Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IV (1927-1928)
- Issue
- 21 (1.2.1928)
- Date
- 1928-02-01
- Page
- [Seite] (sequence 7)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4904101-5441811-5442997--1695-4905692- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
ichrei „Mötzinger" gewählt wurde. Es sollte dadurch die Vermutung entstehen, daß Fremde die Täter seien. Raible war es auch, der das Geldsäckchen mit 50 fl. zu sich steckte, er war es, der oa-5 Mostfäßchen bei Mayer Weil auslaufen ließ. Er, wie die andern, gaben an, daß er kein Geld erpressen, sondern nur die Juden ängstigen wollte. Wir schen in den Vorfällen des 24. April zu Hallingen einen Akt der gröbsten Rohheit und so c>,irs die Vermutung nicht unbegründet sein, daß die auf der Anklagebank sitzenden Personen, uclche bereits eine Untersuchungshaft von 200 lagen erstanden haben, mehr blinde Werkzeuge anderer und Verführte sind, als die eigentlichen Urheber der Tat. Ein ähnliches Urteil gibt auch Habbincr Tr. Wassermann von Mühringen, welcher ein Bild der Entstehungsgründe der Exzesse ,u entwerfen bemüht ist. Er spricht zuerst davon, daß weniger die Angeuaglen, denen freilich das Gemeine des Vorgehens zur Last fällt, der schuldige Teil seien, als diejenigen, welche sie auf den Gedanken brachleu, daß es nicht nur erlaubt, sondern gewissermaßen sogar Pflicht sei, gegen die Juden aufzulreien. Schon seit längerer Zeit vor den Exzessen am Ostermontag habe in Baisingen ein Geist der Feindseligkeit geherrscht, welcher sich namentlich;ur Zeit der Wahl der Reichstagsabgeordneten, wo die Juden erstmals wahlberechtigt waren, bekundete. Was in der Schule dos A ß.C ist im Haushalt ftlPTON HüE v uer remsTe aen \ die Welt erzeugt Zu haben in allen einschlägigen wie Generalvertreter für Süddeutschland: PH. KRESS, STUTTGART, Sllberburgatr. 1*3 641 - Dazu komme, daß dieser Geist genährt und gepflegt worden sei, von einzelnen Mitgliedern der Gemeindebehörden. Ties schließt er teils aus Ausdrücken, wie sie z. B. der Gemeindepfleger Gramer zwei Tage vor den Vorfällen in Untertalheim fallen gelassen habe, dahingehend: Tie Juden in Baisingen sind in einer schlimmen Lage!, teilaus dem Benehmen einiger Gemeinderäte nach der Tat. Während nämlich der Oberamtmann bei seiner persönlichen Anwesenheit in Baisingen der im Bette liegenden, am Kopfe verletzten Frau des Wolf Kiese so ergriffen gewesen sei, daß er als Christ sie um Verzeihung bitte, von Christen so barbarisch behandelt worden zu sein, haben die Gemeindebehörden sich gleichgültig und schaden freudig benommen und geäußert: Seid nur zufrieden, daß ihr so davon gekommen seid! Schließlich spricht Tr. Wassermann seine feste Ueberzeugung darüber aus, daß zwischen den Gemeindebehörden und den Tätern eine Gemeinschaftlichkeit des Willens vorgeherrscht habe und wie es in einem Briefe, der ihm zugegangen, heiße: den Gemeindebehörden, wenn nicht die moralische Ur hebcrschaft, wenigstens die Mitwisserschaft treffe. Der Beschädigte Wolf Kiese erzählt den Hergang der Sache und stimmt in der Hauptsache mit dem aus den Akten Mitgeteilten überein. Besone ders beharrt er daraus, daß er nur durch den wiederholten Ruf: „Geld oder Tod" veranlaßt worden Kohlenhandelsgesellschaft m. b. H. FrtCirKtlftrMC 8» (am Friedrldisplatz) LAGER: ttMtbufriK (fe. BHOMkei Garten) FERNSPRECHER 20790 Nor ersflüamge Brennmaterialien aller Art Sorgfältigste Belieferung I Unbedingte Garantie für abgeliefertes Gewicht T7TTTTH ILLLiti avfrgerAfejY, ¥?9-A usirattu^