Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- I (1924-1925)
- Issue
- 3 (15.6.1924)
- Date
- 1924-06-15
- Page
- Seite 36 (sequence 4)
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’mmmm Beiträge zur Geschichte der Juden in Württemberg. Die Geschichte der Juden in Rexingen. Die israelitische Gemeinde in Rexingen gehört nicht zu den alten Judengemeinden Schwabens. Juden habeg sich hier verhältnismäßig spät angesiedelt. Sie verdanken ihre Aufnahme dem Johanniterorden. In Hemmendorf, das mit Rexingen von einem Kommentur regiert wurde, werden bereits 1621 drei Juden, Gußmann, Leo und Liebmann, erwähnt. Dagegen ist das älteste Aktenstück, das sichere Kunde von der jüdischen Siedelung in Rexingen gibt, das in der Rathausregistratur aufbewahrte „Fleckenbuch" vom Jahre 1748, das von Seite 23 b bis 24 b als Hausbesitzer elf Juden: Liebmann, Leopold Abraham, Bär Gideon, Speritz Gideon, Jakob Veit Löwengart, Salomon Jäkel, Abraham David, Liebmann Isaak, Isaak Abraham, Wolf Isaak und Salomo Simon nennt- Etwa zur gleichen Zeit, im Jahre 1751/52, wurde die 1835 abgebrochene Synagoge gebaut, deren in das Gemeindehaus eingebauter Portalstein noch heute erhalten ist. Acht Jahre später, im Jahre 1759/60 konnte die Gemeinde, die ihre Toten bis dahin in Möhringen bestattet hatte, einen eigenen Friedhof erwerben. Etwa gleichzeitig wurde das Gemeindehaus gebaut und das Frauenbad angelegt. Woher die ersten- Juderl nach Rexingen eingewandert sind, ist heute schwer nachzuweisen. Rach einer alten Familienüberlieferung stammt die Familie Levi aus Hohenems in Vorarlberg, woher auch die Familie Hohenemser nach Haigerloch eingewandert ist. Der Ursprung der Familie Löwengart weist aus Hechingen, wohin sie aber gleichfalls aus, Hohenems eingewandert ist. Die Familien Lemberger und Preßburger haben in ihren Namen die Erinnerung an ihren Ursprungsort bewahrt. Die Familie Löwenstein scheint ebenfalls aus Polen- oder Ungarn zu stammen. Möhringen ist die Heimat der Hirschfelder, während die Neuburger aus Schwandorf (OA. Nagold) eingewandert sind. Die Neckarsulmer, Straßburger und Zürndorfer haben in ihren Namen die Erinnerung an ihre Herkunft bewahrt. Der' Stammvater der Zürndorfer war der 1780 als „Pprsinger" in Rexingen aufgenommene Marx W»lf Zirndorf. Sein Nachfolger KönigSberger, der! am l.Mai 1823 fein Amt antrat, das er bis^I869 innehatte,kam aus Weikersheim. Auch die Ottenheimer stammen von einem Kultusbeamten ab, der hier in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wirkte. Aus Endingen in der Schweiz kam 1801 Emanuel Bickart hierher. Ohne Zweifel bestehen Zusammenhänge zwischen den Gideon in Rexingen und denen in Mühlen und Nordstetten. Ueberlieferung läßt die Familie 36! I I WM WM von den Gideon in Hochberg (OA. Waiblingen) abstammen. Die Familie Schwarz ist um 1790 aus Möhringen hierher übergesiedelt. Interessant ist, daß die Rexinger Juden bereits 1780 von der politischen Gemeinde Rechte forderten. Auf Grund ihres Schutzbriefs forderten sie Anteil an der Gemeindenützung des Weidgangs. Als die Gemeinde ihnen verbot, ihre Ziegen und Rinder auf die Allmendewiesen zu schicken, beschritten sie den Klageweg. Der Prozeß wurde erst 1803 durch ein Urteil des Kaisers in Wien zu Gunsten der Rexinger Juden entschieden. 1823 wurde der alte Talmud-Thora-Verein und der Psalmenverein, zwei Vereinigungen zur Pflege des ererbten Schrifttums, von neuem ins Leben gerufen. Als talmudisch gebildete Männer galten damals der „fromme" Salomon Gideon, Baruch und Jesajas Straßburger und Chaim Ottenheimer. Etwa gleichzeitig wurde auf Georgii 1824 die israelitische Volksschule zur selben Zeit wie die in Möhringen und in Baisingen begründet. Ihr erster Lehrer war der in Hechingen und Eßlingen vorgebildete Isaak Bickart, der Sohn des Emanuel Bickart, der am 15. Mai 1802 in Rexingen geboren war. Er versah sein Amt bis zu seiner 1869 erfolgten Zuruhesetzung. Er war seit 1832 auch der Vorsänger der Gemeinde gewesen. Bereits 1837 verlangten die Rexinger Juden ebenso wie die Mühringer und Laupheimer die Uebernahme ihrer Volksschullasten auf die politische Gemeinde. Als der Gemeinderat die Uebernahme ablehnte, übertrugen sie die Vertretung ihrer Jntereflen dem bekannten Parlamentarier Rechtskonsulent Friedrich Römer in Stuttgart, der 1841 ihren Rechtsanspruch, in dessen Verteidigung sie vom Bezirksrabbiner Dr. Wassermann in -Möhringen bestens beraten wurden, siegreich durchführte. Die politische Gemeinde beruhigte sich aber bei dieser Entscheidung des Rechtsstreites nicht. Sie hielt sich für berechtigt, dem katholischen Lehrer 275 Gulden Gehalt, dagegen Bickart nur 200 Gulden zu bezahlen. Das israelitische Kirchenvorsteheramt ließ sich diese Zurücksetzung ihres Lehrers nicht bieten. Es kam wieder zu einem Rechtsstreit, der schließlich dahin entfflneden wurde, daß Bickart auh öffentlichen Mitteln 250 Gulden erhielt, zu denen die israelitische Kirchenpflege noch 25 Gulden hinzuzahlen mußte, weil Bickard auch Kirchendienst versah. Im Revolutionsjahre 1848, drangen Bürgerhaufen in das Schulhaus ein und verjagten den israelitischen Lehrer aus seiner Amtswohnung. Diese Ausschreitungen trugen aber einen rein politischen und keinen antisemitischen Charakter. War doch der Hauptmann der Rexinger Bürgerwehr der Jude David Gideon, der auf seinem