Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IV (1927-1928)
- Issue
- 17 (1.12.1927)
- Date
- 1927-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 2)
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lächelt ironisch über die Fragen seines Kindes. Die überängstliche Mutter steht der Seelennot ihres Lieblings verständnislos gegenüber. Beide haben sich so weit von dem Fudesein entfernt, daß. sie die Richtung zum Heimweg verloren haben. Was die Eltern nicht vermögen, vermag die Umwelt. Ter Knabe lernt den geheimnisvollen Zauber des katholischen Kultus kennen und erlebt tiefste Erschütterungen. Aber seltsam, sie reißen ihn nicht aus dem Geleise. Mitten in ihrem Bann empfindet der Knabe die Fremdheit dieses Kultus. So kindlich sein Denken ist, geheimnisvolle Hemmungen sind in seiner Seele. Ein katholischer Priester, an den sich der suchende Knabe wendet, verheißt ihm die Bekehrung, sobald er gereift ist. „Bis dahin sei ein Jude, mein Kind!" Aber Claude weiß nicht, was das ist „ein Jude sein". Er sucht unter den Büchern des gelehrten Vaters einen Führer. Natürlich vergeblich! Ter Vater hat Bücher über alles, nur nicht über das Judentum und seine Anwendung im Leben: das Judesein. In dieser Zeit erfährt er durch einen Mitschüler vom Zionismus. Gewiß, das Leid der Juden des Ostens weckt sein Mitleid. Aber die Idee des jüdischen Volkstums ist ihm innerlich fremd. Er fühlt als Franzose. „Ein Vaterland habe ich, was mir fehlt ist ein Gott!" 516 - | Damit hat Claude den Weg zum Judentum gefunden, doch nicht den Zugang zum Judesein. Bei einer Hochzeit lernt er zum ersten Male einen jüdischen Gottesdienst kennen, der in ihm eine Welt unklarer Erregungen weckt. Er Bit tet die erstaunten Eltern um die Erlaubnis, zum Religionsunterricht, er will Barmizwoh werden. Aber das Judentum, das er so kennen lernt, bietet seiner Knabenseele keine Nahrung. Ter Religionslehrer ist ein frommer beschränkter Mensch, der einen schauderhaften Dialekt spricht und die Manieren des Ghettos an sich trägt. Auch der Rabbiner, den er durch seinen Lehrer kennen lernt, ist allerdings äußerlich ein vollendeter Weltmann, aber ohne die Warmblütigkeit, nach dem das Knabenherz lechzt. Er hat außer seiner kleinen katholischen Gespielin, an die ihn eine echte Knabenliebe kettet, keinen rechten Freund. Seine Mitschüler sind Pfandfinder, Wandervögel mit eigenen Gesetzen. Eine Zeitlang beteiligt er sich an ihren Interessen.. Dann bricht das Gefühl des Andersseins wieder in ihm durch. So scheint sich die Umwelt gegen ihn verschworen zu haben, bis er aus Irrung und Wirrsal den Weg findet, den ihm der katholische Pfarrer als kleinem Jungen gewiesen: „Sei ein Jude, mein Kind". Und nun bahnt er sich selbst jden Weg. Die überwältigende Schönheit und der unermeßliche Reichtum der Bibel, dazu der Zauber BERTHOLD-AUERBACH-VERE1N Dleutili dem 6. Dezember Stuttgart-Log«. Calwerttr. 33 Hihi- Abend« BlU Uhr «pridii Dr. med. Gustav Einstein, Stuttgart Ober „Me ktrpenuke Brzftefcaat 4er IMlMftea jateMT Sonntaj den 11. Dezember Obere« Mu«eum. Kanzlei«trabe, ab nachmittag« 4 Uhr Cheaukkafeier „Feit der Jagend“ (Stehe Anzeige S. 517) — — Saalöffnung 3'/, Uhr Ab abends ft Uhr: Feier für die Erwachsenen mit anschließendem Ball Karten für NlchtmltgUeder Mk. 2. — . fflr Mitglieder Mk. ISO (ErmAbig. f. weitere Familienmitglieder) Kind. bU zu 16 Jahr, frei bei den Ausschubmitglied.. Firma Gdlhorn D Co- König «fr. 17, Uhrmacher Landauer, Calwer«trabe 41 und an der Abendkasse SAmtUcbe Gemeindemllglieder sind freundlich eingeladen Verein zw FSrScruS «cs luiwcrks m« «cs «artCRius «Wer «ca bradUca la WBntcnscr« Die ordenllidie Mitglieder «Versammlung finde! am Sonntag, 4. Des. vorm. 11 Uhr im Israelit. Gemeindehause. Hospitalstrafee 36 statt. Der Ausschuh. 1. Geschäftsbericht 2. Kassenbericht und Entlastung des Kassiers 3. Ausschuh-Wahlen 4. Verschiedenes. JGdisches Lehrhaus Stuttgart In unserer Vortragsreihe über die verschiedenen Richtungen innerhalb des Judentums spricht Dienstag, 13. Dezember, abends 8 Uhr im kleinen Saal des Stadtgartens Dr.Nafhan Birnbaum- Berlin über: DfiS fiberUefcnmgstreiie Judentum Die Mitglieder des* Vereins tödliches Lehrhaus und die HOrer von Lehrhauskursen haben gegen Vor zeigen ihrer Mitgliedsbezw. HOrerfcarte freien Eintritt. Im adrigen sind Eintrittskarten zu M. 1.— erhSltllch in Stuttgart: In der Bücherstube Bütow, RotebOhlstrasse 21, im Musikhaus Jakob, KOnigstrasse 25 sowie bet der GescMflsslelle Hospitalstrasse 36; in Cannstatt: im Schuhwarenhaus Josef, Seelbergstrasse 11 und in H. Reitzels Hofbuchhandlung, KOnigstrasse 54. Am 15. Januar 1928 folgt ein Vortrag von Dr. Ernst Simon-Frankfurt/Main über den „Zionismus."