Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- III (1926-1927)
- Issue
- 24 (16.3.1927)
- Date
- 1927-03-16
- Page
- [Seite] (sequence 22)
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584 Man wird sich erinnern, daß die Oessentlichkeit eines Tages mit der Nachricht überrascht wurde, zum Zwecke des Aufbaues Palästinas habe sich ein Komitee gebildet, dem eine Reihe politischer Persönlichkeiten, darunter auch hohe Beamte des Reiches und des Staates angehören. Da alsbald ersichtlich war, daß die Gründung von den Zionisten ausgeht, konnte man zun r Hst nicht recht verstehen, wie diese Politiker, die keine Zionisten und keine Juden sind, dazu ka men, sich an einer Propaganda zu beteiligen, di. dem Zionismus zugute kommen muß. Tann er folgten weitere Erklärungen, es wurden auch einige Briefe veröffentlicht, in denen prominente Angehörige des Komitees ihren Be tritt begrün deten. Daraus ergab sich, daß diese Herren keines wegs im klaren über die Zwecke des Komitees ge wesen, sondern mit einer erstaunlichen Unschuld in das Komitee hineingeschlittert sind. Bei der Gründungsfeier des Komitees hat der preuß.Unterrichtsminister Tr. Becker eine Ansprach: gehalten, derentwegen dann zwei jüdisch: Vereint gungen schriftliche Anfragen an ihn gerichtet haben. Dr. Becker betrachtet den Zionismus unter dem Gcfchtspunkte der Wis.enfchrst; Zionismus ist ihm gewissermaßen eine Angelegenheit der Archäologie. Tie Kongresse der Zionisten und die der Orientalisten liegen aus derselben Linie. Es ist mit einem Worte, eine akademische Sach:. Aber leider ist sie das durchaus nicht. Ter Zionis mus ist eben heute keineswegs in erster Linie eine humanitäre Bestrebung oder gar eine historifie rende Liebhaberei, sondern vor allem Politik. Ein Politiker müßte das wissen. Tin Politiker könnte auch wissen, daß der heutige Zionismus den deutschen Juden polftisch schädlich und gefährlich ist. Die Juden wünschen durchaus nicht, daß ihnen ein neues Heimatland aufoktroyiert werbe; ihnen genügt das deutsche vollständig, und 7» sehen die Konsequenzen, die nicht ausbleiben würden,-wenn der politische Zionismus die stärkste Richtung des Judentums würde; sie haben gar keinel Neigung, sich in ein neues Ghetto sperren zu lassen, mag dieses Ghetto auch bloß die Form eines Fremden rechts annehmen. Die Zionisten sagen, der Zionismus habe niemals die leiseste Absicht gehabt, die Juden, dinicht in Palästina leben, in ihrer staatsbürgerlichen oder sonstigen Stellung zu beeinträchtigen. Uebcr diese Naivität muß man wirklich staunen. Wer wird denn die Zionisten fragen, wenn es ihnen gelingt, die Juden zu einem besonderen Volkstum zu machen? Was dann mit den staatsbürgerlichen Rechten geschieht, das würde wahrlich nicht von ihnen, sondern von der zufälligen politischen Konstellation abhängen. Die ganze Angüegenheit würde ein anderes Gesicht haben, wenn im Zionismus diejenigen Kreise maßgebend wären, die eben diese sozialwirtschaftliche Seite zum entscheidenden Fundament der Frage des Palästina-Aufbaues machen wollen. Wenn es ihnen gelingt, das Heft in die Hand zu bekommen, dann würde Anlaß zu einer Nachprüfung der Stellungnahme gegeben sein. Ob diese Wende eintritt, das mindestens hätten die Herren abwarten müssen, die mit politischem Gewichte versehen sind. Der heutige Zionismus ULM % Miller & Sohn tz o f -Juwelier Ulm a. Donau Donaustraste I. Telefon rS2 6e,rSirdet 1838 lllmcr KarosseitelaDrlh Neuer D Thieme ULM 4L. D,, SAfllnterotr. 91 Karosserien jeder Art Limousinenaufsätze - Allwetterverdecke Reparaturen, Neu-Ladderungen Ventaufsabteilung Großgarage ' Einzig** Unternehmender gt*emitn Aatomobilbranch* am Platt« >F. KILIAN-STRAUB k Erstes Haus für Corsetten und r Leibbinden. V Tel. 765 Maßanfertigung » Reparaturen Ulm a. Do Münsterpl. Nr. 30 H. OECHSLE Saalbau - Parfümerie Friseurgeschäft Damen- und Herren-Salon Schönheitspflege * Großes Lager in inu. ausländischen Parfümerien und Toileiteartikeln