Mannheim
Compact Memory

Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz · 1938-10-01 · 2 (1.10.1938) · p. [Seite]

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
Volume
2 (1938 - 1939)
Issue
2 (1.10.1938)
Date
1938-10-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/4903956-4931896-4932078--135-4904077
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

2 entity mentions

\ * - Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz Organ des Verbandes der israelia tischen Kultusgemeinden der Pfalz A Herausgeber: Verband der israel. Kultusgemeinden der Pfalz, Vr Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reichsministers für Landau/Pfalz. Verlag: Heinrich Wildmann, Philippsburg. /O^^^ Volksaufklärung und Propaganda betr. Ueberwachung der Verantwortlich f. d. Inhalt: Kurt Metzger, Landau, Glacisstr.9 ^^^r^^. geistig und kulturell tätigen Juden im deutschen Reichsgebiet Erscheint monatlich 1. Oktober 1938 / ByiP *HW1 1 DT 2. Jahrgang / Nr. 2 An die Juden in Deutschland! Zehntausende von Juden verlassen das Land. Viele jüdischen die sie abschlössen, bewahren. An der Schwelle eines neuen Gemeinden in Deutschland sind in der Auflösung. jüdischen Jahres ruft der Keren Kajemeth Lejisrael zu einem Aber sie sollen nicht vergessen werden. Wir wollen für komschönen und großen Werk: mende Geschlechter das Gedächtnis an diese lange und ereignis- Die Juden Deutschlands und ihre Gemeinden sollen sich schwere Epoche jüdischer Entwicklung und auch an die Letzten, in ein „Buch der Erinnerung" — Sefer Sikaron eintragen und gleichzeitig damit die Mittel für die Erlösung des bewahrt und zugleich ein in die Zukunft weisendes Werk ge¬ Bodens schaffen, auf dem eine neue Siedlung von Juden aus schaffen wird. Deutschland in Erez Jisrael stehen soll. Sie wird den Namen Wir treten diesem Plan, der würdig in seiner Absicht und Tel Sikaron — ,,Siedlung deS Gedenkens" kraftvoll in seinem Ziel ist, freudig bei und machen uns die tragen. Tel Sikaron - Siedlung des Gedenkens - soll der Ausdruck Forderung die der Keren Kajemeth Lejisrael aus diesem Anlaß einer gemeinsamen Kraftanstrengung sein, durch die Vergangenes an die Juden Deutschlands richtet, zu eigen. Reichsverband der Juden in Deutschland Dr. Leo Boeck Dr. Otto Hirsch Vorstand der jüdischen Gemeinde Berlin Zionistische Vereinigung für Deutschland Heinrich Stahl R. A. Benno Cohn; Dr. Hans Friedenthal Verband der israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz \ Kommerzienrat Albert Joseph Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde Landau Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde Kaiserslautern Artur Schwarz Justizrat Dr. Blüthe Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde Pirmasens Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde Speyer/Rhein Moritz Meyer Albert Mühlhauser Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde Ludwigshafen Verwaltung der israelitischen Kultusgemeinde Zweibrücken Professor J. Koburger Siegfried Schönfrank Nicht die Schlange tötet, sondern die Sünde tötet 1 von Rabbiner Dr. S. Le vi» Mainz. itdö worin fc&i rroo ITT» PN wn ^be,n wollenjSündc ,ist die £ige ^sigMeit> S divmacng!!h.afte' ' i, . die Essige oder unterlassene Tat. Die Menschen des Städtchens ..Seht meine Kinder, nicht die Schlange tötet, sondern die waren ängstlich vor der Schlange geflohen, keiner hatte gewagt, die Sunde tötet 1" Dies ist ein Wort, das wir im Talmud (Berachot 33a) entschlossene Tat zu vollbringen, sie waren tausend Aengste vor finden. Gesprochen hat es der Schüler des Rabbi Johanan ben dem Schlangenbiß gestorben, statt zu stehen und zu handeln. Sakkai, Rabbi Chanina ben Dosa und er hat es auf eine besonders Lässigkeit und Unvollkommenheit des Tuns ist Sünde und diese eindringliche Weise gesagt. Rabbi Chanina, wegen seiner tiefen Sünde ist tödliches Gift. Frömmigkeit in seiner Zeit von allen Kreisen ehrfürchtig geschätzt In ernster Zeit unseres jüdischen Jahres, an den ehrfurcht* und geliebt, galt geradezu als ein Vollbringer übermenschlicher ErV gebietenden Tagen, den Festen unserer 'Selbstbestimmung folge. Sein Gebet tat Wunder und mehr als einmal hat man sein für« und Umkehr, sind wir Juden aufgerufen, die Unzulänglichkeit un.' sprechendes Gebet erfleht, wenn es galt, die Genesung Schwer« seres Seins zu erkennen und uns in ernster Selbstprüfung über uns kranker zu erwirken. Und doch war Rabbbi Chanina ben Dosa zu ergehen; wir sind aber leicht der Versuchung ausgesetzt, die weniger ein Mensch der Worte als ein Mensch der Tat. Er hat Unzulänglichkeit von unserer Verantwortung abzuwälzen. Wir uns ja auch in den Pirke Aboth (dritter Perek, Mischnah 12) das sind geneigt, in einer falschen Weisheit zu klügeln und uns mit Lebensleitwort hinterlassen: „Ein jeder, dessen Werke seine Weis* gedanklichen Erwägungen ZU befriedigen, wo die rechte Tat h e i t überwiegen, dessen Weisheit wird bestehen, aber jeder, dessen das Gebot der Stunde wäre. Da schlängeln sich dann die Selbst' Weisheit seine Werke überwiegt, dessen Weisheit wird nicht be» beruhigung und das Eigenlob an uns hinan, wir glauben schließ» stehen." Erhat gewiß als Lehrer seiner Zeit, als jüdischer Lehrer, Uch das zu sein, was wir zu sein uns einreden oder vorgeben. Die das Wissen, die »Weisheit, die Lehre nicht unterschätzt, aber er Menschen fliehen in Kleinmut oder Heuchelei vor dem „totenden war mit Bewußtsein ein Verfechter d«r persönlichen Tat Gift" und fallen nun der vergiftenden Sunde ziifin Opfer, und Leistung. Und so kam er auch zu dem Ausspruch: Jc schwerer die Zeit ist, desto größer sind die Versuchungen „Nicht die Schlange tötet, sondern die Sünd» tötet!" Er hielt und desto leichter ist man geneigt, sich selber und sein lässiges sich nämlich eines Tages in einem Städtchen auf, dessen Bc» Tun zu entschuldigen. Die Probe auf unsere Gesinnung wird aber wohner eingeschüchtert und in Erregung waren wegen einer immer durch unsere Tat erbracht und weil wir Juden unser ganzes fiftigen Schlange, die bereits einige Menschen gebissen hatte. Leben, jeden Tag und jede Stunde in das religiöse Gebiet und!r ließ sich das Schlupfloch des giftigen Tieres zeigen >und Gebot mit einbeziehen, muß unser ganzes Tun von dieser Er' stellte sich mit seinem Fuß vor den Ausgang dieses Loches. Da kam kenntnis und Willensrichtung geleitet sein. Das Leben ist das die Schlange aus ihrem Schlupfwinkel und biß den Lehrer tin die 'Gebiet unserer Bewährung und alle Forderungen unseres Da« Ferse. Die Menschen fürchteten, nun werde Rabbi Chanina sterben '"seins sollen wir frei von Sunden erfüllen. Wer Jude ist, der söll müssen. Zur Ueberraschung aller aber starb die Schlange an dem sein Tun so meistern, d.iK dieses Tun tapfer und ohne Makel ist Biß. Rabbi Chanina nahm sie auf die Schulter und trug sie ins Lehr' und wenn wir, w as menschlich und verständlich ist, so manche Un* haus und sprach zu den versammelten Lehrern und Schülern: „Seht zulänglichkeit erkennen, dann sollen wir diese Unzulänglichkeilt meine Kinder, nicht die Schlange tötet, sondern die Sünde tötetl" nicht als ein unverdientes, über ims hereinbrechendes blindes Vielleicht hat er mit diesem Wort der Sünde eine besondere Deutung Schicksal absprechen, sondern es als unsere Schuld betrachten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.