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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1924-12-15 · 9 (15.12.1924) · p. Seite 154

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
I (1924-1925)
Issue
9 (15.12.1924)
Date
1924-12-15
Page
Seite 154 (sequence 4)
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— 154 - 143 Märtyrer von Heilbronn. Während das Sontheimer Memorbuch von einem Martyrium der Tontheimer Juden nichts meldet, nennt das Märtyrerbuch von Charleville ausdrücklich unter den Märtyrergemeinden des Jahres 1298 Sontheim, ohne die Märtyrer des Ortes selbst anzugeben. Während der furchtbaren Judenverfolgung des Jahres 1348—1349, der fast alle württembergischen Gemeinden zum Opfer fielen, nahm der Sontheimer Ortsgeistliche die dortigen Juden unter seinen Schutz. Noch heute erhält der jeweilige katholische Ortsgeistliche am NeujahrStage drei Gulden als Dankesgabe der Gemeinde überreicht. Bis an die Schwelle des 18. Jahrhunderts fehlen dann Nachrichten über die Sontheimer Juden. Erst das im Jahre 1732/33 geschriebene Memorbuch bietet uns wieder Mitteilungen über die dortigen Juden. Nach der Nachschrift des Memorbuches vom 17. Schebat 5502 (1742) ist dieses wertvolle Memorbuch von dem dortigen Vorbeter Meir den Salman aus Redwitz bei Bamberg geschrieben worden. Es nennt auf Seite 14 den Erbauerder Sontheimer Synagoge Wolf, Sohn des Simchah Josef, der am 18. Siwan 462 (1702) in Sontheim verstorben ist. Es rühmt besonders Isaak (Israel) den Abraham, der sich um die Gemeinde (wohl als Gemeindevorsteher) bemüht hat und durch sein Wohltun weit und breit bekannt war. Er ist am 18. Schebat 460 (1700) gestorben. Am Freitag, den 10. Cheschwan 482 (1721) starb hier der Rabbiner Jehuda bar Jsaac aus Lehren (Lehrensteinsfeld). Ueber die wirtschaftliche Lage der Juden berichtet ein Erlaß des Vogtes von Flein, der 1729 den Juden von Sontheim und Talheim den Diehhandel mit Bürgern von Flein verbot (Paul Fähnle, Geschichte des Herrendorfes Flein S. 329). Ihre wirtschaftliche Lage war durch die Judengesetze des Heilbronner Stadtmagistrates sehr erschwert. Michael Moyses und Marx Manafie aus Sontheim baten am 16. April 176ä den Heilbronner Magistrat um eine Herabsetzung des üblichen Judenleibzolls von je 12 Kreuzern. Marx Bitte wurde bereits am 20. April abschlägig beschieden. Dagegen wurde Michael Moyses der Leibzoll am 20. Juli 1763 ganz erlafien. Am 22. Januar 1771 bat Moyses um die Umwandlung des Leibzolls in eine feste Jahresabgabe, Die Protokollbücher der Gemeinde beginnen erst mit dem 19. Februar 1826. Sie sind seit dem 25. Dezember nur noch deutsch geschrieben. Eine freiwillige israelitische Konfessionsschule hat in Sontheim fast ein Jahrhundert bestanden. Bis 1835 versah Vorsänger Löwentha! den Gottesdienst und die Erteilung des Religionsunterrichts. Als Amtsverweser trat 1836 Lehrer Jakob Stern aus Laudenbach O.A. Mergentheim an seine Stelle. Am 15. Februar 1840 wurde ihm die Stelle als Konfessionsschullehrer und Vorsänger übertragen. Er hatte sie bis zum 31. März 1881 inne. Sein Nachfolger wurde Max Haymann aus Mühlen O. A. Horb, der bis zum 1. Oktober 1887 die Stelle bekleidete. Mit dem 5. Oktober 1887 wurde der in Tahlheim amtierende AmtsverweserMax Eichberg als Lehrer und Vorsänger nach Sontheim berufen, bis er alsHauSoaterderWaisenanstalt„Wilhelmspflege" nach Eßlingen^ übersiedelte. Sein Nachfolger ist der Verfasser dieser Zeilen. Er ist der letzte hiesige Lehrer, da die Schule am 1. April 1924 von Amtswegen aufgehoben wurde. In Gemeinschaft mit den Gemeinden Horkheim und Talheim wurde im Jahre 1840—41 auf Sontheimer Gemarkung ein gemeinsamer Friedhof angelegt, der von der Sontheimer Gemeinde verwaltet wird. Die Errichtung des Landesasyls „Wilhelmsruhe" im Jahre 1907 machte 1911-12 eine Erweiterung dieses Friedhofs nötig. Im Jahre 1910 wurde die Synagoge von Grund aus renoviert. Aus Sontheim stammen Männer wie Neumann, Stern, Israel und Wolf, die es verstanden haben, sich zubedeutendenGroßkaufleuten uud Fabrikanten emporzuarbeiten. Hier ist auch am 26. September 1814 Michael Güldenstem geboren, der von 1841—1861 als Buchauer Rabbiner segensreich gewirkt hat. Sein Bruder ist der hier am 3. Januar 1822 geborene Bildhauer Albert Güldenstein, Vereinsnachrichten. Die„Deütsche Nothilfe" veranstaltet in der Woche vom 14. bis 21. Dezember eine Opferwoche für die Wohlfahrtspflege. Es sollen in dieser Woche die von der Deutschen Nothilfe herausgegebenen Wohlfahrtsbriefmarken abgesetzt werden. Diese Marken werden zum vierfachen Betrag des Frankaturwertes verkauft. Es sind Marken zu 5, 10, 20 und 50 Pfennigen, die für jede Korrespondenz verwendet werden können. Wir fordern die Stuttgarter Gemeindemitglieder auf, die Wohlfahrtsbriefmarken nur bei der Geschäftsstelle des Jsr. Fürsorgeamtes zu beziehen, da der jüdischen Wohlfahrtspflege die Hälfte der Spenden zufließt. Spenden, die bei den Postanstalten eingehen, werden nach Berlin abgeführt. Wir bitten alle jüdischen Gemeinden in Württemberg die Wohlfahrtsbriefmarken bei der Geschäftsstelle des L. I. W. (Hospitalstcaße 36) unter Einsendung der Beträge (Postscheckkonto 16985) anzufordern. Die Briefmarken behalten ihre Gültigkeit; nicht abgesetzte können bis 26. Dezember zurückgesandt werden. Jsr. Fürsorgeamt Landesverband f. Jsr. Wohlfahrtpflege Hosptlalstr. 36 Fernsprecher 22838

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