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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1926-09-01 · 11 (1.9.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
III (1926-1927)
Issue
11 (1.9.1926)
Date
1926-09-01
Page
[Seite] (sequence 4)
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bete der Liebe und Sehnsucht, Gebet« erfüllt von dem Verlangen, den Willen Gottes zu dem eigenen zu machen. Und Metatron empfängt sie mit Segensgruß .... Nur Gebete aus friedvollem, liebreichem, reinem Herzen will Gott. So betet der Jude am Morgen: „Mein Gott, die Seele die Tu mir gegeben hast, ist rein!" Ihn umrauscht die ernst - heilige Mahnung, das göttliche Kleinod in seinem Innern nicht zu beflecken. Und in stillen Sabbath¬ und Feiertagsstunden spricht die sehnende Seele: „Reipige unser Herz, Tir zu dienen in Wahrheit!" Nirgends aber wird schlichter und schöner um die Durchdringung unseres ganzen Wesens mit dem Göttlichen gebetet als in folgenden Worten: „O allerbarmcnder Vater, erbarme Dich unser und flöße unserem Herzen Liebe und Eifer ein, zu erfassen und zu erfahren, zu lernen und zu lehren, zu hegen und zu hüten alle Worte Teiner Lehre. Erleuchte unsere Augen durch Deine Lehre, festige unser Herz durch Deine Gebote und lege in unser Herz die Erkenntnis, Deine Einheit zu erfassen und Tir in Liebe zu dienen." Fortsetzung folgt. Ein Tag in der Gesolei in Düsseldorf. Eine.verienplaudcrei. Einhundert Extrazüge in der Woche, dreißigtausend zahlende Besucher an einem verregneten Werktage, bis heule über vier Millionen Besucher der Ausstellung das gibt eine ungefähre Vorstellung von dem Leben und Treiben in der Gesolei. Schon aus dem Bahnhof drängen sich Zimmervermieter und Wohnungsagenten an die Reisenden heran. Vor dem Bahnhof überall fröhlich flatternde bunte Wimpel. Das ist der erste Eindruck der AuSstcllungsstadt. Bon den Schätzen und Wundern der Ausstellung selbst zu erzählen, von dem Kolossalbau des Planetariums, von dem gewaltigen Feuerwehrturm, von dem Bergwerk und besonders von der Märchenpracht einer Abendbeleuchtung, ist fast überflüssig. Das haben andere, die es besser verstehen, bereits ausführlich getan. Ein Tag in der Gesolei ist ein Tag lebendigen Anschauungsunterrichts. Am Eingang zur Halle „Ter Mensch" grüßt den Besucher mit einem beleidigend liebenswürdigen Grinsen der Affenmensch: der Neandertalmenfch lächelt den Beschauer mehr listig als lustig an: ein Spaziergang durch ein veritables Psahldors, dazu Reste-von Höhlenbären und vorsintflutlichen Tieren scheinbar ist dieser Teil der Ausstellung nicht mehr zu überbieten. Im Kinderheim „Vasenol" wird den Eltern und solchen, die es werden wollen, die Wundcrmacht des Streupulvers an lebendigen Babys und blitzsauberen Schwestern dargestellt. In dem Haus der Bierbrauer wird dem Lerneifrigen und. Schaulustigen gezeigt, wie wertvoll der Alkohol, und wie unentbehrlich der Gerstensaft für die Kultur der Menschheit ist — und kaum hundert Schritte weiter wird dem Entsetzten gezeigt, wie ungeheuer gefährlich dieser Alkohol werden kann. Zwischen Scylla und Eharybdis der Alkoholgegner und -Verteidiger rettet sich der Turchschnittseuropäer in die überall winkenden Weinstuben, um hinter dem goldig schimmernden und fruchtig duftenden Glase kühn der verheerenden oder belebenden Wirkung des gefährlichen Rebensaftes entgegenzuwarteii^ Das Leitwort der ganzen Ausstellung, das in Gestalten, in Bildern, in statistischen Darstellungen gleichsam aus allen Ecken und Winkeln dem Besucher entgegentönt, heißt: Nur gesund! Ich bin überzeugt, s>aß wer allen den Mahnungen zur Gesundheit in den fast zweihundert Hallen der Ausstettung folgt, viel älter als Methusalem wird, -a Dazu wird überall durch Fachl.u e mündlich zweckdienliche Anleitung erteilt, damit auch der blödeste Besucher den Weg zur Gesundheit nicht verfehlt. Ter schwierigste Teil der Ausstellung ist allerdings der Vergnügungspark. Er stellt an einen gründlichen Besucher erschreckend große Anforderungen. Es ist also verständlich, daß die hundert Extrazüge zur Ausstellung überfüllt gewesen sind. Für den jüdischen Besucher hat die Gesolei noch eine besondere Anziehung. In freundschaftlicher Nachbarschaft der Heilsarmeeausstellung und der Volksspcisehalle erwartet ihn die Halle 122: Hygiene der Juden. . Besonders glücklich ist ihr Platz allerdings nicht gewählt. Auch der Bau ist nicht ansprechend. Tie Kuppel lastet zu flach auf dem würfelförmigen Gebäude, das wohl an palästinensische Bauten wie das Grabmal der Rahel erinnern soll. Das Haus macht einen engen gedrückten Eindruck. Es fehlt in ihm an Luft und vor allem an Licht. Dadurch kommen die hochwertigen Flachplastiken, welche die biblisch-rabbinische Hygiene darste len, nicht in verdientem Maße zur Geltung. Am Eingang steht ein wunderschöner silberner Chanukkaleuchter. Eine aufgerolltc Thora mit wertvollem synagogalen Schmuck weist auf die Quelle der jüdischen Hygiene hin. Friedliche Ruhe und Behaglichkeit atmet die reizende Sabbathstube. Tann kommt eine Ueberfülle von Einzeldarstellungen aus der Gesundheits- und Wohlfahrtspflege der Juden. Den Württemberger erfüllt es mit besonderer Freude, daß eine Tasel, welche die gesundheitlichen Forderungen des Maimonides darstellt, den Namen des verdienstvollen Zusammendarstellers, Rabbiner Tr. Kroner in Qberdorf-Bopfingen, nennt. Bilder aus dem Eßlinger Waisenhaus berichten dem Beschauer von der vorbildlichen Stätte, die heimische Wohltätigkeit unseren Waisenkindern geschaffen hat. Darstellungen aus dem Sontheimer Altenhaus, Bilder von unserer Stuttgarter Kleinkinderfürsorge erzählen, wie wir für unsere Aelte-

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