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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1927-11-16 · 16 (16.11.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IV (1927-1928)
Issue
16 (16.11.1927)
Date
1927-11-16
Page
[Seite] (sequence 9)
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— 491 - tum überzutreten. Eine Reise führte ihn nach Nizza und dort suchte er am ersten Sonnabend die Synagoge auf. Bald war er ein gern gesehener Gast im Hause des Borbeters Simon Levy, der ihm ,chie Schönheit der jüdischen Lithurgie enthüllte" und ihn „den eigentümlichen Familiencharakter des jüdischen Kultus verstehen lehrte". Der Aelteste der Gemeinde, David Moise, riet ihm nun, bei dem bekannten Oberrabbiner von Livorno, Elia Benamozegh, vorzusprechen und dem Gelehrten seine Lage zu schildern. Da der Oberrabbiner erkrankt war, mußte Palliöre unverrichteter Tinge nach Lyon zurückkehren. Doch schon nach kurzer Zeit empfing er von Benamozegh ein Schreiben, in dem sich der Gelehrte dem Jüngling ganz zur Verfügung stellte. Nun entspann sich ein Briefwechsel, in dessen Verlauf Palliöre seine Glaubensnöte schilderte und von Benamozegh mit den Grundzügen der jüdischen Lehre vertraut gemacht wurde. Es ist hier leider nicht möglich,. die Gedankenfülle dieser Korrespondenz und ihre wahrhaft sittliche Größe näher zu kennzeichnen. Frei von jedem Begehren, Palliöre zum Uebertritt zu bestimmen, entwickelt Elia Benamozegh ein theologisches System, das im Glauben an die göttliche Erdenmission aller Menschen und an ihre messianische Verbundenheit gipfelt. Alle Menschen sind als Nachkommen Noahs Gottes Kinder. Alle Menschen, auch die, die sich nicht zum Judentum bekennen, sind göttlicher Gnade teilhaftig und Angehörige einer universalen Glaubensgemeinde, in der Israel seines Priesteramtes waltet. Als Laien sind die anderen Bekenntnisse nicht verpflichtet, das Gesetz in allen Einzelheiten zu erfüllen. Dies ist Israel als heilige Aufgabe Vorbehalten. Endlich bot sich Pallitzre Gelegenheit, den großen Rabbiner persönlich zu sprechen. Und nun stellte er die Frage, die Benamozegh bisher nie eindeutig beantwortet hatte, ob er nun ganz zum Judentum übertreten oder Gott — in Benamozeghs Sinne — als Laie verehren solle. Hierauf antwortete Benamozegh: „Als praktisches Ergebnis habe ich Ihnen bereits gesagt, was ich für Sie vorzichen würde. Der Himmel bewahre mich, daß ich Sie unbedingt von der Wezrichtung abbringen wollte, in der Sie zum jüdischen Priestertum gelangen würden. Die Meister meiner Meister, Sch'maja und Abtalion, die Lehrer Hillels und Schammajs, waren Proselyten, und ich müßte Ihnen den Empfang bereiten, der ihnen selbst zuteil wurde. Aber zwei grundlegende Erwägungen lassen mich aus der bereits ausgedrücktcn Meinung beharren. Zunächst mein Wunsch, mit Ihnen und in Ihnen jene religiöse Bewegung zu beginnen, die das letzte Entwicklungsstadium des Christentums sein wird. Sodann aber habe ich die tiefe Ueberzcugung, daß Sic in dieser neuen Stellung dem Judentum viel nützlicher sein können, als wenn Sie zu ihm ganz übertreten, ja, viel nützlicher außerhalb als innerhalb. Wenn ich aber außerhalb sage, so ist es auch nur so ein Wort. In Wahrheit ist der Laie, der Noachide, durchaus nicht außerhalb der Kirche, er ist innerhalb der Kirche, er bildet selbst die wahre Kirche. Ja, mit Ihnen möchte ich den Anfang machen." Ties war die einzige Begegnung Palliöres mit Elia Benamozegh. Am 5. Februar 1900 trug man den großen Gelehrten zu Grabe. Im nächsten Jahre stand Palliöre vor dem schlichten Grabeshügel und in dieser Stunde verstand der Schüler den Meister!ganz. Im Jahre 1908 starb Palliöres Mutter, die strenggläubige Katholikin geblieben war. Am Kolnidreabend lag sie im Todeskampf, und der Sohn wagte (T)t sind klmgadiön, gediegen und J^iaru>6 preiswert ZahhreU« nad» VCTtnbouM- B«tdiUtupg unTerblndUdi H. SCHIRM, Planoforlebau, Ol^aitr. 77 1 FRANK-SEIDEN 1 Seidenstoffe - Bänder - Samte ü I GEBRÜDER FRANK 1 I Königstraöe56 STUTTGART Tel. S.A.23209 1 mtiuni Q: :S3 MOBEL-fabrik zink STUTTGART Senef elderstr. 68 (Ecke Schlollstr.) Größte Auswahl / Vornehme Formen / Billige Preise || 1

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