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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1928-06-16 · 6 (16.6.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
V (1928-1929)
Issue
6 (16.6.1928)
Date
1928-06-16
Page
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Oemernve Zettuns für die ifraeliiift&en «Semeinven Württembergs »*jag»pr«le «Ii>lchU«0U<tl 8*(l«Ug«l6 ISHrUch 5 MM, l,uldIiU,rltch 1.50 MH p|«rt«l|at|tU<!l 1.15 MH, «lnj«lnummcr 15 R«ld)ep|«nnig Poffld)«*-Konto: Mt 5t Erschri»! »»mltlich (»cimal »» 1. a. 10. Verlag: Israelitische verlagsaastalt <S. m. d. ks. feraspr. LZZLS » Stuttgart * Knfcrncnftr. 13 0d|iif tl<i lang: Slavtradtriaer Dr. LLteger, Stuttgart, LtiarloUeustro-e 13 fl o }< lg <n prilc 61« «tntpaUIg« nonpaittll«j«H< 50 R«ld|epf«nntg Um|ä|lagt«lt«D u. vorrugspiütz« noch Carls, famtttrnouzetg«» and »Irin« fliij«tg«B 01« Kl*tnj«il« tO R«td)epf«nnlg, RfklanMjtM« 150 MH Sei Wi«P«rh»l»»ge» DrrgK»stig»ag V. a^ftrgonfl_eurttflort, 16.3ani 1928__3**» 6 ' Amtliche Bekanntmachungen. Israelitischer Oberrat. Betreff: Steuererhebung und Beitragsleistungen an die Jfr. Zentralkafsc im Rech nungsjahr 1928/29. Ta im Rechnungsjahr 1928'29 die örtlichen Steuern und die Landesumlage voraussichtlich nach der Höhe der Veranlagung zur Re chseinkommensteuer für >927 und der Vermögenssteuer auf I. Januar 1926 festgesetzt werden, die Höhe dieser Steuerleistungen aber noch nicht bekannt ist, wird auf Grund des Gesetzes über die Kirchen Paragraph 26 den Gemeinden gestattet, die ört lichen Steuern des abgelaufencn Rechnungsjahrs als Vorauszahlung für das laufende Steuerjahr vorläufig in halbem Betrag sestzusetzen und ein zuziehen, so daß dadurch die Bedürfnisse der ersten Hälfte des Rechnungsjahrs 1928 zunächst gedeckt sind. Tie endgültige Berechnung der Fest stellung der Steuerschuld und die Abrechnung mit den einzelnen Steuerschuldnern lann erst erfolgen, wenn die obengenannten Grundlagen bekannt sind und der Steuerbeschluß die Genehmigung des Oberamts gefunden hat. In derselben Weise ist aber auch zur Teckung der Bedürfnisse der Zentralkasse die vorläufige Weitererhebung der Landesumlage notwendig und zwar mit der Hälfte des vorjährigen Betrags. Die Gemeindepflegen werden ausdrücklich darauf hin gewiesen, daß die Weitererhebung der Landesumlage unbedingt notwendig ist, da wir sonst nicht in der Lage sind, unseren Beamten die ihnen zustehenden Bezüge pünktlich auszubezahlen. Mit Zustimmung des Finanzausschusses der Israelitischen Landesversammlung vorbehält lich der Genehmigung der Landesversammlung tvurden die Beiträge zu den Bezügen der Rab biner und Rrligionslehrer neu festgesetzt. N ö r d l i n g e r. Israelitischer Oberrat. Im Verfolg des anläßlich des Feriensortbil dungSkurscs für Rabbiner und Religioirslehrer ge haltenen Referats des Oberlehrers Spatz-Re xingen empfiehlt der Israelitische Oberrat den Vorsteherämtcrn die Anschaffung eines Lichtbild apparats für den Unterricht in der biblischen Ge schichte und in der hebräischen Sprachlehre yach dem System der Firma Theodor Benzinger Stuttgart. Solche Apparate eignen sich gleichzeitig in ho hem Grade für Vorführungen in den Jugendvereinen wie bei Veranstaltungen der Gemeinde (Eltern- und Gemeindeabende). Ter Oberrat hat eine besondere Kommission für die Auswahl des für den Religionsunterricht geeigneten Bildermaterials eingesetzt. Von einer Anschaffung von Verleihapparaten hat der Oberrat mit Rücksicht auf die leichte Verletzbarkeit der Apparate durch den Transport und die etwaige unsachgemäße Behandlung Abstand genommen. Nördlinger. Israelitischer Oberrat. Der Israelitische Oberrat nimmt Veranlassung an die fromme Sitte zu erinnern, allsabbathlich nach der Schriftvorlesung ein Gebet für Vaterland und Obrigkeit zu sprechen. Ein solches Gebet gibt der sabbathlichen Feier eine besondere Würde und ist zugleich für die nichtjüdischen Besucher des Gotteshauses ein Zeugnis dafür, daß die Israeliten sich ihrer vaterländischen Pflichten im Gottesdienste vollaus bewußt sind. Ohne in die Entschließung der einzelnen Gemeinden eingreifen zu wollen, übersendet der Oberrat das beifolgende Gebet als eine geeignete Vorlage für die Gottesdienste an den Sabbathen und an den ersten Tagen der Feiertage. Nördlinger Gebet. Herr der Welt und König der Könige, wir bitten Dich um Deine» Schutz und Beistand für unser Batcr land und unsere Heiiilalsladt. Lag Friede und Ein kracht, Bürgersinn und Nächstenliebe zum Segen walte» allüberall. Gib, daß die Liebe zum Vaterlandc alle Mensche» eine, daß Frieden und Wohlstand überall herrsche und wahre Frömmigkeit alle seine Bewohner durchdringe. Erfülle die Männer, die sich in Vorbild licher Irene dem Dienste des Vaterlandes widmen, mit Deinem Geiste, daß sie »ach Deinem göttlichen Willen sür unser Bolk, für unser Vaterland »nd unsere Heimatstadt das Beste beschließen. Erbarme Dich über Israel,' da« an diesem Sabbathtagc nach all geheiligter Titte betend vor Dich hintritt und laß ihm Deine Gnade und Teure Liebe in reichstem Maße zuteil werde». Besonders bitten wir Dich um Deinen Schutz -und Segen sür unsere Gotlesgemcindc, sür die Männer »nd Frauen, die an ihrer Spitze stchcu und ihre Wohltäligkeitsvcreii'e leiten. Laß diese Gemeinde durch ihre Ziele »nd Lcistungcu stets ein würdiges und wertvolles.Glied der Gesamtheit Israels bleibe»! Segne die Männer und Frauen, die rüstig schaffe» und wir ke» ustd laß sie Befriedigung finde» .in den Arbeite» ihrer Berufe! Sei mit denen unter uns, die über die Jahre, der Kraft und der Frische hinaus sind und durch sonne ihre» Lebensabend durch das Licht Deiner Güte! Sei mit dem hcranblühcnde» Gcschlechte, daß es in Sitte und Ehrbarkeit heranwachse, den Familie» zur Freude, Israel zur Ehre, der Menschheit zum Segen, Dir selber zum Wohlgefallen. Wir beten aber nicht nur für uns und die Unsere», sondern sür alle Mensche», daß Du sie segnest in Deiner väterlichen Liebe. Stärke bif Schwache», heile die Kranken, richte aus die Gebeugten, schenke Drost den Trauernden, ewiges Hkil den Verklärten! Uns aber schenke tvicder aus der Fülle Deiner Gottes güte wahren sabbathlichen Segen! Amen. DAS JÜDISCHE PROBLEM. Auf die Frage nach dem Wesen des jüdischen Problems gibt es nur eine allgemein gültige Ant wort: dir Selbstbehauptung und die Erhaltung des Judentums ist allein durch seine Einzigwertigkeit gerechtfertigt. Sie ist dir ewige und einzige Recht fertigung des Kampfes für das Judentum. Ein Judentum aus Rücksicht auf irgendwelche sonstige Motive, ein Judentum etwa aus Abwehrgründen oder aus Rassemotiven kann nicht als vollwertig angesprochcn werden. Ein Judentum aus Angst vor dem Antisemitismus ist ebenso wertlos wie ein Judentum aus der völkischen kirchturmper spektive. Ein Judentum, das seine Sicherheit erst in der Beziehung zu Palästina gewinnt, mag eine lokale nationale Bedeutung haben, mag eine politische Erscheinung darstellen, Ewigkeitswert kann es nicht beanspruchen. Tas außerpalästinensische Ju dentum ist weder eineGalutheristenz, noch ist das palästinensische Judentum seine ideale Erschei tziungsform. Tas Judentum muß seinen Wert -und seine Rechtfertigung in sich tragen, sonst sinkt es zu einer Lokalgröße oder zu einer poli tischen Zeiterscheinung herab. Erst in der Gelöstheit von lokalen und politischen Bindungen gewinnt das Judentum Ueberzeitlichkeit und Welt gcschichtlichkcit. Wer die Rechtfertigung des Ju dentums etwa von dem Aufbau eines starken nationalen Lebens in Palästina erwartet oder gar von der Leistung in Palästina die Weltachtung vor dem Judentum abhängig glaubt, wie das soeben in der Entschließung der Breslauer Ta gung der zionistischen Vereinigung für Teutsch land geschehen ist, steht erst am Eingangstor zu einem Begreifen dessen, was das jüd. Problem ist. Tie Frage nach dem, was die nichtjüdische Umwelt vom Judentum hält, ist sür das eigentliche Judentum mindestens ebenso gleichgültig wie die Frage nach dem jüdischen Volkstum in Palästina. Kein Jude wird der kolonisatorischen Arbeit in Palästina ihre wirtschaftliche Bedeutung absprechen: sür seine religiöse Wertung ist sie nicht bedeutsamer als irgend eine wirtschaftliche Unternehmung der Judenheit. Volljude ist nicht, wer sich jüdischnational gebärdet, sondern wer im Judentum die Heimat seiner Seele gefunden, wer in der jüdischen Welt anschauung die Antwort auf das Lebensprob lem besitzt, wer also in und mit dem Judentum lebt. Allerdings muß man dann vom Judentum mehr wissen als der Tarsteller „der zionistischen Theorie" in der „Jüdischen Rund schau" vom 16. 5. 1928, S. 276, der gewiß in soweit auf dem rechten Wege ist, als er in der Erhaltung der jüdischen Werte den Sinn des Judeseins erkennt, der aber allein in der „Idee der Gotteskindschaft aller Menschen, der Idee des Weltfriedens, der Idee der Nächstenliebe, dem Gefühl der Verbundenheit mit Gojt" die Fra gen sieht, die „von uns Juden nur in einem jüdischen Leben gelöst werden können". Tiefe vier Ideen stammen allerdings aus der Geistes werkstatt des Judentums, sie haben aber ihre jüdische Eigenwertigkeit längst eingcbüßt und sind allgemeinmenschlich geworden. Jüdische Eigenwertigkeit dagegen, die durch die religiösen Neubildungen nicht verdängt und nicht ersetzt worden ist, bedeutet die Tatsache, daß das Judentum bis zur Stunde die einzige Re ligion ohne Priestertum und Heilsgüter ist, die einzige Religion, die ein allgemeines Menschen^ Priestertum lehrt, die einzige Religionsgemein schaft, die nicht Erlösungsreligion von einer an geblichen Erbsünde sein will, weil sie an das Gute und die Gottesebenbildlichkeit im Menschen glaubt und von ihm fordert, sich aus eigener Kraft durch die Reue aus Sünde zur Tugend zurückzu finden, die einzige Religion, welche die Gottes-- kindschaft aller Menschen ohne Mittler und Las rament predigt und das Himmelreich nicht in das Jenseits verlegt, sondern den Menschen vet pflichtet, das Diesseits in das Paradies umzu schaffen. Tas Judentum ist die einzige Reli gion geblieben, die, allem Mystizismus fern und 1 fremd, in der Vernunfterkenntnis den normalen Weg zur Religion erkennt, für welche Religion das Wissen um Gott und das Leben in diesem Bewußtsein bedeutet. Gewiß haben alle Reli

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