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Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs · 1924-11-15 · 8 (15.11.1924) · p. Seite 136

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Journal
Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
Volume
I (1924-1925)
Issue
8 (15.11.1924)
Date
1924-11-15
Page
Seite 136 (sequence 20)
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Er kaufte ihm alle die heiligen Bücher und sorgte, daß keiner ihn beim Lernen störte. Einst fuhr der Jüngling mit dem Vater über Land. Sie waren lange durch den dunklen Wald gefahren. Wie durch ein Wunder hielt der Wagen an einem kleinen Häuschen. Ich weiß nicht, wie es kam: der Jüngling stieg aus dem Wagen und trat an das kleine Fenster des Häuschens und starrte in das trübe Licht, das seine Schatten auf die Straßen warf. „Vater, hörst du die -Stimme?" fragte der junge Mann den Alten. „Ich höre nichts^ mein Sohn". Da fragte der Jüngling den Fuhrmann, wer in dem Hause wohnte. „Es ist ein armer Wasterträger", erklärte der Fuhrmann. Da gab sich der Jüngling zufrieden, stieg in den Wagen zum Vater und fuhr mit ihm heim. Zu Hause aber dachte er immer an die wundersame Stimme, die er damals gehört. Sein Herz verzehrte sich in Sehnsucht nach dem geheimnisvollen Klang. Aber er schämte sich, dem Vater von seiner Sehnsucht zu erzählen. Schließlich aber mußte er es dem Vater sagen, daß er nicht früher Ruhe fände, als bis er den Wasserträger im einsamen Häuschen kennen gelernt. Der Vater konnte nicht fasten, was sein Sohn ihm da sagte. Aber weil er spürte, daß seines Kindes Herz an der Erfüllung dieses Wunsches hing, sprach er: „Wir fahren hin". Gesagt, getan! Kaum waren sie aber aus dem Hause, da brach die Wagenachse, und sie mußten daheim bleiben. Sie spannten das Pferd vor einen neuen Wagen. Da stolperte das Pferd und brach das Bein, daß sie zu Fuß umkehren mußten. Das dritte Mal ging es bester. Bis an die Brücke ging die Fahrt. Da stürzte die Brücke ein, und sie konnten nicht über den Fluß. Da sprach der Vater: „Es ist scheinbar nicht der Wille des Himmels, daß du hinfährst." Fast eine Woche schwieg der Sohn. Aber die Sehnsucht kam über ihn wie ein Wettersturm über den willenlosen Baum. „Vater, ich sterbe vor Sehnsucht". Da ließ der Vater anspannen, und sie fuhren bis zum Gasthaus, in dem sie übernachten wollten, um am nächsten 136 — Morgen zu dem Häuschen weiter zu fahren. Im Gasthaus war ein Kaufmann, mit dem eS sich ganz angenehm plaudern ließ. Der Zufall wollte es, daß er aus dem Orte war, zu dem daS Häuschen des Wasterträgers gehörte. Noch mehr, er kannte den Wasserträger ganz genau, weil er ihm täglich Master brachte. Da verriet der Vater dem Kaufmann, daß sie zu eben diesem Wafferträger reisen wollten. Da lachte der Fremde hell auf: „Ihr wollt zu diesem Narren?" und machte sich weidlich über ihn lustig. Der Sohn hörte die Worte des spottlustigen Kaufmanns, aber seltsani: seine Sehnsucht wurde nur noch tiefer, daß sie wie ein Feuer in ihm brannte. Da sprach der fremde Kaufmann: „Ich warne euch vor der Reise; ein Schneesturm liegt -in der Luft; ich \ glaube nicht, daß ihr vorwärts kommen werdet." Der Kaufmann aber war der Satan, der eS mit aller Kraft verhindern wollte, daß der Jüngling zu dem Wasterträger kam. Am nächsten Morgen ward der Wagen in aller Herrgottsfrühe angeschirrt. Ein furchtbarer Sturm tobte über die Steppe, daß sich die Fichten am Wege ächzend beugten. Dastimmteder Jüngling das Sehnsuchtslied König Salomos, das Hohelied an. Denn er wußte plötzlich, daß er m jener geheimnisvollen Nacht durch das Fenster die süßen Klänge dieses Liedes erlauscht. Und da er sang: „Der Wintersturm ist vorüber, die Blüten leuchten am Boden, die Zeit des Sanges ist wiedergekommen", da schwieg der Sturm, und wie im Fluge ging die Fahrt zum Häuschen des Bettlers. Der aber stand grüßend vor seiner Tür: „Warum kommst du erst heute? Ich habe dich schon lange erwartet." Da ging ein Sonnenleuchten über die Augen des Jünglings. Die Sehnsucht war Seligkeit geworden, und er wußte, daß das Schicksal ihn begnadet: Denn der Wasterträger war einerdet sechsunddreißig Gerechten. 2. Der Fuhrmann im Himmel. Rabbi Meier von Przemysl in Ostgalizien, der in der Mitte des 19. Jahrhunderts starb, war ein derber Phantast, ein fröhlicher Asket und sauuuuinniuiAnAJinnmuuuinAiuwuuinnnnAnnftnnrinnAiuuuuiiuuuuuuuviAJUiAAiinAfuuuB V. Künckerfuß, ptanofortelager : Stuttgart Gegründet 1*32 Kan^leiftrnß« 1* flügel piamnos fjarmonium filleiavertreter von: C. Sechstel». J. Stüttzuer, Steturvag & Sons Srotrtou-Lteiurveg, Ttzürruer n.n.m. „XDcltc>mignoii‘' vollendeter Ranstspielapparot Miet-Iustrurueate. Sttnunnagen, Umtausch, Reparaturen Reichhaltiges Lager tu Sprechmoschiueu jeder Preislage: „Grmuola". MT>Of" ltslv. Platten, fillnun, Nadeln *■»

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