Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- IV (1927-1928)
- Issue
- 2 (16.4.1927)
- Date
- 1927-04-16
- Page
- [Seite] (sequence 4)
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liefere. Er gestattete den Juden zu ihrer eigenen Sicherheit mit einem Hängegewehr auszureiten, er ließ für die vielen jüdischen Flüchtlinge aus Polen, die damals üLer Deutschland hereinfluteten und eine schwere Belästigung der Bürgerschaft darstellten (1719), eine besondere Judenherberge außerhalb des Marktes erbauen und sorgte auch für sie, als ein Verbot der Stadtbetretung notwendigerweise verfügt werden mußte. Die vielen Schutzbriefe der Grafen, die aus dieser Zeit erhalten sin-, zeigen immer wieder den Wunsch nach gesetzlicher Regelung der Beziehungen der Juden zur fürstlichen Herrschaft und ihrer Geld- und Rechtsangelegenheiten. Kleptzergeld (Klepper-Pferd) für das fürstlich« Gestüt, Lieferung von 12 Martinsgänsen zu Weihnachten, der Zunge der geschächteten Tiere und Schacht geld waren mehr Schutzakte als steuerliche Bedrückungen. So ist es zu verstehen, daß die Juden ihrem Fürsten ergeben waren, was auch in dem Memorbuche der jüd. Gemeinde berürt zum Ausdruck gelangt. Hier wird des Fürsten Kraft, Ernst, Fürst zu Oettingen, Oettingen-Wallerstein und regierender Gras zu Baldern und Zedern, der Fürstinwitwe Wilhelmine Friederike im Gebete gedacht. Das Memorbuch, außerordentlich schön geschrieben, auf bestem Pergamente, vom Jahre 1685 liegt heute gut aufbewahrt auf dem Almemor der Synagoge, die laut Eintragung im Jahre 1805 mit dem Judentore abgebrochen, und mit 42 — I fürstlicher Unterstützung neu errichtet wurde. Sie | ist lichtvoll und weit gehalten, von einer schönen Kuppel überdacht, im Vordergrund ein kunstget zierter Oraun hakodesch, an den Gesimsen die eisernen Halter für die Jomkippurkerzen. In der Mitte, auf drei Stufen zu ersteigen, der Almemor, die alte Bimoh, umstellt von den ehrwürdigen Betständern in zwei konzentrischen Kreisen. Auf ihm stehen noch die beiden Sessel, mit Samt beschlagen, der eine, der Kisse-schel-Elijohu, der andere für den Baal Zandok. Von diesem Almemor spendete der Rabbiner der Gemeind« den Matnas-Jad-Segen. Allerdings hatte diese Form erst Rabbiner Ascher Löw (1789) eingeführt; sie war der früheren Sitte gegenüber, an jedes einzelne Mitglied mit dem Sefer heranzutreten, eine Reform, und zog dem Rabbiner W Anfeindung einer sich bildenden Gegenpartei zu. Die Sache wurde der Regierung zur Anzeige gebracht, und die Fürstinwitwe Friederike Wilhelmine entschied zu ungunsten des Rabbiners, da die Neuordnung gegen die Bestimmung ihres in Gott ruhenden Gemahles vom 21. Mai 1797 verstoße! Jeder Unterzeichner der Petition für den Rabbiner wurde mit 4 Dukaten bestraft. Sonst aber erfreuten sich die Rabbiner der höchsten Achtung bei der Gemeinde und der Regierung, unter ihnen ein Pinchas Katzenellenbogen (1630), Hirsch Jakob (1655), Hirsch Kohn aus Fürth (1750), Ascher Löw (1789). Sie standen in nachbarlicher Beziehung zu den Rabbinern in Anläßlich meines 70. Geburtstages habe ich van Behörden, Vereinen, freunden u. Bekannten sa viele Beweise van^Liebe u. Wertfchätzung erfahreri, dah auher Stande bin, jedem einzelnen, wie ich es gerne möchte, zu danken. Ich bitte, auf diesem Wege meinen herzlichen Dank abstatten zu dürfen. Arthur Gssinger Gemeinde-Beamter sucht per 4. Mai möbliertes Zimmer eventuell mit ritueller Pension. Gefl. Offerten an B. Schottenfels, Frankfurt a. M. Weberstraße 25 Isr. Männer verein f. Krankenpfleg e | und Leichenbestattung w sw'ip 5n2n Samstag, beu 30. April 19i7, abends 87, Uhr im Restaurant Bloch, Calwerstraße Generalversammlung Tages-Ordnung: Bericht des Vorstandes Rechenschaftsbericht d. Kassiers. Verschiedenes. Zahlreiche Teilnahme erbeten Der Ausschuß. Wir bringen hiermit zur Kenntnis, daß, neben Herrn Dr.Rosenstem, nunmehr auch Herr Dr. Rudolf Krauß, Hegelstr. 49 als Vertrauens-Arzt für uns tätig Ist. Isr. Kranken-Unterstützungs-Verein E. V. Der Vorstand: Louis Hirsch