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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1926-07-01 · 7 (1.7.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
III (1926-1927)
Issue
7 (1.7.1926)
Date
1926-07-01
Page
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Gemeindezeitung für die ifroclitifdicn Gemeinden Württembergs «tettOtftdd) »tfleUgtiO «iUM- 4 Relch-mm» «ajdnnninKt tO Rd<li«pfenntg PoMÜ|ttk>Kotito > 34t St Ctfdiciat noimtlMi jrottmnl am 1.0.1«. vertag: Israelitisch« verlagsauflatt S. m. d. ks. f«osp«ch« 0.-JL tun (am fta OtdagaaMig.) Schrlftlettaag: Stadtroddtner vr. «leger. Stuttgart dtattottcatmp« 18. Jlijctgcnprctd Mt dBjpqmg« TiBupqmtlkidte ofecrtotta Raum SO RcM|«pftaa!g faartlWn mutigen an» Mdac ftnsctgca Mt Rkfiijcllc 10 Rcidiapfcnnig Reklame 1 JO Reichsmark Sei UNedeekotaapea vttgUastlgaag 111. Jatpgnng Stuttgart, 1. fuU 1?26 nt.? Die jüdische Erziehung und das Jüdische Lehrhaus. Es gehört zum Wesen der Seele, sich wachsend zu entfalten, sich selbst zu gestalten. Erziehung, will diesem Wachstum Richtung, dieser Entfaltung ein Ziel geben. Damit ist der Inhalt der jüdischen Grzichung gekennzeichnet. Sie will der reifenden Seele die Richtung auf das Judentum, sie will der Selbstentfaltung das Ziel des Judeseins weisen. Das Auf und Nieder, das Suchen und Sehnen, das Fragen und Zweifeln, das Klügeln und Grübeln det Kinderseele nach dem Warum und Wozu soll durch diese Zielsetzung eine sichere Antwort finden. Die Voraussetzung der Erziehung zum Judentum ist der jüdische Erzieher. Die Bibel kennt als eigentliche Erzieher nur die Eltern. Ihnen macht es Gott zur Pflicht: „Lehret eure Kinder meine Worte" (5. B. Mose 11,19) und „Präge deinen Kindern meine Worte ein" (5. B. Mose, 6,7). Es ist aber ein Irrtum, daß diese Pflicht nur den Vätern obliegt. Sie ist in gleichem Maße Mutterpflicht. Darum soll das Kind beim Tischgebete sprechen: „Gott segne meinen Lehrer, meinen Vater, und meine Lehrerin, meine Mutter." In der mündlichen Lehre wird allerdings diese Untervichtspflicht nur den Vätern auferlegt: „Sobald das Kind sprechen kann, soll es der Vater den Satz lehren: „Die Thora hat uns Mose geboten als Erbe der Gemeinde Jakobs (Sifri zu 5. B. Mose 11,18)." Der Thalmud rechnet die religiöse Unterweisung der Kinder zu den besonderen Pflichten des Vaters. Dennoch werden Berufslehrer (Morim und Melammedim Spr. 5,13, Ps. 119,99; Mebinim Reh. 8,7; Esra 8,16; t Ehr. 25,8 und Mas- Wim Daniel 11,33, 35i- 12,3) bereits in biblischen Zeiten genannt und die Schüler als deren Kinder bezeichnet (Ps. ,34,12). Der Hohepriester Josua ben Gamla wird dafür gerühmt, daß er Lehrer in allen Orten des Landes angestellt, welche die Kinder vom sechsten und siebenten Jahre an unterrichten sollten (Baba> Batra 21a). Die Elternpflicht war aber darum nicht aufgehoben. Es galt auch weiter für ihre religiöse Pflicht, soweit sie es vermochten, ihre Kinder selbst in der Gotteslehre zu unterweisen. Erst die Gegenwart hat hier eine bedauerliche Wendung gebracht. Zu dem Schriftwort „Es wird sein, wenn dich dein Kind nach dem Sinn der Symbole des Peßachfestes fragt", bemerken die Weisen: Das kann als schlechtes Zeichen oder als gutes Zeichen aufgefaßt werden — es ist ein gutes Zeichen, daß die Kinder fragen, und ein schlechtes, daß sie fragen müssen. Heute fragen die Kinder — aber die Eltern können nicht antworten! Die Unkenntnis vom Wesen und den Lebensäußerungen des Jrckentums ist so groß geworden, daß ihnen die schönste und heiligste Elternpflicht, dem Kinde die Seele für die Religion zu erschließen, zur Unmöglichkeit geworden ist. Alle religiöse Unterweisung, auch die durch die tüchtigsten Lehrer, ist aber zur Unfruchtbarkeit, zur Unwirksamkeit verurteilt, wenn die Väter und Mütter der Entwicklung und Entfaltung des Wertvollsten in chrem Kinde, der sittlich-religiösen Persönlichkeit, hilflos gegenüberstehen. Diese Hilflosigkeit ist der tiefere Grund für die zur Schau getragene Gleichgültigkeit der meisten jüdischen Eltern gegenüber der religiösen Unterweisung ihrer Kinder. Sie bemänteln die ihnen peinliche Unkenntnis vom Judentum "unter einer betonten Mißachtung alles Jüdischen. Ich glaube, daß die Unkenntnis der Eltern vom Judentum eigenflich eine andere Wirkung haben sollte: die Liebe zum Kinde sollte Vater und Mutter veranlassen, das in der Jugend Versäumte nachzuholen. Hier erschließt sich eine überaus ernste Aufgabe für das neue Jüdische Lehrhaus. Ganz abgesehen von der philosophischen Bedeutsamkeit der jüdischen Wahrheit, von dem fesselnden Inhalt der Mischen Geschichte, von dem einzigartigen Reichtum des jüdischen Schrifttums, die es allein schon vollauf rechtfertigen, daß jüdische Männer und Frauen in Scharen dem Jüdischen Lehrhause zuströmen — sie fehlen ja sonst bei keiner künstlerischen und kulturellen Veranstaltung! — sollte die Sorge um die Seele des Kindes und seine sitüich-religiöse Bildung die Eltern zu eifrigen Jüngern des Jüdischen Lehrhauses machen. Ist doch für denkende Väter und

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