Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IV (1927-1928)
- Issue
- 16 (16.11.1927)
- Date
- 1927-11-16
- Page
- [Seite] (sequence 13)
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.am mit hem badischen Oberrat die mühsamen Vorbereitungen für den Fortbildungskurs in danenswertcr Weise übernommen hatte, gebührt hierfür besondere Anerkennung, die auch während der Tagung ihm von allen Setten uneingeschränk, gezollt wurde. Tic neue Einrichtung der Fortbildungskurse für Rabbiner soll ihre Fortsetzung in Veranstaltungen finden, die in Bayern, Hessen und Württemberg mit Baden abwechselnd veranlaßt werden sollen. Die Sprache, die die Gräber reden. Bo» Rabbiner Dr. Trettel Laupheim. Tas Erste, was von der Sprache zu sagen ist, welche die Gräber nach dem Worte reden „lapides loquuntur", ist, daß sie in bescheidenem Maße eine Geschichtsquelle darstellen, indem sie aus Anfänge von jüdischen Gemeinden Hinweisen, nach Spezialgeschichtsschreibern, wie Stälin, Rübling, gar auf solche, die schon in der römischen Zeit bestanden, was ein Ersatz für fehlende Memorbücher wäre. Freilich ist die Kunst, Grabsteine wieder reden zu machen, nicht leicht. Die Zeit hat viele Defekte bei Stein und Grabschrift herbeigeführt; da gilt es zu kombinieren, das Fehlende nach bestem Erachten zu ergänzen. Um nur eine dieser Gemeinden zu nennen, es ist die Ulmer altjüdische Gemeinde mit Synagoge, Friedhof, Grabsteinen, vom 13. Jahrhundert an, und gar mit einem eigenen Tanzsaal. Im Einzelnen berichten diese Grabsteine von Geschäftstätigkeit der Juden jener Zeit, und nicht nur innerhalb der Gemeinde, sondern auch über den Kreis der Gemeindegenossen hinaus mit Nichtjuden. Tie Grabsteine, wie hier auf dem Friedhofe von Laupheim, berichten gar von Hosfaktoren, die im Dienste schwäbischer Herzoge gestanden, wie vom Hofsaktor D. H. Hofheimer, dem Urahnen der Familie Hofheimer, dem Gründer des Geschäftshauses H. Hierselbst, der im Alter von 56 Jahren, im Jahre 1832 mit gutem Ramep gestorben sei. Höffaktoren, Hosbankiers begegnen wir ja auch sonst in der Geschichte mittelalterlicher Fürstentümer. Weiter erzählen die alten jüdischen Grabsteine wie die von Ulm gar von einem Fall von Proselytentum. Es ist die Proselytin Ottilie, die auf dem Friedhofe daselbst im Jahre 1298 ihre letzte Ruhestätte gesunden. Die Begründung, daß es eine Proselytin gewesen, besteht darin, daß auf ihrem Grabstein sich die Benennung „die Hebräerin" findet, wie sonst nirgends auf jüdischen Grabsteinen, offenbar in dem Sinne, daß sie eine Angehörige der jüdischen Gemeinde geworden oder zum Judentum zurückgetreten sei. Daß sie nicht als „zum Judentum Bekehrte" aufgesührt ist, findet nach Prof. H. Brann sel. in der Festschrift zum 70. Geburtstag des Kirchenrats Kroner sel. seine Erklärung darin, daß im Mittelalter Todesstrafe auf Bekehrung zum Judentum gesetzt war, weshalb es vorgezogen worden, sie mit dem mehr verschleiernden Namen Jüdin zu benennen, wie sie solchen wohl auch im Leben getragen. Um weiteres von der Sprache,, welche die Grabsteine reden, mitzuteilen, so ist daraus hinzu-- weisen, daß die Sprache der Grabschrift auf denselben bis etwa Mitte des vorigen Jahrhunderts fast ausschließlich das Hebräische gewesen; bis 1330 beschränkte man sich mit wenigen Ausnahmen' auf Angabe des Synagogennamens (schsm hakodesch) der Verstorbenen mit Weglassung des bürgerlichen deutschen Familiennamens, den man mit der Emanzipation von 1828, wenn nicht schon früher angenommen hatte. Um vom Inhalt der Grabschristen, zusammengefaßt, noch ein Wort zu sagen, so ist es überall das Streben gewesen, die Summe des Lebens der Verstorbenen kurz, ohne besondere Ausschmükkung, anzugeben. Nach dieser Zeit, von 1830 an, wird das Umgekehrte Regel:, der deutsche Familienname wird auf den Grabstein gesetzt zusammen mit dem Synagogennamen oder auch, wie in den meisten Fällen, allein, zum Teil mit einem sinnigen Denkspruch. Mit dem überall, auslebenden Interesse an der hebräischen Sprache kehren die hebräischen Inschriften auch wieder auf die Gräber zurück. Es wäre zu wünschen, daß man wieder allgemein zum früheren Brauche zurückkehrte, und wäre es auch nur, daß der hebräische Synagogenname wieder auf dem Grabsteine neben dem deutschen bürgerlichen Namen erschiene, etwa mit Beisetzung des althebräischen Segensspruches: „Möge der bezw. die hier Ruhende Ausnahme finden in dem Verband der Seligen und forileben". Das wäre schön und freudig zu be- Schloßstraße 10 (Ufapalast) Stoffe für das elegante Straßenu. Gesellschaftskleid - Chaiselongue- und Tischdecken - Reizende Spielwaren - Kunstgewerbe WerkstStte für elegante Kleidung Qualiiäis- ZIGARREN jeder Art Manila« Jacger STUTTGART / Kansleistr. 10, L Stock FERNSPRECHER Nr. 23«05