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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1927-09-01 · 11 (1.9.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IV (1927-1928)
Issue
11 (1.9.1927)
Date
1927-09-01
Page
[Seite] (sequence 3)
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— 317 — ihnen ein besonders reiches Feld der Betätigung, sie mögen von sich aus den Zusammenschluß der Jugend zur Arbeit in dem obengeschilderten Sinne anregen, der Jugend Bibliocheken und Eigenheime einrichten, wo die jungen Leute in geselliger Weise zusammenkommen und religiöse Feiern (Freitag-Abende, Chanukka-Feiern, Sederabende etc.) gemeinsam begehen können. Im übrigen ist das in manchen Großgemeinden bereits in vorbildlicher Weise geschehen. Man vergleiche zu d iescm Punkte auch die nachfolgende Abhandlung über „Jugend und Gemeinde" aus der Feder des Vorsitzenden des hiesigen Berthold- Auerbach -Vereins. Unsere Hauptsorge gilt der Jugend auf dem Lande. Ihr sind die Fortbildungsmöglichkeiten in weit geringerem Maße gegeben, als der städtischen Jugend. Sie müssen ihr von den größeren Städten aus geschaffen werden. Die Möglichkeit der Einwirkung auf die Jugend, die an anderen Plätzen wohnt, ist natürlich beschränkt. Vielleicht läßt sie sich im kommenden Winter durch einen bestimmten Arbeitsplan erweitern. Eine innere Schwierigkeit gilt es dabei zu überwinden, über die oft und nicht ganz mit Unrecht geklagt wird. Sie liegt in dem mangelnden Interesse eines Teils unserer Jugend für jede geistige und speziell jüdisch-geistige Arbeit. Auf Grupd meiner Erfahrungen halte ich diese Schwierigkeit, die im übrigen in der Stadt nicht weniger in die Erscheinung tritt, als auf dem Lande, für groß, aber nicht für unüberwindlich. Die Abneigung gegen geistige Beschäftigung ist wohlgemerkt nur bei einem Teile unserer Jugend, durchaus nicht bei ihrer Gesamtheit, vorhanden. Arbeiten wir mit den wenigen Gutgesinnten, arbeiten wir mit ihnen in anregender und der Wesensart des Jugendlichen entsprechender Weise, dann werden sich auch die anderen allmählich einstellen. Die Verbandsleitung hat sich im vergangenen Jahre nicht ohne Erfolg bemüht, die Tätigkeit in den Vereinen neu zu beleben. Einzelne sind fleißig am Werk, in anderen liegt die Vereinstätigkeit brach. Manches ist geschehen, vieles bleibt noch zu tun übrig. Helft uns, dem Judentum die Seelen unserer Jugend zurückzugewinnen! Der Verband der Jüdischen Zu« gendvereine Deutschlands. Bon Julius Wißmann. Wenn Ausführungen von anderer Seite einen Einblick in die Arbeft des Landesverbandes und der einzelnen Verein« güien wollen, so sofl nachstehend Aufklärung darüber gegeben werden, welches Arbeitsgebiet sich der Verband der jüdischen Jugendvereine DeutMands gestellt hat. Wie sämtliche andern Jugendvereine Deutschlands, ob politischer oder religiöser Natur, eine gemeinsame Spitzenorganisation haben, die aber meistens von den eigenen Organisationen, denen sie auf Grund ihrer Einstellung angeschlossen sind, unterstützt werden, so ist auch für die neutralen Jugendvereine eine Organisation tätig, die mit den andern Bünden, den Behörden, den Äemeindeverbänden usw. Fühlung hat und die Interessen der neutmlen Jugend diesen gegenüber vertritt. Es ist bedauerlich, daß gerade der neutrale Verband bei den jüdischen Organisationen, z. B. den Landesverbänden, nicht die Unterstützung findet, die er kraft seiner Neutralität beanspruchen darf und muß. Soll doch gerade die Arbeit der neutralen Jugendverbände es sein, die Jugend zu Gemeindemitgliedern zu erziehen, welche ohne Rücksicht auf Partei und religiöse Einstellung die Arbeit zum Wähle der Gesamtheit der Gemeinschaft leistet. Der Verband hat sich als obersten Grundsatz die Aufgabe gestellt, die Jugend zu! bewußten Juden zu erziehen, die aber in vollkommener Neutralität ihren Zielen entgegenstrebt. Aber gerade die Neutralität wird den in dem Verband zusammengeschlossenen Vereinen zum Vorwurf gemacht. Es wird behauptet, daß Jugend sich für ein bestimmtes Ziel begeistern wolle, sei es Palästina, sei es Deutschland, sei es der Liberalismus oder die Orthodoxie, und wenn gerade oft die Fahrer der Verbände die Erfolglosigkeit ihrer Bestrebungen einsehen müssen, so wird der Neutralität die Schulde gegeben. Das ist vollkommen irrig. Der Fehler liegt an dem mangelhaften Interesse der Jugendlichen. Denn tatsächlich ist doch unser Ziel der Begeisterung wert! Wir wollen die jungen jüdischen Menschen, die in dem Alter, in dem sie bei uns eintreten, noch keine eigene Meinung besitzen können, aber andererseits mit vorgefaßten Meinungen in die Bünde eintreten, dazu erziehen, sich einen Begriff über das Wesen des Judentums zu verschaffen und so, wenn sie aus dem Alter der Jugend heraustreten, mit festen Füßen in unserem Judentum stehen können, frei von Haß und Feindschaft gegenüber andersdenkenden Menschen derselben Gemeinschaft, bereit dazu, sich in den Dienst für das Judentum zu stellen und an dem,' Weiterbestand unserer Religionsgemeinschaft tatkräftig mitzuwirken. Diese Aufgabe gibt allein schon dem Verband seine Daseinsberechtigung. Als vor Jahrzehnte» die ersten jüdischen Jugendvereine gegründet wurden, wurde es als rin Mangel empfunden, daß nicht eine gemeinsame Führung da war, die den einzelnen Vereinen als Stütze diente. Deshalb wurde im Jahre 1909 zum erstenmal« der Verband der jüdischen Jugendvereine gegründet. Es waren damals noch wenige Führer, die sich dem Jugendproblem gewidmet hatten. Die Arbeit des Verbands und der Vereine diente in erster Linie der Pflege der Jugend. Sie bestand darin, den jungen jüdischen Menschen mit der Kenntnis vom Juden-

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