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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1928-02-01 · 21 (1.2.1928) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IV (1927-1928)
Issue
21 (1.2.1928)
Date
1928-02-01
Page
[Seite] (sequence 6)
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mit Axthieben zerschlagen und gerufen wurde: „Alles muß hei (toi) sein!" Hierauf zog die Menge in einzelnen Haufen die Lrtsstraße hinaus und die gleiche Zerstörung an den an der Straße liegenden Judenhäusern unter dem Ruse: „Geld heraus oder Tod" vorgenommen. Auch das Tchulhaus wurde gestürmt. Tann ging es vor das Haus des Maier Weil, in welches 6 7 Personen eindrangen, das Stiegengeländer zurtrümmerten, Hausgeräte zusammenschlugen und die Fenster einwarfen. Tie Bewohner flüchteten sich in den Stall: die Tochter, Baoette Weil, machte sich inS Torf hinein, um zu entfliehen, wurde aber von mehreren Männern auf Kopf und Rücken geschlagen, daß sie einige Zeit arbeitsunfähig wurde. Nachdem unter Johlen und Brüllen noch an mehreren Häusern Zertrümmerungen vorzenommen worden waren, zog die lärmende Menge vor das Haus des Wolf Kiese. Zunächst wurden die Fenster der nahe gelegenen Synagoge eingeworsen, die Fenster bei Wolf Kiese eingeworfen und die Türe zertrümmert und gerusen: „Geld oder Tod!" Wolf warf nun zuerst in einer Blase etwa 18 fl. zum Fenster heraus, wodurch sich aber die Umstehenden nicht zufrieden gaben. Nun warf er abermals 50 fl. in einem leinenen Beutel heraus. Allein auch damit begnügte sich die Menge nicht und schrie: Tas ist nicht der rechte Lack, der „große" Lack muß her! Nun warf die Frau des Wolf Kiese einen großen leinernen Lack, in welchem sich 300 fl. befanden, zum Fenster heraus, .sank jedoch, von einem Prügel oder Ltein getroffen, blutend in das Zimmer zurück und mußte infolge dieser Verletzung mehrere Wochen das Bett hüten. Endlich zerstreute sich die Menge, weil sie er- 640 - fuhr, daß der Schultheiß mit einigen Gemeinderäten und den Wächtern das Dorf heraufkomme. Ter Lärm hörte jedoch erst um 12 Uhr auf. Toch ließ die Verfolgung gegen die Jude, nicht nach. Als von dem Oberamtsgericht Horb die Untersuchung eingeleitet und Verhaftungen vorgenom men wurden, machte man den Versuch, die Frei lassung zu ertrotzen. Am 27. April versammelte der Lchultheiß die Bürgerschaft, wobei 62 Bürger durch ihre Unterschrift erklärten, daß sie nur in dem Falle für die Ruhe und Sicherheit des Ortes Sorge tragen, wenn die Verhafteten freigegeben werden und die Juden auf jede Klage, sowie auf die zu hoffenden Rechte verzichten. Die ge ängstigten Juden unterschrieben diesen Verzicht und baten um Niederschlagung der Untersuchung. Toch gegenüber den ernstlichen Maßregeln, welche getroffen wurden, namentlich der Drohung mit militärischer Exekution, gaben die Bürger von Baisingen am 5. Mai die Erklärung ab, daß sie aus dem Verzichte keinerlei Ansprüche ziehen werden. Ter Teilnahme an diesen strafbaren Handlungen werden die heute vor Gericht stehenden Per sonen angeklagt. Eine Haupttätigkeit entwickelte der Sattler Teufel. Er war es, der in der Absicht, um Geld zu bekommen, vor das Haus des Wolf Kiese gezogen zu sein, bestreitet es aber. Er will von andern, namentlich älteren Männern und sogar von Gemeinderäten zu den Exzessen genötigt worden zu sein. Tie Angeklagten berufen sich zu ihrer Entschuldigung auf ihre Betrunkenheit. Raible gibt an, 8—10 Mann hätten in einer Stunde 42 Maaß Bier getrunken. Zugleich erklärt dieser Raible, warum das Feldge- Kcnncr tragen Gorndorf Schuhe Alleinverkauf für Stuttgartt **J*M*JkrSCrKWJWm Lebende Forellen, Karpfen, Schleien Rheinsalm, Seezungen Enten, Poularden, Tauben, Suppenhühner KARL KRAUTH Friedrichsbau - Telephon 20241/42 und Cannstatt) BahnhofstraBe Nr. 8 Eine sorgenlose Zukunft sichern Sie sich und Ihrer Familie durch den Abschluß einer Lebensversicherung bei der „VITA" Lebensversicherung A. G. in Zürich. Auf Grund außerordentlicher Kapitalkraft die denkbar günstigsten Bedingungen. Beratung unverbindl. durch die General-Agentur f. Württemberg GUSTAV SIMON / Stuttgart-Vaihingen, Obara Oastarfaldstr. 8 Vertreter an allen Plätzen gesucht/

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