Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- V (1928-1929)
- Issue
- 9 (1.8.1928)
- Date
- 1928-08-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
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- 109 - Atmungsorgane und bf4 Herzens beweisen, daß die talmudischen Lehrer eine recht gute Kenntnis der ,'nneien Teile des Körpers besessen haben. Allerdings nerdienni die Angaben des Talmuds über den Kn-chen^a'i eine besonders k'N'khende Beachtung < Semitisches auf der „Bölkerfchau" in Stuttgart. Einen kurzen Aufenthalt in Stuttgart wollte ich zu einem Besuche der Bölkerfchau benutzen. Es interessierte mich besonders dabei die Gruppe der Araber, von denen ich bereits in der Zeitung gelesen hatte. Den ersten Araber, der auch wirklich arabisch sprach, traf ich gleich rechts in der Nähe des Eingangs. Das niedliche und stimmungsvolle arabische Cafö bot mir keinen echten Araber dar! Jener echte heißt Muhamed Hadschib, er stammt aus Sanaa, der bekannten Hauptstadt Jemen-, die, auch in der legendär ausgrschmückten Erzählung von der Königin von Saba, Bilkis genannt, eine wichtige Rolle spielt. Bon dieser Historik wußte der Jemenite allerdings nichts! Auch die Suren des Korans waren ihm nicht gerade geläufig. Ein sprachliches Verständnis für die Worte Minaret (Gebetturm), Moschee (Misged, Crt des Bückens) war ihm nicht eigen! Er verglich Sanaa mit Berlin, was mir nicht gerade einlenchtete, er wollte das aber schließlich nur bezü"lich der Bedeutung Sanaas als Hauptstadt des Landes verstanden wissen. Mehr Glück hatte ich mit einem an der arabischen Kinderschule stehenden Manne. Dieser entpuppte sich im Laufe der Unterhaltung als ein Abkömmling eines jüdischen Vaters und einer christlichen Mutter, die aus Andalusien stammte. Er heißt JaiS Gayat, ist auS Jerusalem, seine Mutter ist eine geborene Sabbatani. Die GeburtSstadt seiner Mutter kannte er nicht. Arabisch konnte er nicht sprechen und nicht schreiben, was mich ungemein überraschte? da ich ihn für den Lehrer der arabischen Schule hielt, in deren Mitte eine große Schultafel mit den arabischen Zahlen aufgehängt war. Er konnte eben gerade diese Zahlen schreiben. Dafür sprach er aber gut hebräisch, gut französisch und gut deutsch. Wir unterhielten uns hebräisch ganz gut, ich bat ihn, mir auch etwas hebräisch zu schreiben. Er schrieb auf Papier: Ani Gayat, mah schimcho? ziemlich korrekt in Quadratschrift. „Ich bin Gayat, wie ist dein Name? Als ich ihm sagte, daß ich Rabbiner sei, da leuchteten seine Augen auf. Ich dachte dabei an das bekannte: Kol Jisroel chawerim, alle Israeliten sind „Genossen", und empfand, daß in ihm weit mehr der Jude als der christliche Abkömmling lebendig war. Ich fragte ihn auch, ob er in seiner Jugend viel Hebräisch gelernt habe? Er antwortete mir gut hebräisch: Ani schochachti harbeh. „Ich habe viel vergessen." Es huschte immer ein leiser Zug der Ver legenheit bei solchen Fragen über sein Gesicht, wie wenn er sagen wollte: Meine Geburt bat meinem Leben'den Stempel eines Zwittermensche» aufgedrückt, an dem ich nicht schuld bin. Ungewollte Tragik des Lebens! Seines Zeichens ist er Naggor, handwerksmäßiger „Künstlet, er hat als Dolmetsch, Schiffsjunge usw auf den Reisen nach und von dem Orient mehrfach gedient. Er meinte, eS sei jetzt nicht gut in Palästina, da die Engländer herrschen! Ich schied von ihm mit dem Bewußtsein, nicht so sehr eine Bölkerschau, als viel mehr eine Seelenschau getrieben ru haben. staddiner IV. Krotier, Oberdorf. Die Vorbereitungen zur Vom 18. bis 21. August d I. wird der „Weltverband für religiös-lst erales Judentum" seine Tagung in Berlin abhalten. Das Programm steht in seinen wesentlichen Teilen fest. Die Tagung wird am Sonnabend, den 18. Aug., vormittags um .10 Uhr. durch einen Festgottesdienst in der Neuen Synagoge, Oranienburgerstraße, eröffnet werden, bei dem der Vorsitzende der Bereinigung der liberalen Rabbiner Deutschlands, Rabbiner Dr. Scligmann-Frankfurt a. M., die Festpredigt halten wird. Am Nachmittag dieses Taoes w:rd e'n 7'esrUstaf'stee de i Dele'iertcn und Gästen Gelegenheit geben. sich persönlich ken nen zu lernen. Um 8 Uhr abends findet im Plenarsaal des ehemaligen Preußischen Herrenhauses die eigentliche Eröffnungssitzung der Tagung statt. Hierbei wird der Präsident des Weltverbandes für religiös-liberales Judentum. Claude G. Montefiore London, die Verhandlungen leiten. Die erste Begrüßungsansprache hält der Vorsitzende der deutschen Bereinigung für das liberale Judentum, Rechtsanwalt Heinrich Stern Berlin. Auf die Begrüßungsansprachen folgen die Berichte der Mit gliedsländer des Weltverbandes über die Entwicklung des liberalen Judentums seit der vorigen liberalen Weltkonferenz. Weltkonserenz Vorgesehen sind Berichte aus Ame rika, England, Frankreich, Deutschland, Schweden, Rumänien, Belgien, Oesterreich, Tschechoslowakei, Polen, Südafrika, Australien und Indien. Für Amerika soll der Präsident der Central Con ference os American Rabbis, Rabbiner Dr. EnelowNewyork, für England der Londoner Rab biner der Liberal Jevish Synagogue. Dr. Mattuck, für Frankreich Germai» Lövy. der Rabbi ner der Union Liberale Jsraelite. und für Deutschland Rabbiner Tr. Vogelstein Breslau sprechen. Am folgenden Tage, Sonntag, den 19. August, findet morgens um halb 10 Uhr ein Gottesdienst in der Synagoge der Jüdischen Reformgemeinde. Johannisflr. 16. statt. Hiechei wird zum ersten Mal in Deutschland eine Frau. Hon. Lily H Montagu-London, die Predigt halten. Die Beratunaen beginnen an diesem Tage um 11 Uhr unter Vorsitz von A. Leo Weil-Pittsburg (U.S.A.) im Plenarsaale des ehemaligen Preußi schen Herrenhauses. Dis Thema der Beratun gen lautet: „Die Botschaft des liberalen Juden tums an den Juden non heute". Nach einem Generalreserat von Rabbiner Tr. Baeck Berlin sprechen Claude G. Monlefiore über „Die Be Pkofo miUenVranJ ** STUTTGART KÖNIGSTR.40 deutuna des liberalen Judentums für das reli giöse Leben", der Rabbiner am Rockdale Avenue Temple Cincinnati, Dr. David Philipson über „Persönliche und Gemeinschastsreliqiosität" und Rabbin/r Dr. Lehmann Berlin über „Der Einfluß des liberalen Judentums auf die soziale Arbeit.ll, An ein gemeinsames Frühstück schließt sich um 8 Uhr nachmittags im Herrenhaus die geschäftliche Sitzung an, bei der Rabbiner Tr. Mattuck-London den Vorsitz führen wird. Die Tacesordnunq die ser Sitzung umfaßt die Berichte der Schrift führerin und der Schatzmeister, die Verfassung des Weltverbandes sowie Resolutionen u. Anträge. Um 6.80 Uhr veranstaltet dann die Bereinigung für das liberale Judentum im Herrenhaus eine Gedenkfeier für Bernhard Breslauer, ihren verstcrbenen Gründer und Ehrenvoriitzenoen. Um 8.80 Uhr abends wird ein Festabend im Masse Hans Leivzigerstraße 15, der von Herrn und Fra» Lachmann Masse veranstaltet wird, die Teleaiertcn und geladenen Gäste im gesellschaftlichen Rahu-en vereinigen. Dir Beratungen nehmen dann am Montag, den 20 August, vormittags 10 Uhr. im Herrenhaus ihren Fortgang. Der Bormittag wird ausaefüO' b*'rd« die Aussvrachc ütt: die Vorträge des vorheraeqanoenep Tages, wobei Tustizrat Tr. Bla-. Frankfurt a. M. den Vorsitz führt. Die 4,'c.ckmittagsberatunqen be-innen um 2 30 Uhr. Sie werden in drei getrennten Sektionen erfolgen und, als qemeinsames Tbema „Die Verwirklichung der Botschaft des liberalen ."luden tums" behandeln. In der ersten Sektion, in der VroseZnr Tr. Jsmar Elbogen Berlin den Vorsitz, führen wird sollen vornehmlich gottesdienstliche Fragen erörtert werden. Hier ist zum Referenten bestinimt W Rabbiner der Rndef Sbalom Congreaati--n Pittsburg Pa., Rabbiner S. H. Goldenson Die zweite Sektion widmet ihre Beratun aen den Fragen des häuslichen Lebens, in ihr wird Liln H Montagu-London referieren. Die dritte Se'tion tagt unter Borsin des Präsidenten des Hebrew Union College. Rabbiner Julian Morgenstern in Cincinnati, Oh. und berät über Fragen der Jugend. Für sie ist zum Referenten der Führ« der jüdisch-liberalen Jugendbeweai'na Deutschlands. Dirk -Ino. Ludwig Lewin Berlin, bestimmt. Um 5,80 Uhr werden im Plenarsaal des Herrenhauses die Sektionen Be richt. erstatten, evtl, auch Entschließungen vortragen Hierauf folgt die Wahl des Ausschusses und des Vorstandes des Weltverbandes und der offizielle Schluß. -- Aus den Gemeinden Württembergs. Eli ttaart. Der Berthold-Aucrbach Verein hat dem verdienstvollen Leiter seiner Heimabende, Rab bi»er Tr. Julius Cohn, Slnltgart. anläßlich seiner tteberliedlniu, „ach Nlm den nachfolgenden Brief übersandt: »ei, ab-, TO Jahre bewahr, HARDT Planon. FlUcUibHI, » Gafrftadet 1151 »TU TT GART . Foralatr. N®. Ml KARL HARDT la« die 1. Fabrik dea Landes, die aeU 1063 all SpeaiaUti, kreaaaaiusa Pianos baut Beste Cm&hr für gute, gediegene Jlrbell. TM Sbrnai IIm E.&M. RICHNOWSKY Ebcrhnrdslr. 23 y Gegr. IBS4 Haus Mir Gelegenhaitskäuffe ln BrHtenten / Parten Qold. und Silb.rwaran Df aff" Hlhmaaohinan B^imi vorzüglicher deutsche« Fabrikat I IUII Hp Haanhalt -_.. lalaatHa Ulmpff, Ciaradt&OL. Stuttgart, Krsaprinzstriße 22 Esslingen, Untere Metzgerbachstraße 9 ► Aal Wonach artatchterta ZaMaagabadlaraaraa | -4 W. HÜBERIE Tapastaraaclatar Roa-abargatraBa Nr. 201 Tal. «2» 77 SBeefeftftte f»e Dekoration 9p(ftcnttMcl «p*l-: eniacaMU-fflatrngca > Albert Müller Elektrotechnisches Büro Urbaafte.70 Xelrfaa28llS * ÜutUnuui CleHr. tzoch I»a >»»"»-. Ltd,,-, ftref,’. etfaata. lelefea-»»* läge» fyet|- sab Rachapparate Beleachtnagakörper.DlDhlam». 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