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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1926-06-16 · 6 (16.6.1926) · p. [Seite]

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— 113 — Wohnort Oberamt '«-hl dir 3fr. Selbständige Gemeinde Zugeteilt zu Roigheim Rottenburg Rottweil Neckarsulm Rottenburg Rottweil 1 8 97 Rottweil W Berlichingen Tübingen Salach Göppingen 2 Saulgau Saulgau 9 Schorndorf Schorndorf 4 Schramberg Oberndorf 4 Schwaikheim Waiblingen 1 Schwenningen Rottweil 6 Schussenrieo Waldsee 12 Sindelfingen Böblingen 4 Sontheim Heilbronn 59 Stetten Waiblingen 5 Stuttgart Stuttg.-Stadt 4201 Sontheim 39 Stuttgart Stuttgart' Buchau Gmünd Rottweil Stuttgart Rottweil Stuttgart Tailfingen Talheim Tübingen Tuttlingen Balingen Heilbronn Tübingen Tuttlingen Ulm 1 87 82 15 Talheim 41 Tübingen 42 Tübingen Rexingen Ulm 585 Ulm 43 - Wohnort Oberamt Zahl der Sir. Selbständig« „ . ... Gemeind- ^"geteilt zu Unterensingen Nürtingen 1 — Cannstatt Unter- Biberach 1 — Laupheim sulmetingen Untertürkheim Stuttg.-Stadt 5 — Cannstatt Vaihingen/F. Stuttg.-Stadt 2 — Stuttgart Laihingen'E. Baihingen 1 — Freudental Wachbach Mergentheim 9 Wachbach 44 — Waiblingen Waiblingen 9 — Cannstatt Wangen i.A. Wangen 7 — Buchau Weikersheim Mergentheim 35 WeikerSh. 4° — Weil im Dorf Leonberg 1 — Stuttgart Weinsberg Hetlbronn 22 — Affaltrack Wiesenbach Geradronn 15 Wiesenbach 46 — Wildbad Neuenbürg 9 — Horb WilhelmSdors Ravensburg 2 - - Winnenden Waiblingen 10 - - Zaberfeld Brackenheim 19 — Freudental Zuffenhausen LudwigSburg 22 — Stuttgart Zusammen 10766 Walther Rathenau Über Deutschtum und Judentum. Die Mutter Walther Rathenaus gibt im Verlag . von Carl Rechner nahezu 800 Briefe ihres großen Sohnes heraus. Diese Briefe umfassen Rathenaus ganzes Leben. Unter ihnen beansprucht der folgende Brief, der in der „Frankfurter Zeitung" veröffentlicht wird, besonderes Interesse. Er ist eist klassisches Bekenntnis eines Deutschen zum Judentum. ... Du dienst einer Aufgabe, die schon deshalb mir würdig und achtungwert ist, weil Du ihr dienst, und von der ich nie gefragt habe, ob sie mein Dasein fördern oder vernichten will, denn auf mein Dasein kommt wenig an. Diese Aufgabe scheint mir auf folgenden Vor» aussetzungen zu beruhen — wenn ich irre, so weise mich zurecht; aber ich glaube, in Deinen Blättern und Schriften die Bestätigung zu finden: 1. Stamm und Blut trennen. 2. Es gcht edleren und unedleren Stamm, edleres und unedleres Blut. 3. Das unedlere Blut hat auf deutschem Boden kein unbedingtes, unerschütterliches Heimatrecht. Ich nehme zu diesen Sätzen keine Stellung. Ich achte sie als ehrliche Meinung ehrlicher und guter Menschen, die überdies Deine Freunde sind und denen ich, weit über das Gebiet menschlichen Weinens und Deutens hinaus, die unberührte Empfindung deutscher Brüderlichkeit entgegenbringe. Aber ich erkenne diese Meinung nicht als die meine a n. Nicht, weil sie mein Dasein aufhebt — das ist kein Grund —, sondern weil mein Fühlen und Denken ihr widerspricht. Ich habe und kenne kein anderes Blut als deutsches, keinen anderen Stamm, kein anderes Volk als deutsches. Vertrecht man mich von meinem deutschen Boden, so bleibe ich deutsch und es ändert sich nichts. Du sprichst von meinem Blut und Stamm, selbst einmal von meinem Volk, und meinst die Juden. Mit ihnen verbindet mich das, was jeden Deutschen mit ihnen verbindet, die Bibel, die Erinnerung und die Gestalten des Alten und Neuen Testaments.. Meine Vorfahren und ich selbst haben sich von deutschem Boden und deutschem Geist genährt und unserem, dem deutschen Volk erstattet, was in unseren Kräften stand. Wein Vater und ich haben keinen Gedanken gehabt, der nicht für 4 Deutschland und deutsch war; soweit ich meinen Stammbaum verfolgen kann, war es das gleiche. Ich bin in der Kultgemeinschaft der Juden geblieben, weil ich keinem Borwurf und keiner Beschwernis mich entziehen wollte, und habe von bestem bis auf den heutigen Tag genug erlebt. Nie hat eine Kränkung dieser Art mich unwillig gemacht. Nie habe ich meinem, dem deutschen Volke, mit einem Wort oder einem Gedanken derlei vergolten. Mein Volk und jeder meiner Freunde hat das Recht und die Pflicht, mich zurechtzuweisen, wo er mich unzulänglich findet. Eine andere Frage aber ist es, ob ich rin Werk, das aus solchen Voraussetzungen ruht, zu dem meinen machen kann. Ich würde es tun, unbeschadet der Wirkungen, die es gegen mich übt, wenn ich die Voraussetzungen teilte. Ich teile sie nicht. Ich bin der Ueberzeugung, daß Glaube, Sprache, Geschichte und Kultur hoch über den physiologischen Dingen der Blutmischung schweben und sie ausgleichen. Ich glaube, daß die göttliche Seel« in jedem menschlichen Geiste schwebt und ihn emporträgt zu einer Schicht,

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