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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1924-11-15 · 8 (15.11.1924) · p. Seite 139

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
I (1924-1925)
Issue
8 (15.11.1924)
Date
1924-11-15
Page
Seite 139 (sequence 23)
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ein Freund der Armen. Er hinterließ seinen Kindern als Segen den Wunsch, daß fie immer Bettler bleiben sollten. Juden und Nichtjuden stand er zur zur Seite. Dalernte er, wie er sagte, von Gott. „Beten wir doch täglich: Denn Du erhörst die Gebete jedes Mundes", und Gott kennt keinen Unterschied zwischen Mensch und Mensch." Einmal am Freitagabend sang Rabbi Meier daS Lied, mit dem er die Friedensengel des Sabbaths grüßte. Mitten im Singen hörte er auf und versank in Sinnen. Es dauerte lange, bis er erwachte. Man fragte ihn, wo er so lange geweilt, und der Rabbi erzählte: „Ich gab den Wochentagsengeln das Geleite bis zu den Pforten des Paradieses. Ich blickte hinein: Da stand ein schwerer Lastwagen, mit zwei Pferden bespannt, die ein Fuhrmann antrieb, wobei er laut mit der Peitsche knallte. Ich war erstaunt. „Was hat ein Fuhrmann mit Wagen und Pferden im Paradiese zu schaffen?" Da sagten mir die Engel: „Kennst du nicht Reb Israel, den Fuhrmann? Er ist bei Lebzeiten ein arger Sünder gewesen. Aber eine gute Tat hat ihm die Pforten des Himmels erschloffen." An einem Wintertage fuhr Reb Israel mit mehreren Fremden nach Sokal. Die waren in warme Pelze gehüllt und saßen mollig im Innern des gedeckten Schlittens. Der Fuhrmann aber schritt wie ein rechter Fuhrmann durch Sturm und Frost neben dem Schlitten. Da stieß sein Fuß an etwa- Hartes. Der Fuhrmann bückte sich. ES war ein totenstarrer Mensch. Da rieb er den leblosen Körper mit Schnee, goß ihm Branntwein in den Mund, dann hüllte er ihn in seinen eigenen Pelz und legte ihn auf den Schlitten. Der Erfrorene kam wirklich wieder zu sich! und erzählte, daß ihn der Wintersturm überrascht, wie er zu seinem Rabbi nach Belz gepilgert. Natürlich verstand der Fuhrmann nichts davon, was das bedeutete: zum Rabbi zu wandern, und er lachte unbändig über den armen Choffid, der im warmen Pelze zähneklappernd datag und Gott dankte und seinen Retter segnete. Sie kamen an da- Wirtshaus, wo der Fuhrmann zu übernachten pflegte. „Heute müßt ihr mir eine doppelte Portion bringen, Wirt, denn ich bringe euch einen feinen Gast mit." Und weil! det arme Choffid keinen Groschen besaß, ließ i ihm der Fuhrmann auf seine Kosten eine Mahlj zeit bringen. Am Morgen dankte ihm der Arme! mit viel guten Wonen. Er wollte nun zu Fuß zu seinem Rabbi weiter wandern. Da sprach der Fuhrmann: „Du hältst mich wohl für einen Narren? Ich sollte einen solchen Dummkopf allein wandern lasten? Du machst mir noch die Dummheit und erfrierst noch einmal. Flink in den j Wagen rein! Ich bringe dich zu deinem Rabbi!" Johannes Kauffmann bei der Stiftskirche - Tel. 9400/01 BE K >ff empfiehlt | Lebende: Karpfen, Schleien, ( l Hechte, Forellen I Frische Blaufelchen Feines Tafel -Geflügel Rehwild, WildgeflOgel Alle. Saison - Delikatessen flügel, Pianos, Harmoniums Spredimasdiinen Hur Qualität und Tonsdiönheit! malige Prelle und coulante Bedienung Beclditlgung ohne Kaufzmang finden Sie im Musik-Instrumenten-tag er C. Stockfisch, Stuttgart CDbingerstr. 77 Telefon Itr. 707 99 & Puppen- und Spielwaren SCHAAL

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