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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1927-01-16 · 20 (16.1.1927) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
III (1926-1927)
Issue
20 (16.1.1927)
Date
1927-01-16
Page
[Seite] (sequence 17)
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als ein neues Organ der zionistischen Propaganda. Das wird unbezweifelbar durch die Tatsache belegt, daß gleichzeitig mit der Berliner Gründung im Englischen Unterhause eine Bersammulng des parlamentarischen neubegründeten Pro Palästina- KomUtees unter dem Vorsitze S. Finburghs abgehalten wurde, dem zahlreiche Mitglieder aller Parteien des Unter- und Oberhauses angehören. Sicher ist auch hier ganz wie in dem Schweizer und dem französischen Pro Palästina-Komittee der grundlegende Programmpunkt ,^>ie Ausbreitung englischer, schweizer bezw. französischer Wirtschaftsbeziehungen" gewesen. Die Angelegenheit der Berliner Komitteegvündung ist allerdings nicht gar zu ernst zu nehmen — die Begeisterung der Gründungsreden und der Frühstückstoaste pflegt nicht allzulange vorzuhalten. Renaissance-Menschen und Juden. 2) Bon Bezirksrabbiner Dr. Beermaau-Heilbronn Es war die neue humanistisch« Bildung, aus der der Kardinal von Venedig Toleranz gewann. Dem Humanismus dankte auch Giovanni de Medici als Papst Leo X. seine Duldsamkeit gegen die Juden. Unter chm waren beim Pontifikat römische Rabbiner so angesehen, daß christliche deutsche Gelehrte ihrer Fürsprache sich bedienten. Er machte einen jüdischen Komponisten zum Grafen, priviligierte «ine hebräische Buchdruckerei und sorgte für die Drucklegung des Talmuds. Elias hebräische Grammatik ist dem Kardinal de Biterbo gewidmet. In einem anderen Christen, in Paulus Fagius, dem Schüler Rruchlins, fand er einen gütigen Gönner, der ihm zu einer Korrektorstelle in Venedig verhalf. Er soll ein« deutsche Bibelübersetzung in Angriff genommen haben, über deren Ausführung und Verbreitung genaueres nicht bekannt ist.Den christlichen Kabalisten leistete er durch seinen Meturgeman, ein aramäisches Lexikon, nicht unwesentliche Dienste. Die jüdische Wissenschaft bereicherte er durch die in seiner Schrift Massoreih ha-uiassoreth «iwiesene Erkenntnis, daß die hebräischen Vokal und Tonzeichen nachmosaischen und sogar nachtalmudischen Ursprungs sind. Es war kein mittelmäßiger Lehrer, der ihn im Hebräischen unterwies: Elia del Medigo. Freilich an Genialität und berückendem Gedankenreichtum reicht del Medigo an seinen großen Schüler nicht heran. Immerhin ist er dem Pico an kritischem Sinn überlegen. So betrachtet er die Entstehung der Kabbal« mit nüchternen Augen. Sie ist chm keine göttliche Offenbarung, sondern ein organisches Produkt der neuplatonischen Gnostik. Nun gar durch kabbalistische Formeln auf die höhere Welt einwirken zu wollen, hält er für widersinnige Vermessenheit; überhaupt ist er seiner ganzen Grundrichtung nach jeder mystischen Gefühlsseligkeit feind. Wie ein Rationalist des 18. Jahrhunderts sucht er die Legenden des Talmuds chres wunderbaren Inhalts, zu «ntlleiden und die Grund lehren des Judentums in ihrer Uebereinstimmung mit der Vernunft nachzuwciscn. Wie nachmals Mendelssohn preist er am Judentum, dessen Religionsphilosophi« er' in seinem Bechinat hadat (Prüfung der Religion) behandelt, die Dogmenlosigkeit. Hier, in der jüdischen Lehre, ist chm das letzte Ziel nicht der richtige Glaube, sondern die fromme Tat. Del Medigo scheint seinem Schüler auch als Lchrer der Philosophie Förderung und Anregung gewährt zu hüben. Bielleicht dankt er dem italie nischen Grafen die Berufung als Proftssor an die Universität Padua, an der der jüdische Philosoph sich hohes Ansehen erwarb. Als einst ein gewaltiger Geisteskampf zwischen zwei philosophischen Lagern dort wogte, und man diesen nach damaligem Brauch mit Rapier und Stoßdegen ausfocht, disputierte del Medigo als Schiedsrichter öffentlich über die strittige Frage. * * * Elia war aus Kreta, seine Familie soll deutschen Ursprungs gewesen sein. Einer seiner Nachfolger in Padua, Elia Habachur, war auch deutschen Ursprungs. Im schweren Kampf ums tägliche Brot lehrt er hebräisch zu Padua. Er ist der Verfasser eines Glossems zu Kimchis Grammatik, die Lürch die Uebersetzung von Sebastian Münster, Reuchlins Schüler, Weltruf erlangt hat. Nach der Plünderung Paduas fand er gastliche Aufnahme im Hause des Kardinals Egidio de Biterbo. Dieser hervorragende Geistliche hat sich auch sonst als Mäcen jüdischen Gelehrten gegenüber bewiesen. So ließ er durch Baruch von Benevent das Grundbuch der jüdischen Mystik, den Sohar, übersetzen. (Fortsetzung folgt). Aus der Wett des Judentums. Frank,nrts erst« Berufrrtchterin eine Jüdin. Am 23. Dezemebr 1926 amtierte in Frankfurt zum ersten Mal «ine Frau als Prozeßrichter: Fräulein Dr. Hedwig Frank. Die erste Frau im Richtertalar am Frankfurter Oberlandesgericht ist «ine streng gesetzestreue Jüdin. Wie auch di« nichtjühische Kritik lobend aner- Ludwigsburg. 6ekrMcr Brincr / ÜMhrttdwrt SpetlaheparahtruferksiSHe für Kraftfahrzeuge Betten* hAnfeabdi geleitete Werkttttte. Prompte Bedinwng.

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