Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- III (1926-1927)
- Issue
- 13 (1.10.1926)
- Date
- 1926-10-01
- Page
- [Seite] (sequence 6)
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am Gottesdienste in Lauchheim teilnahm und als Borbeter und Schofarbläser fungierte. Im Jahre 1829 wurde Heß von der Regierung zum Tolmetsch für die neuhebräische Sprache ernannt. Tas folgende Jahr sah Heß an der Arbeit an einem überaus segensreichen Werke, an der Schaffung einer Stätte für die Erziehung und Ausbildung israel. Waisen und verwahrloster Kinder. Die von ihm anfänglich geplante Errichtung eines Filials zu einem der staatlichen Waisenhäuser erwies sich als unausführbar. Tas Ministerium lehnte, trotz Wohlwollens für die Sache, eine materielle Beihilfe ab. Ta erließ Heß einen Aufruf an die Juden des Landes. Und als dann noch der König Wilhelm auf die Bitte von .Heß einen ersten Beitrag von 300 fl. bewilligte, war der Waisenhausverein bald gegründet, der noch 1831 seine Tätigkeit mit der Unterbringung von 5 Kindern bei Lehrern des Landes aufnahm. 1842 wurde dann die Waisenanstalt „Wilhelmspflege" in Eßlingen errichtet, und Heß, ihr geistiger Schöpfer, zum Ehrenmitgliede ernannt. 276 — 1833 ließ Heß in Dinkelsbühl lchne Nennung seines Namens eine durch ihn in ebenso zweckmäßiger wie tiefreligiöser Weise erfolgte Umarbeitung von Zschokkes „Stunden der Andacht" erscheinen, die ihre Aufgabe „zur Förderung religiösen Lebens und häuslicher Gottesverehrung" zu dienen vortrefflich erfüllte und bald vergriffen war. Eine Neuauflage des heute noch sehr lesenswerten Erbauungsbuches erschien nach dem Tode des Verfassers 1867 unter seinem Namen in der Heß'schen Verlagsbuchhandlung in EUwangen. Es würde zu weit führen, hier im Einzelnen auf Heß' Mitarbeit an den Bestrebungen der württ. Judenschaft um Aufhebung einzelner Härten des Gesetzes von 1828 und an den Kämpfen gegen die 1851 einsetzcnde Reaktion einzugehen. Ihm war es höchste Freude, daß er noch die Frucht seines lebenslangen Ringens, die Gleichberechtigung der Juden im Jahre 1864, erleben durfte. Fast bis an seine Sterbestunde arbeitete er an einer Denkschrift, in welcher er die Organisation der württ. Judenschaft in freierer Form Vereinsanzeigen. Berlhold Auerbach-Verein. Stuttgart, im September 1926. An unsere Mitglieder und Freunde! In dankenswerter Weife hat sich wiederum eine Reibe von Rednern zur Verfügung gestellt, deren Persönlichkeiten genusi» und lehrreiche Abende versprechen. Es.scheint in weiten'Kreisen unserer Gemeinde überleben zu werden, daß unsere Vortragsabende nicht nur unseren jugendlichen Mitgliedern, sondern auch den älteren Gemeindeangehörigen wertvolle Anregungen vermitteln. Es ist daher dringend zu wünschen, daß diese Abende ganz allgemein einen regeren Zuspruch genießen, als dies bisher der Fall geivesen ist. Wir wollen für alle Kreise der hiesigen Gemeinde unabhängig von der gesellschaftlichen Stellung und der jüdisch-politischen Stellung des Einzelnen ein weites Forum für die Vertretung jeglicher Anschauung schaffen. Es ' ergeht ganz besonders auch an die übrigen jüdischen Organisationen der Aufruf zur Mitarbeit. Als besondcreNcuerung sollen versuchsweise Sprecha b e n d e eingcfübrt werden, bei denen über ein 8 Tage zuvor bckanntgegebenes Thema von verschiedenen Rednern gesprochen werden soll. Wir versprechen uns gerade hievon <jzze besondere Belebung der Vortragsabende. — Dancbdn sollen auch die unter der bewährten Leitung des Herrn Rabbiner Tr. Cohn stehenden F r e i t a g a b e n d e, die sich bereits während des Sommers gut eingeführt haben, wieder ausgenommen werden. — Auch die rege Sportabtcilung hat bereits mit ihrer Tätigkeit lDonnerstag Abend 8 Uhr Forsiturnhalle) wieder begonnen. Möge eifrige Mitarbeit und gesteigertes Interesse an der Vereinsarbeit die Müden der Redner und der Vereinsleitung lohnen. Mit Bereinsgruß! Der Berthold Auerbach-Verein -- ' *" l. Vorsitzender Dr. Schwarz. Programm: 12. Oktober: Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Cohn: Jüdische Erziehungsarbeit 19. Oktober: Vortrag des Herrn Hilfsregisseur Alfred Dreifuß: Die Juden in der modernen deutschen Literatur 26. Oktober: Rezitationsabend von Fräulein Hilde Fischer: Moderne jüdische Dichter (Werfel, Lasker-Schüler. Beer-Hoffmann und andere.) 2. Novbr.: Sprechabend 9. Novbr.: Vortrag des Herrn Lehrer Adelsheimer: Napoleon nach Emil Ludwig 16. Novbr.: Vortrag des Herrn Rabbiner Dr. Bamberger: Die Leichenverbrcnnung nach jüdischer Auffassung 23. Novbr.: Vortrag des Herrn Regierungsbaumeister Guggenheimer: Wohin soll und will die Baukunst und die Wohnkunst? (Mit Lichtbildern) 30. Novbr.: Kleine Chanukkafeier — Nur für Mitglieder 7. Dezbr.: Vortrag des Herrn Oberlehrer Rothschild- Eßlingen : Jüdische Jugend 14. Dezbr.: Vortrag des Herrn Dr. med. Ney: Sportsragen 21. Dezbr.: Größere gesellige Veranstaltung Nähere Bekanntmachung erfolgt. Sämtliche Veranstaltungen finden in den gütigst zur Verfügung gestellten Räumen der Stuttgart-Loge, Calwerstr. 33, statt und beginnen jeweils pünktlich 8*, j Uhr. — Wir bitten um Beachtung des Berrinskalender« in der Freitag-Abend-AuSgabe des Neuen TagblattS, woselbst auch etwa notwendig werdende Programmänderungen veröffentlicht werden.