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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1926-08-01 · 9 (1.8.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
III (1926-1927)
Issue
9 (1.8.1926)
Date
1926-08-01
Page
[Seite] (sequence 5)
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und anbefohlen, daß alle Erstgeborenen Aegyptens getötet werden sollen. Eine solche Auffassung von Gottheit kann ich nicht akzeptieren. In der Bibel wird nicht selten Gott in einer Rolle gezeigt, die menschlichem Geist und Gewissen widerspricht. Diese Unebenheiten der Bibel werden aber reichlich wettgemacht durch die spätere Renaissance des jüdischen Geistes bei den Propheten, Psalmisten und Gesetzesgebern. Man müsse der Bibel das Beste entnehmen. Das Gesetz bedeutet dem liberalen Juden nicht das, was es dem orthodoxen bedeutet. Dem Orthodoxen ist es Symbol, nicht aber Inhalt der Offenbarung. Wir liberale» Juden wollen der Bibel das Wertvollste, den Inhalt, entnehmen. Der Bibel gebührt der erste Platz, weil sie das Höchste u nd Heiligste darstellt, weil sie geschrieben ist von Menschen, die vom wahren göttlichen Geist begnadet waren. Eine lebhafte Diskussion entspann sich bei der Behandlung der von Dr. Stephen S. Wise zur Erörterung gestellten Frage, ob innerhalb der liberalen Bewegung die Zionisten Platz haben und an ihrer Entwicklung Mitarbeiten können. Dr. Wis» gab der Hoffnung Ausdruck, daß der Liberalismus nicht darauf ausgeht, die Einheit Israels zu stören. Liberalismus bedeute wahre Toleranz und kein Lippengeständnis. Steht er doch auch der Orthodoxie nicht feindlich gegenüber, obwohl ihn die Orchodoxie selbst seit 60 Jahren in eine Kampfstellung gezwungen hat. Die Konferenz müsse unmißverständlich erklären, daß der Liberalismus keine Gegnerschaft zur zionistischen Bewegung bedeute. Wollte man Gegensätze zwischen den beiden Bewegungen konstruieren, so würden ernste Gefahren Heraufziehen. Mr. Claude G. Montefiore hat bei der Eröffnung angeregt» die Frage des Zionismus nicht zur Diskussion zu stellen. Aber schon am Sonnabendabend hat Rabbiner Dr. Mattuck diese Forderung verletzt, und so könne auch er, Dr. Wise, nicht schweigen. Montefiore ist einer der bedeutendsten Repräsentanten der liberalen Judenheit der Gegenwart. Er gibt der Bewegung Werte, die sie nicht entbehren kann. Doch Montefiore ist andererseits als einer der schärfsten Gegner des Zionismus bekannt. Sein Bekenntnis, daß Judentum nur eine religiöse und keine nationale Gemeinschaft bedeutet, sei sehr kühn. Dr. Stephen S. Wise wandte sich zum Schluß an Claude G. Montefiore persönlich mit den Worten: „Würde ich gleich Ihnen glauben, daß der Zionismus die jüdische Religion gefährde, ich wäre nicht Zionist." — Die jüdische Resormbewegung, setzte Dr. Wise fort, war hauptsächlich rationalistisch, nicht religiös. Sie litt infolge der geistigen Verfassung, die ihr aus Deutschland ausgeprägt worden war. Man erinnere sich, daß das Reformjudentum mit Beginn der industriellen Aera eingesetzt hat. Ihm fehlte die Kraft, die Liebe und Leidenschaft für die eigenen Ideale. Will nun das liberale Ju- 183 — dmtum in dir Fußstapsen des Reformjudentums treten und feine antizionistischen Kriegsruf« übernehmen? Es gibt zahlreiche junge Zionisten in Atnerika, die mit Liebe dem Liberalismus anhängig würden, wenn man ihnen nicht erklären würde, daß Liberalismus und Zionismus unvereinbare Dinge seien. Wenn die Konferenz heute den Zionisten nicht einen Platz in der liberalen Bewegung einräumt, so wird sie es später bereuen müssen. Der jüdische Nationalismus will eine Erneuerung des jüdischen Lebens in Palästina, auf daß die jüdische Religion und ihre hohen Ideale neues Licht ausströmen. Die Konferenz müsse Antwort geben auf die Frage: Haben die Zionisten Raum und Arbeitsmöglichkeit auf dieser Tagung? Wenn nicht, dann habe sich die Konferenz aus der Einheit des jüdischen Lebens ausgeschlossen. Nach Schluß der Rede von Dr. Stephen S. Wise erhob sich der Vorsitzende der Konferenz, Rabbiner Dr. Mattuck, und erklärte im Namen der „Jüdisch-religiösen Union" in England, der Vereinigung für liberales Judentum in Deutschland und der Zentralkonfrrcnz amerikanischer Rabbiner, daß die internationale Konferenz für liberales Judentum keine offizielle Stellungnahme zur zionistischen Bewegung faßt und keine Antwort erteilt auf die Frage, ob sich Zionismus und Liberalismus vereinbaren lassen. Jeder liberale Jude muß dies mit sich selbst abmachen. Als Präsident der Konferenz verbiete er jede weitere Erörterung der Frag«. Am 12. Juli abends ging die erste internationale Konferenz der liberalen Juden zu Ende. Zuvor wurde beschlossen, einen di« liberale Judenschaft aller Länder umfassenden Welwrrband für liberales Judentum zu schaffen. Aufgabe dieses Weltverbandes ist es, den Gedanken des jüdischen Liberalismus zu fördern, Landesorganisationen für religiöses liberales Judentum begründen zu helfen und eine Zusammenarbeit aller Landesverbände für liberales Judentum herbeizuführen. Alle zwei oder drei Jahre sollen sich die internationalen Zusammenkünfte wiederholen, um die den Liberalismus bewegenden Fragen durch gegenseitige Aussprache zu klären. Eine dem Gedanken des liberalen Judentums dienende Zeitschrift soll den gleichen Zielen gewidmet sein. Der Begriff „Liberales Judentum" umfaßt alle gleichstrebenden Gruppen, mögen sie sich nun liberal, reformistisch oder progressiv nennen. (ITA). _ (Schluß folgt). Die Geschichte der jüdischen Gemeinde in Dettensee. *) Bon Gustav Spier, Haigerloch. Selbst die im Jahre 1837 erfolgte Emanzipafion hatte für 'manchen Juden unangenehme Folgen. 1840 will der Witwer Jakob Biggard wieder heiraten. Er kann genügend Vermögen tm HüHikiHiMM

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