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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1928-02-16 · 22 (16.2.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IV (1927-1928)
Issue
22 (16.2.1928)
Date
1928-02-16
Page
[Seite] (sequence 12)
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- 674 - ihrem richtungs- und zielgebenden Inhalt ist, umso früher und nachhaltiger wird die für das Ganze so bedeutungsvolle Wirkung eintretcn. Nur aus dem religiösen Geiste heraus lassen sich die hier kurz präzisierten Verhältnisse klären — und wenn jeder von seiner Verantwortung, die ihn als Jude doppelt trifft, durchdrungen ist, dann erst dürfen wir frohen Herzens in die Zukunft blicken. - Gastspiel des Moskauer hebräischen Künstlertheaters „Habima" im Stuttgarter Schauspielhaus*). Es gelangten zur Ausführung „Dybul", dramatische Legende von An - Ski. Regie E. Wachtan gow, „Golem", dramatische Tichtnng von G. Leiwik, Regie B. Werschilow. Rückhaltlose Bewunderung für höchste Kunslleistung erfüllte wohl alle Besucher der beiden Aufführungen, gleichviel ob es sich um Juden oder Nichtjuden, um Sachverständige oder Laien, der hebräischen Sprache Kundige oder Unkundige handelte. Tergleichen hatte man kaum vorher gesehen, das Spiel wurde zum Erleben. Man steht bei der Habima einer Regiekunst gegenüber, wie sie in solcher Vollendung vielleicht einmal die Meininger gezeigt, oder wie sie Reinhardt auszuüben versteht. Tie Habima-Leuie haben ihren, nur ihnen eigenen Stil, der in keiner Weise an der allgemein üblichen Tarstellungsart ge messen werden darf. Mit Schlagworten wie realistisch, naturalistisch, expressionistisch ist da wenig, ist nichts gesagt. Plastisch stehen die einzelnen *l Der Direktion des Stuttgarter Schauspielhauses sei für die aus unsere Anregung hin erfolgte Berufung der „Habima" besonderer Tank ausgesprochen. Aufrichtiger Tank sei auch Herrn Kommerzienrat Adolf Wolf gezollt, der durch eine namhafte Spende die Ueberlassung von Freikarten und Karten zu ermäßigten Preisen an weniger bemittelte Glaubensgenossen und Schüler höherer Lehranstalten ermöglichte. Oer Vertag. Bilder und Gestalten vor unseren Augen, und doch ist Leben, vertieftes Leben in jeder einzelnen Figur. Die Künstler verstehen zu sprechen, und, was noch viel mehr bedeutet, zu schweigen. Tiefste Hingabe erfüllt alle; vom ersten Augenblick an sind wir in ihrem Bann, sie geben uns nicht mehr frei, sie erschüttern uns, ihr Leben ist unser Leben. Tie beiden Abende werden zu einem nie zu vergessenden Erlebnis, diese Menschen werden nie, nie mehr aus unserem Gedächtnis schwinden. Und dies alles, obwohl die wenigsten der das Haus bis zum letzten Platze füllenden Hörer die Sprache verstanden, obwohl die Künstler die gleiche Rolle Hundertemale gespielt haben. Ten Ausführungeit haftete nichts schablonenhaftes an, man merkte nichts Angelerntes, man vergaß, daß es Spiel war, was wir schauten, man lebte mit. Solche Hingabe der Künstler an die ihnen gestellte Aufgabe ist fabelhaft, und sie gilt nicht für einen oder den anderen, sondern' für alle ohne Ausnahme. Ta verstehen wir die Aeußerung des Referenten einer hiesigen Tageszeitung: „Das ist wie ein dunkler, heißer Traum, gegen den man sich nicht wehren kann." Sehr verschiedenartig aber mögen die Empfindungen der Einzelnen sein, je nach ihrer Einstellung zu dem Gebotenen. Hier erscheint uns jede Verallgemeinerung unmöglich. Ter Orthodoxe wird anders fühlen wie der Liberale, der die hebräische Sprache Verstehende tiefer schürfen, die Stücke auch inhaltlich mehr zu würdigen wissen, als wer nur die Handlung oberflächlich verfolgen kann, wem nur die Gesten verraten, worum es sich handelt. Ta sei aber vor allem eines festgestellt, in keiner Szene, in keinem Augenblick wirkten diese polnischen Juden komisch. Ter sie erfüllende Ernst übertrug sich automatisch auf die Hörer. Wie verfehlt ist es daher, wenn die Künstler unserer Bühnen glauben, bei der Tarstellung von Juden stets mit Komik Wirkung er, zielen zu müssen. FÜR PESACH 1BO PRIMA MAZZEN Sämtliche Colonialwaren Zucker, Kaffee Hag, Karlsbader Prima Weine, Conserven, Honig. Streng ^20 ROTHENBERG LEONHARDS-PLATZ 16 Seil Ober 70 fahre bewShri HARDT P1«bo> a. Flügelfabrik * Gegründet 1S55 4 KARL HARDT ist die 1. Fabrik des Landes, die plf I H seit 1862 als Speslaiit&t kreuxsaitige Pianos baut. Beste GewShr für gute, gediegene Arbeit. •IN* Fr—, mHmm bUBperktetm. Tmsü - Site—i - n. Flügel STUTTGART * Forststr. No. 131 Blanka Sdiäiier Bfichsenstr. 10 Herrenu. Damenmoden ger«ii« Frucht- und Traubensäfte ErhSHilCh Im REFORMHAUS GUSTAV HERRMANN, STUTTGART, STEINSTRASSE 3

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