Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IV (1927-1928)
- Issue
- 14 (16.10.1927)
- Date
- 1927-10-16
- Page
- [Seite] (sequence 11)
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Bahr, Richard Dehmel, Stefan George, Heinrich und Thomas Mann. Wedekind eine allzu deutliche Sprache. Und was bedeuten die zwar ziemlich hohen Auflagezisfern der erfolgreichen jüdifchen Romanciers Georg Hermann und Jakob Wassermann gegen die Millionenauflagen der Werke Rudolf Herzogs, Stratz's Ewers', Bonsel's, Courths-Mahlers und anderer? Zahlenmäßig kommen die jüdischen Autoren auch hier nicht zur Geltung. — Einige Ausnahmen jüdischer Autoren bestätigen die Regel: Hugo von Hofsmannsthal nimmt als Kenner der Weltliteratur und als Dichter einen hohen Rang ern. Mer der Mangel an Rohstoff eigener Prägung und die maßlose Einführung in die Werke anderer lassen seine Kunst als Poesix aus zweiter Hand erscheinen. In den Werken Schnitzlers und Georg Hermanns herrschten Melancholie und Negationsgefühl vor. Dagegen erhebt sich welffern und frei vom Zweifel die Dichtung Momberts, dessen positives Lebensgefühl auf der Ausschaltung alles Irdischen beruht. Ihm gegenüber stcht Franz Weffels so- 428 — ziale Lyrik, die aus der Güte zum Menschen heraus zu starken Schöpfungen reiste. Mit zwei Autoren, an denen der Redner demonstrierte, daß es bei ihnen aus den Werken unmöglich sei. ihr Judentum festzustellen, schloß Bab: mit Moritz Heimann, der als märkischer Bauer ausgewachsen und der Natur gegenüber eine durchaus elementare Einstellung hatte, und mst Ernst Lissauer, der mit seinen Gedichten über Bach und Bruckner eine durch nichts unterbrochene rein deutsche Auffassung vertritt. Zusammenfassend und rückblickend sprach der Redner noch von der Schwierigkeit, der Vielseitigkeit und Mannigfaltigkeit des behandelten Themas, in der Hoffnung gipfelnd, es möge ihm gelungen sein, von den erörterten Gebieten ein klares verständliches Bild entworfen zu haben. — Die geistvollen und rhetorisch hervorragenden Ausführungen fanden den dankbaren Beifall der Zuhörer. Der Berthold Auerbach- Verein hatte mit der Veranstaltung einen großen Erfolg. Max Gellhorn. FALSCHE WOHLTÄTIGKEIT. Im Gemeindeblatt der Jüdischen Gemeinde zu Berlin vom 2. September dieses Jahres veröffentlicht das jüdische Wohlsahrts- und Jugendamt aus Seite 221 die folgende Warnung: „Der Wohlfahrtsschwkstdel grassiert in einer Weise wie nie zuvor. Mit echten und gefälschten Empfehlungsschreiben hiesiger und auswärffger Rabbiner, mit zweifelhasten ärztlichen Attesten und unter allen möglichen Vorspiegelungen versuchen gewisse Elemente — vielfach mit überraschendem Erfolge — sich Geldmittel zu verschaffen. Die Leichtgläubigkeit unserer Wohltäter führt dazu, daß die wirklich Notleidenden vernachlässigt werden. Wir bittm daher dringend, in jedem einzelnen Falle Erkundigungen bei unserer Zentralstelle einzuziehen, bevor sie eine Spende gewähren. Zweckmäßiger und nützlicher aber ist es, ihre Zuwendung an die oben bezeichnete Stelle direkt gelangen zu lassen." In der nächsten Nummer derselben Zeitung verössentlicht Eugen Caspary aus Seite 132 einen Aufruf an die Berliner Juden, in dem ei heißt: „Richtig Wohltätigkeit üben heißt nicht »ach Gutdünken geben, sondern sich in das große Ganze der Wohltätigkeitsorganisalion cinfügen. Richtig Wohltätigkeit üben heißt für jeden einzelnen Spender: die vielen und wertvollen vorhandenen Einrichtungen, vor allem die Auskunstsstellen benutzen. Richtig Wohltätigkeit üben heißt für die Wohltätigkeits-Vereine und Wohlfahrts-Anstalten ebenfalls sich informieren bei den gemeinsamen, allen Interessierten zur Verfügung stehenden Auskunftsstellen. Man gebe doch endlich die Angst vor den Eingriffen, die Besorgnis um die Selbstständigkeit auf. Dieses ständige Bedachtsein jedes kleinen und klein st en Vereins auf Selbständigkeit wirst ein allzu schlechtes Licht aus seine Motive." Tie Warnung wie der Ausruf gelten auch für unsere Verhältnisse. Es ist bedauerlich, daß noch immer Schnorrer auf Grund von gefälschten Zeugnissen und leichtfertigen Empfehlungen von Rabbinern große Summen zusammenbetteln, während die örtlichen Wohlfahrtseinrichtungen notleiden. Das Fürsorgcamt der Stuttgarter Israelitischen Gemeinde, die Zentralstelle für alle hiesigen jüdichen Wohlsahrtrbestreöungen, muß es aufrichtig beklagen, daß noch immer hiesige Wohltäter seine Vermittlung zur Auskunft über MALFRED BOHM „FEINKOST-BÖHM“ STUTTGART / CALWERSTRASSE 18 / TEL. 32451/52