Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IV (1927-1928)
- Issue
- 3 (1.5.1927)
- Date
- 1927-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 26)
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/4904101-5441811-5442960--1124-4905138- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
f- Letzte Mitteilungen. CStBttgott. Tumultuarische Versammlung drS Verein« zur Abwehr des Antisemitismus. überaus aufregend verlief die von der hiesigen Ortsgruppe de« Abwehroereins am Donnerstag, den 28. April, im Bürgermuseum veranstaltete gut besuchte öffentliche Versammlung, in der Rabbiner Dr. Beermann-Heilbronn über die Ewigkeitswerte im Alten Testament sprechen sollte. 2m Saale halten sich etwa 80 halbwüchsige Nationalsvziale unter entsprechender Führung eingefunden, deren Losung war: Der Jude spricht nicht!. Nach den einführenden Worten des Vorsitzenden. StadtpfarrerS Dr. Lamparter. setzte sofort das aus den nationalsozialistischen Versammlungen bekannte wüste Gejohl der Heldenjünglinge ein. das der Vorsitzende durch die Erklärung zur Ruhe brachte, daß nach dem Vortrag die Gegner Gelegenheit zu freier Aussprache über das Bo:tragsthema finden sollten. Aber schon während de« Vortrages, der durchaus sachlich und streng wissenschaftlich war, kam es wiederholt zu stürmischen Unterbrechungen, die so weit ausartetcn, daß Polizei alarmiert werden mußte. In geschickter Weise scrstand e« der Wirt de« Bürgermuseums Steffel dir Radaubrüder auf sein Hausrecht hinzuweisen, von dem er unerbittlich Gebrauch machen würde, wenn nicht die unanständige Schreierei ihr Ende nehmen wurde. Nachdem Dr. Beermann unter verhältnismäßiger Ruhe seinen wertvollen Vortrag beendet hatte, versuchte der Nationalsozialist Eugen Plunder in der Aussprache die Versammlung in eine politische Hetzversammlung umzuwandeln. Der Vorsitzende verhinderte ober diese Absicht durch die wiederholte entschiedene Mahnung, daß er das nicht dulde und lediglich zum Thema das Wort erteilt worden wäre. Inzwischen war Polizei erschienen. s, daß die schreienden Jünglinge es vorzogen, unter Heilrufen und komisch wirkendem Singen den Saal zu räumen. Johannes Fischer gab seiner Entrüstung über diese ibn als CKristen und Deutschen beschämende Störung beredten Ausdruck und fand bei dem großen christlichen und jüdischen Hörerkrei« lebhafte Zustimmung. 2n würdigen und eindrucksvollen Schlußworten berichtete Stadtpfarrer Dr. Lamparter. wie ihn Gewiffen und Wahrbeitsdrang zu einem Verteidiger des verleum- 96 - drten Judentum« gemacht und forderte die Versammlung auf, durch den Kampf gegen die antisemitische Verhetzung für di« Gesundung und den Neuaufbau des deutschen VolkStums einzutreten. Zeitschriften. „MenvlOh", jüdisches Familienblatt für Wissenschaft, Kunst urü> Literatur. Wien I., Zelinkagasse 13. Jahresabonement 12.— Mark. Die soeben erschienene Aprilnummer enthält eine Reihe von Beiträgen, die besonders dem an der neuen Literatur interessierten Leser willkommen sein dürften. So die Einleitung aus Ludwig Lewinsohn: Buch Israel, das, obwohl es in Amerika einen unerhörten Erfolg zu verzeichnen hat, leider bisher nicht ins Deutsche übertragen worden ist. Professor Eisler versucht im Rahmen eines Aufsatzes über den Maler Josef Floch einem breiteren Publikum das Problem, die neue Malerei richtig zu sehen und zu erfassen und sich von Vorurteilen der modernen Kunst gegenüber zu befreien, verständlich zu machen. Die wertvollen Kunstbeilagen mit Reproduktionen vervollständigen dieses besonders wertvolle Heft. Aus der jüdischen Märchen- und Sagenwelt. Wie der Satan die Erlösung Israels verhindert. 1. Der Zaddik ha-danr. Nein, Israels Schicksal war nichtkipehr zu ertragen. Ein Gottesfluch schien aus ihw zu lasten. Tie Gläubigen bestürmten den Rabbi: „Du bist der große Zaddik, der Frömmste in diesem Zeitalter, hilf uns, unser Leid ist größer als unsere Kraft." Das Herz des Rabbi weinte. Seine Seele blutete. So entschloß er sich zu einem letzten Schritt. HEILBRONN Karl Gertler Juwelier Spozlalltlts Bruckmann. Kaiserstr. Silber-Bestecke Mm ‘ Garne., _ , Kurzwaren Strumpfe Trikoiwasche Wollwaren L. ZEHENDER Blumenhaus Mai Bräunling HEILBRONN a.N. Kaiserstraße Nr. 21 Telefon 162 Künstlerischen Blumenschmuck r "T Kariitr. 85 Tel. 200 rirliRiibrtJoüt Mß Malermeister Ausführung einfacher j und feinster Arbeiten! Schilder, Dekorationen etc. J