen und das soziale Hilfswerk von den Gemeinden unter der Kontrolle des Konsistoriums bestritten. Die Katastrophe in Südbulgarien hat das gesamte jüdische Leben ins Wanken gebracht In» Philippopel selbst sind zwei Synagogen und zwei Schulen, sowie vier große Zinshäuser der Gemeinde, die dem Gemeindebudget eine Hauptstütze waren, vollkommen zerstört worden. Der Unterricht wird im Freien erteilt. Religionsübungen finden im Freien statt. In Tschirpan ist die Schule dem Erdboden gleich. Bon allen jüdischen Häusern ist nur die Synagoge wie durch ein Wunder erhalten geblieben. In der kleinen Stadt Stara Zogora sind 40 Familien vollkomemn zugrundegerichtet. Den Aufbau der zerstörten privaten Existenzen wpllen die Juden Bulgariens im Rahmen des allgemeinen von der Regierung geleiteten Hilft Werkes in Angriff nehmen. Sie hoffen, daß die Joint-Jca-Rekonstruktipn-Foundation, die den Generalsekretär Noel Aronovici in die zerstörten Gebiete entsandt hat, durch ihr bewährtes System der Kreditgenossenschaften dem Wiederausbauwerk eine Stütze gewähren wird. Die besondere Hilfe des deutschen Judentums wird erbeten zur Ermöglichung des Wiederaufbaues der Synagogen, der Schulen, damit die normale Funktion des Kult- und Erziehungswesens wieder ausgenommen werden könne. Hierzu sind etwa 120000 Mark erforderlich. Aus mehreren Ländern und auch schon aus Deutschland, wo der Hilfsverein in rühmenswerter Weise an der Spitze der Rettungsaktion steht, und wo auch die Berliner Jüdische Gemeinde mit einer Spende vorangegangen ist, sind bereits Summen der bulgarischen U.O.B.B.-Loge, die dieses Hilfswrrk in Händen hat, zur Verfügung gestellt worden. Die bulgarischen Juden, die stets ihren Mann gestellt haben, wo es galt, notleidenden jüdischen Gemeinden im AuSlande, wie seinerzeit auch in Deutschland, beijustehen, hoffen, daß sich auch da» deutsche Judentum nun der bulgar. Brüder erinnern wich. Kauft bal unseren Inserenten! - 113 - Trauer um Professor Aldo Pontremoli, den Enkel Lnigi Luzzattis. In Rom gibt man nun denjenigen Teil der Mannschaft der Nobile-Expedition, der mit dem Rumpf des Luftschiffes „Jtalia" nach der Katastrophe auf dem Eise der Arktis abgetrieben worden ist, verloren. Große Trauer herrscht um den hervorragenden jüdischen Gelehrten Professor Aldo Pontremoli aus Mailand, der sich bei dieser Gruppe befand. Pontremoli ist ein Enkel des „Großen Alter Mannes" der italienischen Judenheit, des vor mchr als einem Jahre ver storbenen früheren Ministerpräsidenten und langjährigen Finanzministers Italiens, Professor Luigi Luzzatti. Pontremolis Mutter ist eine Tochter Luzzattis. Luzzatti war sehr stolz auf die großen wissenschaftlichen Leistungen seines Enkels, der schon im Alter von 24 Jahren zum Professor für experimentelle Physik an der Universität Mailand ernannt wurde. Kurz darauf wurde er zum Mitgliei der Königlichen Akademie der Wissenschaftei gewählt. Er galt als eine der höchsten Autoritäten auf den Gebiete der Physik, besonders des Erdmagnetismus und der Metallurgie. Eine grundlegende Arbeit Pontremolis über Erdmagnetismus wird in kurzem in Italien erscheinen. Als Pontreyioli aus dem Wege zum Nordpol kurze Zeit in Berlin weilte (bekanntlich machte die „Jtalia" in Stolp in Pommern Station), besuchte er Professor Albert Einstein, mit dem ihn schon seit langem wisse ischastliche Beziehungen verbunden Habe i. In Deutschland ergänzte Pontremoli auch seine für die Nobile-Expedittm gebauten Instrumente für die erdmagnetischen Mesfungen. Er begleitete die NobileExpedition aus direkte Einladung de.' italienischen Regierung. Die wissenschaftlichen Beobachtungen Pontremolis bleiben erhalten. Den in der Presse veröffentlichten Schilderungen des Generals Nobile über die Fahrten der „Jtalia" in der Arktis ist zu entnehmen, daß die wissenschaftlichen Beobachtungen des mjt dem losgerissenen und wahrscheinlich vernichteten Rumps der ,Ztalia" verschollenen hervorragenden Mailänder jüdischen Gelehrten Pontremoli in, Aufzeichnungen, die in der Führergondel aufbewahrt wurden, gerettet worden find. Nobile bezeichnet Pontremolis Beobachtungen über den Horizontal-Komponenten des Polar-Magnetismus als wissenschaftlich besonders wertvoll. Dies macht, daß der wissenschaftliche Wert der Expedition trotz der Endkatastrophe sehr groß sein wird. (ITA.) - All* hier besprochenen IMHlM* tallv. liefert Buchhandlung DUtllt»! J. HESS * Co. / STUTTGART Sdilobstrafte 10 (neben dem Ufapalest) / Telephon *386 37 Neue Bücher. Führer durch di« jüdische Wohlfatzrtrpslez« tu Deutschland, herausgegeben von der Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden im Verlag von Dr. Fritz Schcrbel, drosch. 4 Mark, geb. 5 Mark. Bei der Herausgabe des „Führers durch die jüdische Wohlfahrtspflege in Deutschland" war die Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Juden bestrebt, nicht nur den engeren Fachkreisen einen Führer ^um praktischen Gebrauch in die Hand zu geben, sondern darüber hinaus allen jüdischen Kreisen, sowie auch den behördlichen und interkonfessionellen Stellen zum ersten Mal ein geschlossenes Bild über das jüdische Wohlfahrtswesen in Deutschland zu vermitteln: Das Buch besteht aus 5 Hauptteilen: Teil I: Zentralwohlfahrtsstelle der deutschen Ju den. Landes-, Provinzial- und örtliche Stellen der jüdischen Wohlfahrtspflege. Teil II Organisationen und Einrichtungen der offenen jüdischen Wohlfahrtspflege. Teil III: Anstalten und Einrichtungen der halboffenen Fürsorge. Teil IV: Jugendbewegung und Jugendpflege. Teil V: Reichsorgani'ation und überterritoriale Organisation der jüdi'chcn Wohlfahrtspflege und Sozialpolitik. Teil I bringt Angaben über den Aufbau der Zentralwohlfahrtsstelle und der ihr angeschlossenen Landes-, Provinzial- und örtlichen Stellen der jüdischen Wohlfahrtspflege in Deutschland. Im Teil II sind alle Gemeinden mit über 100 jüdischen Seelen aufgeführt. Es wird sowohl über die von der Gemeinde selbst ausgeübte Wohlfahrtspflege, als auch über die Wohlfahrtsorganisationen und Vereine eingehende Auskunft gegeben. Bei den Gemeinden sind Namen und Adressen des Vorstandes, Zahl der Einwohner, der Juden und der jüdischen Zensiten, desgleichen auch Gemeinde- und Wohlfahrtsamt mitgeteilt. Bei den Vereinen sind Zweck und Arbeitsgebiete eingehend angegeben, ebenso Mitgliederzahl und Zahl der Unterstützungsfälle. Teil III erscheint wegen besserer Uebersicht in tabellarischer Form und bringt Angaben über Plätze, Personal und die wesentlichsten Aufnahmebedingungen unserer 250 Anstalten. 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