Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Journal
- Gemeinde-Zeitung für die israelitischen Gemeinden Württembergs
- Volume
- I (1924-1925)
- Issue
- 1 (15.4.1924)
- Date
- 1924-04-15
- Page
- Seite 8 (sequence 8)
- Belongs to
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Zur Abwehr. WaS ein deutscher Jude wisse« muß. 1. Ein deutscher General über die jüdischen Soldaten. „Wir wollen nicht vergessen, daß Tausende von Juden als Freiwillige zu den Fahnen geeilt sind, daß Tausende für ihr Vaterland den Heldentod gestorben und Tausende zu Krüppeln geworden sind. Die Juden meines Armeekorps haben sich ebenso brav geschlagen wie ihre christlichen Kameraden und manchem von ihnen konnte ich das Eiserne Kreuz verleihen... Die Judenhetze seht unser Ansehen im Auslände herab, erschwert den Wiederaufbau unseres Vaterlandes und schädigt so die Interessen der Gesamtbevöl-kerung. Sie ist eines Kulturvolkes unwürdig, und jeder Deutsche muß dies auf das Entschiedenste verwerfen." (General v. Teinling in .Deutscher Geist und Judenhaß"). 2. Sind die Juden Drückeberger? In Deutschland gab es nach der letzten Volkszählung 550000 deutsche Juden. 85000 Juden waren Kriegsteilnehmer, das sind 15,3 Prozent. Unter ihnen waren 12 Prozent (10000) Freiwillige, 78 Prozent waren ander Front, 12 Prozent sind gefallen. 35 Prozent wurden dekoriert, 2,4 Prozent wurden Offiziere. 3. Woher stammen die „Geheimnisse der Weisen von Zion"? Die Hauptquelle der Fälschung ist eine Ende der 60 er Jahre des 19. Jahrhunderts von dem Pariser Advokaten Joly gegen die Weltherrschaftspläne Napoleons lll. verfaßte Schrift, in der keine Zeile für oder gegen die Juden steht Die Fälscher (das Buch ist 1905 in Rußland zusammengestellt mordest) haben die Pläne Napoleons durch die angeblichen Weltherrschaftspläne der Juden „ersetzt". I » Schafft eine „Darlehenskaffe auf Gegenseitigkeit"! Eine Folge der furchtbaren Verarmung Deutschlands ist es, daß es den Gewerbetreibenden und den kleinen Kaufleuten fast unmöglich ist, sich einen bescheidenen Kredit zur Erhaltung ihrer Betriebe und zum Einkauf ihrer Waren zu verschaffen. Da sie nur in Ausnahmefällen imstande sind, eine einwandfreie Sicherheit für die benötigten Kredite zu beschaffen, sind zahlreiche Existenzen in Stadt und Land ernstlich gefährdet. Es handelt sich um ehrenwerte vertrauenswürdige arbeitswillige Menschen, die ohne Kredithilfe mit ihren Familien der völligen Verarmung und damit der allgemeinen Wohlfahrtsfürsorge anheimfallen. ' Es ist eine ebenso ernste Erscheinung, daß es! begabten Kindern immer seltener möglich wird, | ein Studium zu beginnen, eine Kunst zu erlernen, sich beruflich weiterzubilden. Die Eltern wagen es nicht, ihren Kindern eine höhere Ausbildung zu vermitteln, da sie nicht wiffen, ob es ihnen möglich sein wird, das Begonnene durchzusetzen. t Und eine dritte Erfahrung ist 'nicht weniger be-. unruhigend: es fehlt unseren jungen Künstlern, Technikern und sonstigen Akademikern zumeist an den Mitteln, sich nach Abschluß ihrer Studien bis zur Sicherung des eigen en Erwerbes zu erhalten. Die Juden Württembergs haben für alle Notstände vorbildlich vorgesorgt, Hier aber klafft eine breite Lücke, di« allerdings nicht an einem Tage ausgefüllt werden kann, mit deren Überbrückung aber doch einmal ernstlich begonnen werden muß. Das Werkzeug zur Beschaffung der Kredithilfe ist eine Darlehenskaffe auf Gegenseitigkeit. i Die Schaffung einer solchen Darlehenskaffe ist bei gutem Willen sofort möglich. Wenn sich etwa eintausend Personen in unserem Lande bereit erklären, eine jährliche Einlage von je zehn Mark zu leisten, und in den folgenden Jahren die gleiche Einzahlung wiederholen, so kann die Darlehenskaffe bereits im nächsten Jahre ihre Tätigkeit beginnen, die darin besteht, Darlehen bis zur vorläufigen Höhe von eintausend Mark gegen Sicherheit oder Bürgschaft bei einer mäßigen Verzinsung zu gewähren. Der Darlehensnehmer verpflichtet sich zu einer Tilgung des Darlehens in monatlichen Teilzahlungen. Falls er mit einer Teilzahlung im Rückstand bleibt, tritt die Bürgschaft in Kraft, so daß erfahrungsgemäß mit geringen Verlusten zu rechnen ist. Die Einzahlungen des ersten Jahres bilden den unangreifbaren Reservefonds. Die Einleger sind Mitglieder der Darlehenskasse, die ihre Einlage verzinst erhalten und nach drei Jahren zurückfordern können. Die eingelegten Gelder werden von einer Bank oder einem Vertrauensvorstand nutzbringend angelegt. Der eventuelle Nutzen wird dem Reservefonds zugeführt; dasselbe geschieht mit den Verzinsungen derjenigen Einleger, die auf sie Verzicht leisten. Das Fürsorgeamt der israelitischen Gemeinde Stuttgart, das ja zugleich die Geschäftsstelle des Landesverbandes für die jüdische WohlfahrSpflege in 'Württemberg (L. j. W.) ist, ist die gegebene Stelle, welche die Verwüstung der eingelegten Gelder und die Begebung von Darlehen nach Begutachtung durch die zu strengstem Stillschweigen verpflichteten Vertrauensmänner am Wohnort des Darlehensnehmers leitet. In den ersten Jahren werden die Leistungen der Darlehenskaffe natürlich sehr bescheiden sein, und die Verwalter werden darauf achten müssen, daß die höchste Darlehenssumme von Eintausend Mark anfänglich nicht oder nur selten gewährt wird. Aber schon nach einem Jahrzehnt ist die Kaffe durch die'Einlagen und Rückzahlungen so gestärkt, daß sie dem Geldbedürfnis der Darlehensnehmer vollauf entsprechen kann. t ■ I ii n i. ----- iauüiMitt!