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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1927-11-01 · 15 (1.11.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IV (1927-1928)
Issue
15 (1.11.1927)
Date
1927-11-01
Page
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— 452 — sich im Norden der Krim und in Cherson nieder. Tie Bewegung erhielt aber erst ihre innere Festigung, als die Regierung 1925 diese Liedlungsarbeit zu sördern begann. Eine eigene Regierungsbehörde (Kommission sür landwirtschafiliche Ansiedlung arbeitender Juden: (KOMZET) stellte die Juden in der Landzuteilung den mchtjüdischen landarmen Bauern gleich. Tamit war die jüdische Siedlung rechtlich gesichert. * Ter jüdische Landbesitz im heutigen Rußland umsaßt bereits 400 000 Tesjatinen. Bis 1926 entstanden 170. neue jüdische Niederlassungen. Ihre Ansiedlung erforderte 1925 und 1926 einen Aufwand von etwa 10 Millionen Rubel, zu denen die Regierung 3,5 Millionen zuschoß. Taß diese Kolonisation die wirtschaftliche Rettung für Hunderttausende bedeutet, ergibt die furchtbare Tatsache, daß z. B. in Weißrußland 30 Pro;, der jüdischen Bevölkerung berusslos sind und darüber hinaus die größere Hälfte der jüdischen Bevölkerung in beispiellosem Elend dahinvegetiert. Bon den gegenwärtig in Sowjetrußland lebenden 3 Millionen Juden sind nur 360 000 Lohnarbeiter und 200 909 Handwerker. Zählt man noch 170 000 jüdische Bauern dazu, 10 Prozent größere Kausleute und 10 Prozent mittlere Handeltreibende, so hat man eine Vorstellung von de» Lcbensverhältnissen der Juden in Rußland. In der jüdischen Kleinstadtbevölkeruug herricht tiefste Niedergeschlagenheit, in den jüdischen Kolonien schassensfrohe Zuversicht. Tatsächlich hat eine größere Anzahl der Kolovien im Odessaer, Chersoner und Krivoiroger Bezirk beträchtlichen Wohlstand errungen. Allerdings kann das bisher Erreichte nur als ein glücklicher Anfang bezeichnet werden. Tie große Umschichtung steht erst in ihren Anfängen. Aber der Uebergang von der Stadt zum Lande ist dadurch erleichtert, daß 90 Prozent der jüdischen Bevölkerung aus der Kleinstadt kommen, die in Rußland noch wesentlich dörfisch-ländlichen Charakter hat. Ohne die Hilfe der außerrussischen Judenheit ist allerdings dieser Umschichtungsprozeß kaum möglich. Tie eigenen Mittel und die staatlichen Zuschüsse reichen hierzu nicht aus. Aber es gibt wohl kaum eine Aufgabe, die der Förderung so würdig ist wie. dieser Neuaufbau der osteuropäischen Judenheit. Jüdische Hände und Herzen haben in solchen Notzeiten nie versagt. Mögen sie auch hier ihre Pflicht tun! Ihre Hilfe bedeutet ein Werk großzügiger Nächstenliebe und wahrhafter Kultur: die Rettung eines wertvollen Teiles der jüdischen Gesamtheit. Am Samstag, den 19. November, wird der Generalsekretär des Hilfsvereins der Teutschen Juden, Tr. Max Wischnitzer, der soeben die jüdischen Siedlungen in Rußland besucht hat, über seine Eindrücke in Stuttgart Bericht er? statten und damit weiteren hiesigen Kreisen Gelegenheit geben, durch einen Augenzeugen das gewaltige neue Aufbauwerk kennen zu lernen. Die jüdische Jugend auf der Berliner „Ausstellung der deutschen Jugend". Boa Kurl Kraemer-Heilbronn. Sämtliche neun großen jüdischen Jügendverbände baden sich unter der Führung des Verbandes der jüdischen Jugendvereine( Teutschlands in dieser Ausstellung zusammengefunden. Ihre einigende Losung lautet: Soziale Arbeit der Jugend für die Jugend! Gibr es etwas Schöneres, als diese Worte in Taten umgesetzt? Gibt es sür junge Juden etwas besseres, als einander zu Helsen? Wir müssen uns vollkommen klar darüber sein, daß bei uns Jungen der innerjüdische Parteihaß keinesfalls die traurige Rolle spielen darf, wie dies leider bei der älteren Generation der Fall ist. Tas ist Tienst am Volk, Tienst am Judentum. Es hak mich sehr gefreut, das Wort Berufsumschichtung gerade auf dieser Ausstellung an erster Stelle genannt zu sehen. Und die vielen christlichen Jugendlichen und Erwachsenen haben sich alle sehr anerkennend darüber ausgesprochen, daß in die jüdische Jugend dieser Geist eingezogen ist. Wir müssen auch die äußeren Male, die uns das lange Ghettoleben eingebrannt hat, ausmerzen. Lange Zeit sristeten unsere Alten ihr kärgliches Tasein hinter den engen Mauern des Ghettos. Ein ehrliches Handwerk zu erlernen war dem Juden verboten. Was blieb da übrig als zu handeln? Kaum waren die Ghettomauern gefallen, da drang der Intellektualismus in hohem Grade in unsere Kreise ein. Man hatte sich emanzipiert. Aber man hatte vergessen, sich auch kör-. perlich sreizumachen und das wieder hereinzuholen, um was uns das jahrhundertelange Knechtsein gebracht hatte. Teshalb auch die Forderung der jüdischen Jugend, die in allen Bünden verwirklicht ist: „Wandern u. Körperkultur". Als wesentlichstes Moment erscheinen mir die zwei nächsten Forderungen, die ebenfalls in sehr seiner Weise zum Ausdruck gebracht sind:

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