Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IV (1927-1928)
- Issue
- 24 (16.3.1928)
- Date
- 1928-03-16
- Page
- [Seite] (sequence 16)
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— 734 — Volkscharakters darstelle. Für diesen Teil seiner Ausführungen bezog sich der Redner mehrfach aus das Buch von Müller Claudius: Deutsche Rassenangst. Ter moderne Antisemitismus sei charakterisiert durch Rassenangst, nicht Rassenstolz. Er bringe das deutsche Denken und den deutschen Charakter in schwere Gefahr. Er verhin- 'derr die Selbsterziehung und Selbsterkenntnis und neige trotz seines eigenen Rassendünkels zu einem unwürdigen Schmähen des eigenen Volkes. Er versperre den Weg zum Anderswerden. Wenn der Jude von vielen als Symbol des Unheils angesehen werde, so spielen dabei irrationale, in der Sphäre des Unterbewußtseins lie gende Mächte mit. Darauf komme es an, daß derartige im Unterbewußtsein liegende Einflüsse ins Helle Licht des Bewußtseins gerückt werden. Mit allen Deutschen, Juden und Nichtjuden, müsse der Ausstieg gemacht werden. „Ihr sollt das Morsche aus dem Munde speien!". An die von hohem Idealismus, von Vaterlands¬ und Menschenliebe getragenen, tiefgründigen und doch klaren Ausführungen schloß sich eine lebhafte Aussprache. An ihr beteiligten sich Stadtpsarrer Lamparter, Professor Bauer aus Ludwigsburg und Johannes Fischer. Stadtpfarrer Lamparter be leuchtete eingehender die von den Referenten ge streifte Stellungnahme Fichtes zum Judentum und hob hervor, daß es unrecht sei, in ihm den geistigen Nährvater des heutigen Antisemitismus zu sehen. Seinen abfälligen Aeußerungen über das Judentum, die aus den damaligen Zustand des erst aus dem Ghetto kommenden Judentums zurückzuführen seien, stehen anerkennende Worte über das Judentum gegenüber. Professor Bauer sprach über die Ungerechtigkeit in der Beurteilung der drei großen I., des Judentums, der Jesuiten und der Internationale. Johannes Fischer gab aus seiner politischen Tätigkeit drastische Beispiele für die Gedanken- und Urteilslosigkeit auch gebildeter deutscher Kreise. Alsdann erstattete Stadtpsarrer Lamparter den Geschäftsbericht. Der Verein zählt gegenwärtig 279 Mitglieder, gegen 272 im Vorjahre. In den Vorstand neu eingetreten ist Regierungsrat Walter, in den Ausschuß Professor Bauer-Ludwigsburg. Zu wünschen wäre eine größere Beteiligung der fortschrittlich eingestellten Stuttgarter Presse an der Abwehr des Antisemitismus. Stadtpsarrer Lamparter nahm noch Gelegenheit, ein Kapitel aus seinem demnächst erscheinenden Buch: „Ueber die kultur und die religionsgeschichtliche Erschei- I nung des Judentums" zu verlesen. Tie Probe bewies, daß die apologetische Literatur mit diesem Buche eine wertvolle Bereicherung erfahren wird. Landgerichtsdirektor Stern dankte dem Vorstand für seine hingebungsvolle, von reinstem Idealismus getragene Arbeit. Ihm schloß sich Tr. Gunzenhauser an, der die Anregung gab, aufklärende Versammlungen in Tübingen abzuhalten. Nachdem noch das Mitglied des Ausschusses Direktor Hartmann das Wort ergriffen hatte, wurde die Versammlung, die in all ihren Zielen einen höchst anregenden Verlaus genommen hatte, vom Vorsitzenden geschlossen. Or. J. C. , * Seit aber 70 Jahre bewghri HARDT Pl«ao> n. Flftgetfabrik * Gcgrfladd 1S55 STUTTGART . F©ntskr. No. 1J1 KARL HARDT Ist die t. Fabrik des Landes, die seit 1862 als SperiaUtSt kreussalftge Pianos baut Beste Gewähr für gute, gediegene Jlrbeii. SPEZIALHAUS FOR Herrenu. iiiiiiiiiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiuiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiii Sport- und Mal}-Abteilung Johannes Kanffmann bei der Stiftskirche gegr. 1823 Telephon 25754, 25755 empfiehlt lAodßiS“ Frische Hechte / Haffzander Aschen / Rheinsalm / Junge Ganse / Enten / Fricass£hShner GIASS&WEIS SlatUarf/WUhehnsban R. Schönhnl ttirtatitt tlr InuaSetintlM STUTTGART Sattleniraase II Fernsprecher 1-A Nr. 218 IS Aniertlgen vo. Polster - ■Orl» m. Dekorationen Autor beiten and Modernisieren Werer Möbel Ausführung Jeder Tapexter-Arbeli bei bilUgsier Berechnung Itamr Frucht- und Traubensäfte vereinigen köstlichen Wohlgeschmack und hohen Nährwert. SrMItllCh Im REFORMHAUS GUSTAV HERRMANN, STUTTGART, STEINSTRASSE 3 5289