Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- I (1924-1925)
- Issue
- 10 (15.1.1925)
- Date
- 1925-01-15
- Page
- Seite 191 (sequence 1)
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Gemetndezettung für die LsraelilLschen Gemeinden Württembergs S« zng»pr«>»: «lnschllestlich e«ff<Ug«tt Ifitjrlldi 4 «Ottmark «Injclnammtr LI «ottpfennlg poststt,»<kNonto, 34t 59 Crfü|<int ffiltrUd) Mindesten» jroSlfmal Verlag: Israelitische verlagsaustalt <S. m. d. ks. Fernsprecher Z.-JL I33t9 (nnr |flr Dtrlagsabtlg.) Schrtfllettnag; Stadtrabdtoer vr. «leger, Stuttgart LliarloNenstrn-« 13. stnzelgenprel», dl« einspaltig« >/4 Xletn^il« oder deren Nmnn 30 «oldpsennig fnmMennnzelgen and klein« pnMgen dle NlelnzeU« to «oldpsennig Neklnwe 1.50 «Ottmark Sel wledertiolnngea Vergünstigung I. Jahrgang Stuttgart, '15. ssanuar 1??5 Nr. 10 Amtliche Bekanntmachungen. Israelitischer Oberrat. Stuttgart, 9.1.25. Betreff: Wanderbibliothek. Zur Begründung einer Wanderbibliothek für die Rabbiner und Lehrer des Landehat der Oberrat am 18. Dezember v. I. für daS Rechnungsjahr 1924/25 einen Betrag von M. 300.— bewilligt. Diese Bibliothek soll alle Neuerscheinungen auf pädagogischem Gebiet umfaffen. Die Bücher sollen vom Sekretariat des Oberrats den Rabbinern und Lehrern gebührenfrei zugesandt werden. Die Weitersendung, die nach einer in den Büchern vermerkten Reihenfolge zu erfolgen hat, geschieht auf Kosten der Benützer der Bibliothek. Der Oberrat hat als Kommission für diese Bibliothek die Herren: Stadtrabbiner Dr. R i e g e r - Stuttgart, Bezirksrabbiner Dr. Berlinger - Hall, „ Dr. Beermann -Heilbronn u. Oberlehrer Rothschild- Eßlingen ernannt, denen besonders die Auswahl der zu beschaffenden Bücher übertragen worden ist. Nördlinger. Der Ruf nach einer neuen Religion. Bei dem Zusammenbruch der Gegenwartskultur find auch die Quellen der Religion verschüttet worden. Eine lange Zeit schien es, als ob die Menschheit diesen Verlust kaum empfände. Heute mehren sich die Stimmen, welche dazu aufrufen, die verschütteten Quellen wieder freizulegen. Einer der edelsten Rufer ist der Vorsitzende der amerikanischen soziologischen Gesellschaft, der Professor der Universität Columbia Dr. Charles A. Ellwood, dessen Mahnruf soeben in der Übertragung von B. L. Frank-Wien im Stuttgarter Verlag W. Kohlhammer deutsch erschienen ist.*) Ellwood ist der Überzeugung, daß die foziale Frage durch Wissenschaft und Erziehung allein *) Ellwood, zur Erneuerung der Religion, Stuttgart 192», gebunden Mk 5.—. nicht lösbar ist, daß es dazu als dritter Grundkraft der Religion bedarf, allerdings einer Religion, die dem Verstand sein Lebensrecht zugesteht. Will diese Religion am Aufbau des neuen Lebens Mitwirken, so muß sie ein soziales Programm und nicht nur ein theologisches haben. Sie muß aller Unmoral und Ungerechtigkeit des alten Wirt- - schaftSsystemS entgegentreten und mutig eine dem neuzeitlichen Bedürfnis entsprechende Gesellschaftsordnung fordern. Der Soziologe spricht mit dieser Forderung eine Selbstverständlichkeit aus. Das gilt aber für seine eigentliche Grundforderuny nicht, daß die neue Religion eine wissenschaftlrch unanfechtbare Grundlage und Begründung haben soll. „Eine Religion, die mit den modernen Wissenschaften nicht im Einklang steht, kann in Zukunft unmöglich die Religion der denkenden Schichten bleiben" (S. 14). „Wenn Religion nichts ist als Unterwerfung unter das Mysterium, dann ist ihr Schicksal besiegelt. Wenn sie der Ausdruck des Schreckens oder der Furcht ist, so ist das nicht genug für die denkende Vernunft. Wenn daS Denken die Oberhand gewinnt, dann muß die Religion nicht allein dem Heiden, sondern auch dem Geist genügen" (S. 18). Mit diesem Verlangen steht Ellwood in erklärtem Gegensatz zu der gesamten christlichen Theologie der Gegenwart. Diese lehnt Neuerscheinungen wie die Religionsphilosophie A. Görlands fast einstimmig - ab. Die religionsphilosophische und religionspsychologische Arbeit von Otto, Max Scheler, Scholz und Johanne» Hessen (die Religionsphilosophie des Neukantianismus, 2. Auflage, Freiburg 1924) und die theologische Dogmatik der Barth. Gogarten-Gruppe, Wilhelm Herrmanns (Dogmatik 1924) und Martin Rade» (Glaubenslehre 1924) weisen die neukantische rationale und deduktive Methode der Religion»- begründung, welche die Religion unter philosophische Maßstäbe zwingt, entschieden ab. Sie fordern die absolute Selbständigkeit und die starre Beibehaltung deS TranScendenzansprucheS der Religion und erklären rundweg die Unvereinbarkeit deS Christentummit rationaler Philosophie. Ihnen steht über aller Philosophie die intuitive I