Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
- Volume
- 2 (1938 - 1939)
- Issue
- 1 (1.9.1938)
- Date
- 1938-09-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 6 JÜDISCHES CEMEINDEBL ATT FÜR DAS GEBIET DER RHEINPFALZ Nr. 1 Bestallungen (Approbationen) jüdischer Aerztc erlöschen am 30. September 1938. Die ärztliche Behandlung von Juden kann jedoch widerruflich gestattet werden. Frontkämpfern kann bei nachge* wiewnet Bedürftigkeit und Würdigkeit ein jederzeit widerruflicher l'ntcrhaltszuschuß gewährt werden. Diese Verordnung drückt mehr noch als die unmittelbar betroffenen jüdischen Aerzte die ge» saune Judcnheit in Deutschland nieder, die an ihren Aerzten als ihren besten Freunden und selbstlosen, tüchtigen und kenntnisrei» chen Helfern hingen. Der Judischen Rundschau Nr. 62 und 65 1938 entnehmen wir: Postwurfsendungen. Nach einer Verfügung des Reichspostministers dürfen arische Absender auf ihren Postwurfsendungen künftig durch den Zusatz „nicht an Juden" zum Ausdruck bringen, daß bei der Verteilung indische 'Empfänger jinbcrücksicht bleiben sollen. Weiter wird verfugt, daß Antragen von jüdischen Absendern auf Zulassung zum Werbeantwortverfahren nicht mehr zu entsprechen ist. Bereits erteilte Genehmigungen werden widerrufen. Aus der Pfalz Auflösung des Provinzialverbandes Pfalz des jitd. Frauenbundes. Der Provinzialverband Pfalz des jüdischen Frauenbundes, wel» eher von Frau Toni Michel aus Pirmasens im Jahre 1925 gegründet wurde und welchem 17 jüdische Frauenvereine der Pfalz in treuer Verbundenheit angeschlossen waren, ist der Auflösung verfallen. Vom Gründung«,jähre an bis zuletzt hat Frau Michel den Verband in zäher Pflichtarbeit zielsicher und mit K-iclem Erfolg geleitet und die einzelnen Fraucnvercine, die sich auf den klugen Rat und die stete Hilfsbereitschaft ihrer Verbandsvorsitzenden verlassen' konnten, in Liebe betreut. Dafür sei Frau Michel herzlicher Dank und einmütige Anerkennung seitens der jüdischen Frauenvereine der Pfalz ausgesprochen. Die segensreiche Tätigkeit der Frauen« vereine innerhalb ihrer Gemeinden möge Frau Michel als Aus» Wirkung des Geistes betrachten, mit welchem sie 19 Jahre hindurch den Provinzial.vcrband Pfalz geleitet hat. Aus Wandererberatung. Die Sprechstunden des Auswandererberaters finden für die Juden in der Pfalz in Mannheim E 7, 28 Dienstags und Freitags von 9.30 bis 12.30 Uhr s\att. Persönliche Nachrichten. Jüd. Auswanderer, die sich mit wenig Kapital eine Existenz im Ausland durch Erwerb von Lizenzen zur Herstellung und zum Vertrieb von Neuheiten schaffen wollen, mögen sich an die Redaktion wenden. 1 bis 2 ältere jüdische Damen finden auf größerem Platze in der Nähe von Ludwigshafen liebevolle Aufnahme bei voller Pen> sion zu mäßigen Preisen. Anfragen an den Verlag des Gemeindeblattes. Richtlinien für den Gottesdienst an den Feiertagen. 1. Wir beten an unseren Feiertagen. Wer sich unterhalten will, soll, fern bleiben. 2. Wir stöten einander nicht im Gebet. Jeder gegenseitige He such muß unterbleibcnS 3. Wir besuchen den ganzen Gottesdienst. Jedes unnötige Ver« lassen des Gottesdienstes soll deshalb vermieden werden. , 4. Wir gehen alle sofort nach Hause. Jedes Umherstehen im Synagogenhof u, auf der Straße soll unbedingt unterbleiben. 5. Schulpflichtige Kinder benützen die ihnen angewiesenen Plätze und verhalten sich ruhig. 6. Wir leisten allen Anordnungen der diensttuenden Beamten unbedingt Folge. 7. Wir stellen uns auf keine fremden Plätze. Die Eigentums» bzw. vermieteten Plätze sind freizuhalten. Rabbinatsbezirk Landau /Pfalz Amtliche Mitteilungen des Räbbinatsbezirks und des Be« zirksrabbinats. Versammlung des Räbbinatsbezirks Landau Pfalz. , Am 29. August fand in Gegenwart des Vorsitzenden des Ver» bandet der isr. Kultusgemcindcn der Pfalz die alljährliche Vier* Sammlung des Räbbinatsbezirks statt, zu der die meisten Gemein' den ihre Vertreter entsandt hatten. Herr Artur Schwarz gab den Jahres« und Rechenschaftsbericht. Daraufhin gab der Unterzeich«» nete einen kurzen Bericht über seine amtliche Tätigkeit. Er äußerte den Wunsch, daß mehr wie bisher durch die Gemeindevorstände Veränderungen innerhalb ihrer Gemeinde der Redaktion des Ge* mcindeblattes mitgeteilt werden, daß ferner von den Gemeinden selbst die religiösen und kulturellen Veranstaltungen der Sitzgc» meinden besser besucht Verden möchten. Die Ordnung in der gegenseitigen Vertretung der Rabbiner soll demnächst in der Mi«/ liederversarhmlung der pfälzischen Gemeinden zur Sprache gc rächt werden. Darauf gab Herr Lehrer Zeilberger den Kassen») bericht; der Kassenführung wurde Entlastung erteilt. Außerdem wurde die Frage der Einziehung der Kultusumlagen behandelt. Durch Kommerzienrat Joseph wurde ausdrücklich festgestellt, daß jeder zur Verlage seines Steuerbescheides vom Finanz» amt demjenigen gegenüber verpflichtet ist, der von der Versammlung des Räbbinatsbezirks beauftragt wurde, die Kultusumlagen einzu< ziehen. Die Versammlung bestimmte den Vorsitzenden des Rabbi» natsbezirks, Herrn Artur Schwarz, der binnen kurzem die hierfür notwendigen Anweisungen treffen wird, Metzger. Die Sprechstunden finden am Dienstag und Donnerstag jeweils--von 10 bis 11 Uhr in meiner Wohnung, Glacisstraße 9 — Fernsprecher 2128 — statt. Zu anderer Zeit bin ich nur nach vorheriger Vereinbarung zü sprechen. Das Bezirksrabbinat. Bewegung des Räbbinatsbezirks: v Sterbefälle: 3. Aug.: Herr Siegmund Kahn, Landau, Königstr. 62 54 Jahre. 9. Aug.: Herr Heinz Schwarz aus Landau, Rheinstr. 12, 17 Jahre (verunglückt b. d. Besteigung d. Matterhorns). 12. Aug.: Herr Albert Weil aus Landau, Ostring 3, 65 Jahre. Auswanderung: Nach USA: Herr Edgar Joseph; und Frau Carry aus Landau; Herr Richard Mayer und Frau mit Sohn Paul aus Böchingen: Fräu* lein Ilse und Alice Dreifus, Herr Emil Kern-Lob mit Frau und 2 Kindern, Herr und Frau Karl Lipoid (2. Vorstand der Gemeinde) aus Edenkoben; Familie Löwenthal aus Bergzabern. Nach Argentinien:. Frau Albert Neu aus Edenkoben. Wegzug. NachvFrankfurt: Frau Mathilde Mandel, Landau, Nordring 39. Aus den Gemeinden. Aus Landau. Jüdisches tehrhaus. Da Herr Paul Feibelmann, Frankfurt die Englischen Sprach« . kursc aus gesundheitlichen Rücksichten nicht mehr erteilen kann, wird der Unterricht im Englischen nunmehr von Frau Dr. Gold» berg aus Landau und Herrn Lehrer Benno Kesstecher aus Eden» koben erteilt. Gemeindebibliothek. Die Büchcrausleihe findet jeden Dienstag von 17.15 bis 18.15 Uhr im Bibliothekzimmer des Gemeindehauses, Schützengasse 4, statt. Die Ausleihe ist kostenlos und für jedes Gemeindemitglied des Räbbinatsbezirks Landau bestimmt. Ablösung an Stelle von Dankeskarten und Spenden. Es spendeten: Herr Richard Mayer, Böchingen anläßl. seiner Auswanderung. Herr Edgar Joseph aus Landau anläßl. seiner Auswanderung. Frau Sicgmund Kahn anläßlich des Heimgangs ihres Gatten. Ungenannt aus besonderem Anlaß. Familie Josef Schwarz anläßlich des Heimgangs, ihres Sohnes und Bruders Heinz. v Familie Albert Weil anläßlich des Heimgangs von Herrn AI» bert Weil. Herr und Frau Karl Lipoid aus Edenkoben anläßlich ihrer' Auswanderung. Den Spendern herzlichster Dank. JÜDISCHES KAFFEE im Gemeindesaal, Schützengasse 4 HB \ '' KS Es werden empfohlen: Ia Kaffee, gut gekühlte Biere und Weine und Mine 8$: ralwasser. — Eis — Törtchen. Israelitischer Frauenverein. Zum großen Leidwesen unserer Gemeinde hat sich Frau Math. Mandel (Vorstandsmitglied des Isr. Frauenvereins von 1909—1914) entschlossen, nach Frankfurt zu übersiedeln. Lebte Frau Mandel auch in den letzten Jahren sehr zurückgezogen, so stand sie dennoch im Mittelpunkt des Interesses und der herzlichen Verehrung. Wer wäre auch nicht gerne zu dieser geistig so hoch stehenden und und dabei modern denkenden alten Dame gegangen, bei der man nie das Empfinden des Alters hatte, sondern sich einem Menschen gegenüber wußte, der mit allen Tagesereignissen wohlvertraut, sie mit der abgeklärten Weisheit des Alters treffend zu beurteilen wußte, der für alle menschlichen Sorgen und Nöte so tiefes «Verständnis aufbrachte und für.jeden Beladenen das erlösende und befreiende Wort wußte. Darum darf'es einem auch nicht wundern, wenn nicht nur die erwachsenen Menschen, sondern vor allem die Jugend gerne und oft den Weg zu ihr fanden, gerade deswegen weil Frau .M.nulel noch in ihrem hohen Alter die seltene und unvergleichliche Fähig» keit besaß, sich in jedes Denken und Fühlen einzuleben, es zu verstehen und aus ihrem gütigen Herzen heraus Stellung zu nehmen. In ihrer Bescheidenheit hätte sie ganz bestimmt diese vollauf ver» diente Würdigung abgelehnt, aber ihr Wegzug nach Frankfurt soll uns doch noch einmal vor Aügen führen, was uns bisher mit l