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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1927-04-01 · 1 (1.4.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
IV (1927-1928)
Issue
1 (1.4.1927)
Date
1927-04-01
Page
[Seite] (sequence 14)
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gegen Tiere und von da aus am inneren Menschen weiter bauen — es steckt tiefe Weisheit in dem Satze Kants: „Man kann niemanden besser machen als mit dem Rechte des Guten, das in ihm ist" — und daneben Lacondaires Ausspruch im Bewußtsein behalten: „In jeder Menschenseele lebt ein Heiliger und Verbrecher." Diesen Heiligen, die Alten nannten ihn j e z e r ha tob, den Trieb zum Guten, den gilt es zu Hilfe zu rufen. -I- * * Für das Krankheitsbild des Epileptischen sind nicht die Krämpfe, sondern das gereizte, leidenschaftliche, zornwütige, wie im Rausche sich vollziehende Affektleben kennzeichnend. Bei den schwachen Stadien dieser Krankheit läßt sich durch Willensstärkung einige Besserung erzielen. Vor allem gilt es, einem solchen Schwachen das Gefühl zu nehmen, als sei jeder Versuch, einen inneren Kampf gegen den bösen Dämon aufzunehmen, von vornherein aussichtslos. Diesen intelligenten Kranken gilt es klar zu machen: Es ist nicht an dem, daß unser Wille nur ein Ergebnis der körperlichen Disposition sei, ein bloßer Durchgangspunkt von Naturwirkungen. Man wird wohl die tatsächliche Abhängigkeit unseres Willens von Motiven auszeigen, aber auf diesem Grunde der Bedingtheit unsere innere Unabhängigkeit um so heller aufleuchten lassen, die darin besteht, die geeigneten Motive zur endgültigen Entschlußbildung in uns aufzuhäufen. Man lasse ruhig die furchtbare Wirkung ererbter Anlage gelten, man stelle aber daneben, was> planmäßige Selbsterziehung zu ihrer Verdrängung vermag. Pochhammers schönes Gleichnis zur Veranschaulichung des in der Seele wirksamen Zwanges und der aus dem Ewigen stammenden freien Kraft trifft den Nagel aus den Kopf. Es ist wie berm Segelboot; hier treibt nicht nur das Wasser, sondern auch der Wind, ein Bild der überirdischen Kraft. Es wird sich also um Steigerung und Selbstdisziplin handeln, um Vertiefung des Schuw- und Verantwortlichkeitsgefühls, um die religiösen I Werte der Reue und Buße. In uns lebt eine Welt des Gewissens: higgid lccha, adam mah tob („Gott hat dir kundgetan, Mensch, was gut ist"). Allen Antrieben der Tiefen und Anlagen des Schlimmen gegenüber ist auf die Kraft aus der Höhe hinzuweisen, und diese soll durch planmäßige Askese und Selbstbeherrschung gepflegt werden. * * * Ucker die Hysterie, zu deren Symptomen ncken hochgradiger Beeinflußbarkeit, ausgeprägter Selbstsucht und Lügenhaftigkeit, zuweilen auch Schlauheit und Gewandtheit gehören, sei hier nur ein Wort gesagt. Mancher Ehebruch bei sonst korrektem Verhalten kommt auf ihre Rechnung. Lähmungen und körperliche Störungen aller Art, wie Erblindung vermag sie hervorzurufen. Die Suggestion vermag hier Wunder. Auch die Suggestionskräfte des Gebetes. Ich selbst habe folgenden Fall erlebt. Ein junges Mädchen zeigte nach Marschüberanstrengung alle Symptome der Hüftlähmheit mit Verkürzung des rechten Beines. Anatomische Untersuchung, Röntgenaufnahme ergaben völlige Intaktheit. Monatelang trotz oder wegen aller möglichen Heilversuche kein Erfolg. Da versammelten wir uns um das Bett der Kranken. Ich sprach, tief ergriffen vom Mitgesühl mit der Leidenden, «in schlichtes, inniges Gebet. Kaum daß ich das Amen gesprochen hatte, da sagte die Leidende: „Mein Bein wird länger", erhob sich und ging normal. Ucker die Psychoanalyse wird sich der Geistlich: genau informieren. In seinem Umgang mit Hysterischen sei er besonders oarauf bckacht, Ernst und Strenge, Festigkeit und Milde, Teilnahme und Zurückhalten in Weisheit und Takt mtteinander zu vereinigen. Er wecke Vertrauen, meide aber Vertraulichkeit und versäume ja nicht, ein« Verständigung mit dem Arzt über etwaige Maßnahmen herbeizuführen. * * * Zum Schlüsse eine Bemerkung über die Neurotiker. Sie sind Menschen ohne rechtes Lebenszentrum; oft sind sie mit ihrem Berufe unzu- JX sind klangschön, gediegen und VuinxyS preiswert ZahlweUc nach Vereinbarung. Besichtigung unverbindlich H. SCHIRM, PUnofortebau, OI|ulr. 77 ». " 1 ' feine Briefpapiere gJÄ Rr. 18 p. & S. flbele Süchseastrahe 25 - Telephon 22354/55 QfafC-R 8 h m a s c h i n n ■'IHII vorzügliches deutsches Fabrikat 1 IMI1 -*—» Bewerb* . _ Industrie (fllnpfl, Conradt&Ite, Stuttgart, Kranprlnzstraße Z2 Esslingen, Untere MetzgerbachstraBe 9 ► Auf Waasch wtslcktwto ZaUangtkadlsffangaa I -4 Damen-Frisier-Salon Maria Haag - Hdolf Honold I Femr. 21452 STllTTCjARTKönigstroße 11

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