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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1926-09-01 · 11 (1.9.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
III (1926-1927)
Issue
11 (1.9.1926)
Date
1926-09-01
Page
[Seite] (sequence 1)
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Gemetn-eseitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs tlaichllt-Uch «tfldlgtlO JUni. 4 RtKUtmoi* Onjclamanm tO Nt>ch«p>tuutg poftichiUl-NinUo, Mt 5t €imnlul monatUdi fBttmnl am 1. a. 14. Verlag: Israelitische verlagoaaflolt 6. m. b. ks. fcmfpct«« s.-fl. tsstt (nur fftt DttlagtaOtlg.) Schrtltleitaag; Stadtraddtaer vr. liteger, Stuttgart Ctrarlottaiftmft« iS. Jlnjtlg cnptclti Mt ttslpamgt nonpaitUitjcilt oder dtrta Rmns 30 RttO)«p|tnnlg famtUcnaajctgta nnO Utint Jtajtlgto Mt KktnjtU* tO R<td)tp|nnilg Reklame 1.50 Reichsmark Sei IDteOeitiolimgea vergaastlguag III. Irchrgaug Stuttgart, 1. September 1526 Nr. 11 Von gestern, heute und morgen. Neujahrsgedanken. Hat es eigentlich noch einen Sinn, das religiöse Neujahr neben dem bürgerlichen zu feiern? Für den offenbarungsgläubigen Menschen scheint die Frage eindeutig dadurch beantwortet zu sein: die Feier ist ein Gottesgebot und damit begründet. Aber seltsamerweise kennt die Thora das Neujahrsfest nicht als Feier des Jahresbeginnes, sondern nur als Zeiten des Lärmblasens oder der Erschütterung. Vielleicht ist gerade darin die Bedeutung der Neujahrstage gekennzeichnet. Sie sind keine kalendarisch« Feier, sondern nur religiöse Tage: an der Wende zweier Zeiten ruft uns die Religion zur Selbstbesinnung, zur Selbsterkenntnis, zur Seelenerneuerung. Wir sollen vom Gestern über das Heute den Weg zum Morgen schauen und wählen. Es ist der Stolz des Menschen, modern zu sein, mit der Zeit zu gehen, ein Mensch von heute zu sein. Ein Mensch von gestern, das Hingt wie verächtlich, beinahe bedauernd, fast wie ein Vorwurf. Keine Vorhaltung wird uns Juden so oft gemacht wie die, daß wir zu sehr am Alten, am Gestrigen hängen und über das Gestern das Heute vergessen. Ist denn aber dieses Gestern für uns eine Bürde und nicht vielmehr unsere Würde? Es ist unsere Geschichte, der Boden, in dem wir wurzeln, aus dem wir ewige Jugend werben. Darum ist es eines der wertvollsten Bibelworte: „Wir sind von gestern." Das Gestern ist eine große Macht. Es bezeichnet den Weg, den wir wandern, die Straße, die uns führt, das Fundament, das uns trägt. Dieses Gestern kann die Kette sein, an die wir geschmiedet sind, das Joch, in das wir hineingeboren sind, das Schicksal, gegen das wir ohnmächtig ankämpfen. Das Gestern kann aber auch der Heimatboden unserer Seele, das Wurzelreich der Zukunft, der Adel, der uns verpflichtet, sein. Das ist die Tragödie vieler Juden, die sich von diesem Gestern losreißen wollen. Sie zerbrechen die Schale, und ihre Seele ist entblößt und verblutet. Aber da- Gestern darf kein SHavenjoch sein. Das Neujahrsfest ruft dir zu: Sei eine lebendige Kraft, entfalte dich, glaube an dich, mache das Gestern lebendig! Sei das, was du sein sollst! Vergiß nicht über das Gestern das Heute. Das Gestern ist Schatzkammer, Waffenarsenal, Kraftquelle. Nutze es, denn wer das Gestern vergißt, ist ein Emporkömmling ohne Selbstsichechcit, wurzellos ohne Bodenständigkeit. Wir Juden taumeln zu viel den Phantomen von Heute nach, vergessen das Gestern und beten das Heute kritiflos an. Ich halte nicht viel von ihm: es ist nur Uebergang, Begriff, ein Werdendes, das, kaum geboren, vorüber ist. Wer nur von heute ist, ist nur für heute und hat sich bald überlebt- Wurzle im Gestern und wachse im Sonnenlichte des Heute! Wir sind ein Volk von Propheten, von Zukünftigen, von Kommenden. Das Morgen ist unser Ziel, unser Sinn und unsere Seele. Die Welt der Verheißungen ist die Triebkraft unseres Daseins. Wir sind messianische Menschen. Wer aber die Zukunft bauen will, der braucht das Gestern als Baugrund und die Werksteine des Heute zum Aufbau des Morgen. Sei Mensch der Gegenwart, ohne in chr aufzugehen, und denke an das Morgen! Am Neujahr wird unser Gestern um ein Jahr reicher, nicht älter. Das Rätsel ewiger Jugend ist das lebendige Verständnis für das Gestern und das Heute. Seid Ewigkeitsmenschen! Begeht das Alle, seid Menschen von heute und arbeitet für das Morgen! Das ist die Predigt des Neujahrfestes. Die Reuausgabe der griechische« Bibel, Übersetzung durch die württ. Bibelanstalt. Unsere heimische Bibelanstalt hat ein Kulturwerk von allergrößtem Ausmaß in den Kreis ihrer Aufgaben genommen: die wissenschaftliche Ausgabe der ältesten griechischen Übersetzung der Bibel, der sogenannten Septuaginta. Soeben ist in vorbildlicher Ausstattung der erste Band dieses Riesenwerkes erschienen, dem 15 weitere folgen sollen. Wohl kann nur der Fachmann ermessen, waS Universitätsprofefsor Tr. Alfred Rahlfs, der

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