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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1926-06-16 · 6 (16.6.1926) · p. [Seite]

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
III (1926-1927)
Issue
6 (16.6.1926)
Date
1926-06-16
Page
[Seite] (sequence 5)
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W IWMWWWWI"1A>, J. ' Ji WWW» i < Ein Tag in Sontheim. Noch nie habe ich die Vorlage eines gedruckten Jahresberichtes so dankbar empfunden als in diesem Augenblicke, da ich mich anschicke, über die am 6. Juni in Sontheim stattgefundene Mitgliederversammlung des Israel. Landes-Asyl- und Unterstützungsvereins für Württemberg e. B., zu berichten. Der stellvertretende Vorstand Jsak Israel leitete die Versammlung und machte sicher bemerkenswerte Ausführungen, der Kassier Bankdirektor Felix Sontheimer erstattete den Kassenbericht — was sie sagten, ich könnte es nicht verraten, wenn ich es nicht schwarz auf weiß vor mir hätte. Dieser sehr ausführliche Bericht ist den Mitgliedern des Vereins bereits zugegangen — Nichtmitglieder erhalten ihn sicher gerne auf Wunsch von der Bereinsleitung zugesandt — so daß ich einfach auf denselben zu verweisen brauche. - Was mich aber dem gesprochenen Worte so wenig Aufmerksamkeit schenken ließ, war gewiß nicht Gleichgültigkeit — ich war vielmehr ganz im Banne der alten Männlein und Weiblein, die den Saal füllten. Die Asylanten, durchwegs gut aussehend, verfolgten mit regem Interesse die Verhandlungen. Aus ihren Augen leuchtete Festtagsfreude. Diese kam später noch in verstärktem Maße zum Ausdruck, als die Herren des Ausschusses die einzelnen Frauen und Männer im Saale begrüßten oder sie in ihren Zimmern besuchten. Rührend war es, wenn so ein altes Mütterlein die Hand eines lieben Gastes nicht mehr freigeben wollt«, im Gespräch über ihr Leiden klagte, aber gleich wieder strahlenden Gesichts ihrer Freude über den lieben Besuch Worte verlieh. Und wie stolz sind sie auf ihr liebes Altersheim, wie rühmen sie die gute Verpflegung, wie dankbar sind sie für alles Gebotene. WMWWWWMRWWWWWWWV»'' NS — In mir aber ward die Vergangenheit lebendig, - mein eigen Mütterlein und Großmütterlein erstand beim Anblick der alten Frauen vor meinem geistigen Auge, ich mußte mir sagen: Dieses Asyl ist ein Stück echtesten Judentums, hier vollbringt das jüdische Herz eine jüdische Tat — auf die jeber, jeder Jude der württembergischen Gemeinschaft stolz sein darf und stolz sein soll. Aber die Bedeutung dieses Werkes muß auch richtig erkannt und für unsere Jugend verwertet werden. Deshalb ist es nötig, daß die Eltern ihre Kinder nach Soncheim führen, sie diese Bereinigung alter jüdischer Frauen und Männer schauen lassen, ein Bill», das nie wieder ihren Augen entschwinden wird. Und mit diesem Bilde, das die jugendlichen Gemüter tief rühren muß, wird eng verknüpft sein der fortan in die Herzen unausrottbar gepflanzte Trick: ich muß helfen, wo ich kann. Einen besseren Anschauungsunterricht für die Jugend kann ich mir nicht denken. Und dann zeigt ihnen die herrlichen Räum«, den schönen Garten, macht sie auf die Zweckmäßigkeit der Anlage aufmerksam, erzählt ihnen von den Männern und Frauen, deren Tatkraft und Opferwilligkeit dies Werk schuf, sagt ihnen, mit welchem Eifer sich berufene Persönlichkeiten dafür einsetzen, das Asyl in den z. Z. so schwierigen Verhältnissen auf der Höhe zu halten, wie insbesondere dem Heilbronner Damen-Comitö keine Arbeit zu groß ist, von ihm keine Mühe gescheut wird, die alten Leutchen zu betreuen. Dabei ist zu bemerken, daß die Anforderungen an^das Asyl recht groß sind. Nur Dank einiger außergewöhnlicher Spenden konnten die nötigen Ausgaben bestritten werden. Neue Mitglicker gilt es zu gewinnen, die Spenden bei fteudigen und schmerzlichen Anlässen sollten reichlicher fließen. STUTTGART-SONTHEIM a. N., den 14. Juni 1926. Mit tiefem Schmerz erfüllt hat uns das rasche Hinscheiden unseres allverehrten Herrn Kommerzienrat MORITZ WOLF der zu den Gründern unseres Vereins gezählt und diesem seit Jahrzehnten überaus nahegestanden hat. Der Verein verliert in dem Entschlafenen einen eifrigen Förderer seiner Bestrebungen, der Ausschuß einen weitsichtigen, treuen Mitarbeiter, die Verwaltung einen wohlwollenden Berater und die Pfleglinge unserer Anstalt einen teuren Freund, der jedem von ihnen nahegestanden hat Der Verlust ist für uns unersetzlich. Vorbildlich war sein Interesse für die Angelegenheiten des ihm lieb gewordenen Vereins. Wir beklagen tief den Verlust dieses edlen Wohltäters und werden ihm dauernd ein ehrendes Andenken bewahren. Der Ausschuß des Iar. Landes-Asyl- und Unterstütxungsvereins für Württemberg E. V. Die Verwaltung und die Pfleglinge des Altersheims in Sontheim,

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