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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1927-06-16 · 6 (16.6.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IV (1927-1928)
Issue
6 (16.6.1927)
Date
1927-06-16
Page
[Seite] (sequence 12)
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aus der sozialen Struktur des Milieus und zeichnet von seinen großen und kleinen Nöten ein erschütterndes Bild. Wo der Ostjude auch nur wohnt — überall kämpft er nicht nur um sein Dasein, sondern auch um „seine Papiere." Das heißt um die rechtliche Sicherung seiner Zufluchtstätte. Tiefste Tragik knüpft sich an sein Leben; stets begleitet ihn das große Leid der Heimatlosigkeit. Und doch ist für ihn der Westen noch ein Paradies. Ein stürmischer Wandertrieb zwingt ihn aus der Enge des jüdischen Städtchens in die Welt, in Wien, Berlin, Paris und Newyork versucht er unentwegt, sein Leben neu aufzubauen und seinen Kindern ein besseres Los zu sichern. Aber nur wenigen gelingt's! — Von besonderem Interesse sind Roths geistvolle Ausführungen über die Lage der Juden in Sowjetrußland. Im Gegensatz zu den westlichen Ländern, in denen der Antisemitismus vielleicht als primitiver Abwehrinstinkt aufgefaßt werden kann, soweit er nicht das Werk einer rtanmäßigen Hetzpropaganda darstellt, war. er im zaristischen Rußland nichts als ein geeignetes Mittel zum Zweck. Tie russischen Progrome sind hierfür ein | sprechender Beweis. Heute haben sich die Lebensbedingungen der russischen Juden bedeutend gebessert, wenn auch, nach des Verfassers Ansicht, der Antisemitismus nicht völlig geschwunden ist. Den Ostjuden stehen alle Rechte einer „nationalen Minderheit" zu und diese Rechte machen die Unterdrückten von einst zu produktiven Mitgliedern des russischen Volksganzen. Im heutigen Sowjet-Rußland leben zwei Millionen siebenhundertfünfzigtausend Juden. Davon sind 300000 organisierte Arbeiter und Angestellte; 130 000 Bauern, 700000 Handwerker und Arbeiter in freien Berufen. Der Rest besteht aus Elementen, die, nach der Ideologie der Sowjets, als unproduktiv und proletarisch angesehen werden. Dank der amerikanischen Hilfe macht auch die Kolonisation erfreuliche Fortschritte. Drei große Zeitungen in jüdischer Sprache, fünf Monatsschriften und drei Wochenschriften fördern, neben jüdischen Staatstheatern und sonstigen Bildungsinstituten, die kulturelle Hebung und beweisen, daß Rußland an die Lösung seiner „Judensrage" praktisch und nüchtern herangeht. Trotz allem herrschen aber noch viel Not und Elend. Erschreckend sind z. B. Spargelder Effekten Vcrviel- MiHunHen äcioeibar&tten jedecflrt liefert WOLFGANG DÜRR fSMOAlCMSTRe ^X^ürttemb er gische J^otenbank in Stuttgart, Friedrichstr. 22 cmßfiehJt sich zurBesorgung bankmäßiger Geschäfte Devisen Warenlombarde HAINLINcuö STAHL- Jebenhauser Das beste und billigste Mineralwasser Gotthilf Häberle Stuttgart Huitolg<lral§ 94 - Telefon 71432

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