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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1927-04-16 · 2 (16.4.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IV (1927-1928)
Issue
2 (16.4.1927)
Date
1927-04-16
Page
[Seite] (sequence 27)
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«WWW» W jj lllfipil! Gewiß sind die Anklagen gegen Süs, daß er von allen diesen Gründungen seinen Vorteil gehabt, nicht unbegründet. Sie bleiben aber trotzdem geschichtlich überragende Leistungen. Dabei ist er eine merkwürdige Mischung von phantastischer Reizbarkeit und nüchterner Sachlichkeit, ein aufgeklärter Freigeist, der sich rühmt, ein Volontär aller Religionen zu sein, und dabei ein Gläubiger, der vor Fürsten sein Judentum stolz bekennt, ein Spötter über die Religion und zugleich ein Märtyrer, der unter Folterqualen seinem Glauben die Treue wahrt. Der Kampf des Herzogs endet mü der Niederlage des neuen Staates. Sein jäher Tod ist das Todesurteil für Jud Süs gewesen. Wenn jemals, so hat hier die Geschichtschreibung für die Revision eines Justizmordes zu plädieren. Aus . der jüdischen Märchen- und Sagenwelt. Der Täufling. Der „Spaler Seide", der Alte von Spala, Reb Leib Sores, war sein ganzes Leben ein Wanderer. Nur selten einmal legte er sich abends dort zur Ruhe, wo er am Morgen erwacht war. „Es gibt so viel auf Erden zu tun," pflegte er zu sagen, ,chaß man nirgends rasten darf. Hier gilt es Asrmen zu helfen und Witwen zu ihrem Recht zu verhelfen; dort gilt es Suchenden den Weg zu zeigen und Sünder zur Buße zu führen. Und alles das muß an Ort und Stelle geschehen. Man muß die Irrenden aufsuchen, sonst weichen sie nie den rechten Weg finden." «MWWWWWWWWWWMWW 6S - Der alte Reb Leib war wieder einmal unterwegs. Der Bersöhnungstag stand vor der Türe und er beschloß den heiligen Tag in einem kleinen Dorfe zu verleben, in dem gerade zehn erwachsene Juden wohnten, sodaß man die vorgeschriebenen Gebet« dott sprechen konnte. Das Unglück wollte es, daß unmittelbar vor dem heiligen Tage zwei von den Dorfjuden den Ort verlassen mußten, sodaß es unmöglich war, den hochheiligen Tag in gemeinsamen Gebet zu verleben. Das nächste Dorf, in dem Juden wohnten, war vor dem Bersöhnungstag nicht mehr zu erreichen. Reb Leib war ttef niedergeschlagen. Bisher war es ihm immer geglückt, am Bersöhnungstage in einer Gemeind« zu beten. Nach langem Fragen erfuhr er, daß der Gutsherr des Dorfes ein Täufling war. Obwohl chm die Ortsbewohner dringend abrieten, den Täufling aufzusuchen, ließ sich Reb Lech nicht zurückhalten. Das Unerwattete trat ein. Die Tür zum Betsaal öffnete sich, und der Gutsherr trat an der Hand Reb Äibs in den Betraum. Bevor man das Gebet begann, hob der Spaler Snde eine Thora aus der heiligen Lade, reichte sie dem Gutsherrn und begann in ttefer Erregung das vorgeschriebene Abendgebet mit den ^herkömmlichen Worten: „Mit Erlaubnis Gottes' urch mit Zustimmung, der Gemeinde ist es heute gestattet in Gemeinschaft mit Sündern zu beten." Die ganze Nacht urch den ganzen Tag stand der Gutsherr vlit der Thora im Arme totenblaß und in frommer Erregung vor der heiligen Lade. Der lange Tag war nun zu Ende. Das letzte Glaubensbekenntnis sollte gesprochen werden. Laut rief der Gutsherr das „Höre Israel" und dann das U L M BdcwMmiis- KirpCr mer art Kmü* d. Hetz- Apparate m Albert FaldKlier, Uli Hlrsdutr. 12 - TeL 764 Franz LEIBER MÖBEL Fruenifara^c 116 TeL 1106 ALLEIN- VERKA UF der Siefoer'schen Paradies - Betten ©scar <JCammerer / Qllm vormals aPaL3lmg»lmai*r ■£angtstr. 18, Tstltf. 768 <Spe3ial-Qescfiäfi für Feinkost, ‘Wild und Qe/Tügel ’JCalt* Qlatttn, S>*liE-§*sc£*n/Ucörbt Pf aff - Nähmaschinenhaus Inhaber: Otto Pabst Fenuprecfeer 444 Ulm a. D. HlrscfestrafieNr.4 1 I 'i

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