Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
- Volume
- 1 (1937 - 1938)
- Issue
- 10 (1.6.1938)
- Date
- 1938-06-01
- Page
- Seite 5 (sequence 5)
- Language
- German
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Nr. 10 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DAS GEBIET DER RHEINPFALZ Seite 5 •erhebende Stunden noch lange ' nachschwingender Wirkung. Die Vielseitigkeit des Programms mit Liedern von Schallt, Mendelssohn, Schubert und Dvorak, mit Arien von Mcyerbcer, Mascagni und Saint'Saens und dem Arioso von Händel gab der rühmlichst be» kannten Sängerin die Möglichkeit, ihre prächtig durchgebildete Stimme in allen Niiancierungen sich auswirken zu lassen. Die Be> gleitung der Pianistin war dank der vorbildlich klanglichen und rhythmischen Abgestimmtheit voller Reize. Nicht weniger haben die von dieser Künstlerin brillant gespielten so melodiösen, dabei höchste Anforderungen stellenden Kompositionen von Chopin die Zuhörer entzückt Der Lieder« und Arienabend dieser beiden be< wundernswerten Künstlerinnen bildete einen Glanzpunkt in der Reihe der Kulturbundsveranstaltungen dieses Winters. Der Bunte Abend, welcher am 26. April in der Ortsgruppe Landau, am 27. April In der Ortsgruppe Pinnasens stattfand, übte -auf die Mitglieder eine besonders starke Anziehungskraft aus. Frau Camilla«Spira«Eisner, Berlin, vom Tonfilm und Theater her noch .gut in aller Erinnerung, erlebte eine zahlreiche Hörerschaft. Frau Camilla zog alle Register-deklamatorischer, gesanglicher und ins« besondere mimischer Kunst und riß das Publikum zu stürmischer Begeisterung hin. Bei aller Hochachtung vor geistig schwerer Ver« daulichem waren wir Frau Camilla für die so entzückend servierte leichte Kost von Herzen dankbar. Einen Teil des reichen Beifalls durfte mit Recht Fräulein Erna Klein für ihre diskrete und anschmic« gendc Klavierbegleitung für sich in Anspruch nehmen. Den Reigen der Kulturbundsdarbietungen in der abgelaufenen Spielzeit beschloß das Konzert, welches von dem Streichquartett des Jüd. Kulturbundes Rhein'Main in allen drei Ortsgruppen, in Landau am 10., in Pirmasens am 11. und in Kaiserslautern am 12. Mai veranstaltet wurde. Von besonderem Reiz ist immer wieder •die Aufführung so selten gehörter Quartette wie das in e»moll von Smetana, dessen unverkennbare Eigenart seines slavischen Schöp» fers Technik und Kolorit in sich trägt. Die Qu.iTtettimeisrcrinv Frau Annie Steiger'Betzak, Frankfurt a. .M., als Geigenkünstlerin seit Jahren im Konzertsaal anerkannt, 'sorgte im Zusammenspiel mit den Herren Rabinowicz, Frankfurt, 2. Violine, Ratner Frank» furt, Bratsche und Zeelander, Berlin, Cello für eine Wiedergabe von vollendeter Feinheit. Nach Boccherinis, A»dur beendete Tschai* kowsklys D<ijur«Quartett diese erhebende Veranstaltung, die in Pirmasens und Kaiserslautern sich leider keines guten Besuches hat erfreuen dürfen. Warum haben sich so viele Mitglieder einen im ersetzlichen Kunstgenuß entgehen lassen? Paul Wolf. Wir bitten alle unsere Mitglieder herzlichst darum, dem Jüd. Kulturbund auch während der Sommerpause die Treue zu wahren und im Interesse der späteren Fortführung unserer Bildungsarbeit die monatlichen Mitgliederbeiträge regelmäßig zu zahlen. Neuer Prospekt der Jugend» (Mittleren*) Hachschara der religiösen Jugend. Der Brit Chaluzim Datiim hat in diesen Tagen eine instruktive Broschüre über Jugend'Hachschara herausgegeben. Diese ist unter der Adresse: Berlin W 50, Augsburgerstr. 60 kostenlos zu beziehen. Kundgebung des Hechaluz. 20 Jahre Hechaluz»Kundgebung der chaluzischen Bünde am 18. Juni, abends V*9 Uhr in Mannheim, Großer Saal von Q 2, 16. Arbeitstagung für Siedlungsinteressenten in Karlsruhe. Das Palästinaamt der Jewesh Agency for Palestine, Berlin W 15, Mcinckestr. 10, teilt mit: Am Sonntag, den 12. Juni 1938 wird eine Arbeitstagung für -Sicdlungs'Interessenten in Karlsruhe stattfinden. Die Tagung findet im Gebäude des Oberrates der Israeliten, Kriegsstraße 154, statt und beginnt pünktlich um 10 Uhr. Programm: Vomittags. Dr. Ajexander Besser, Berlin. „Neue Siedlungsformen in Palästina", Einzel« und Gruppen« Siedlung, Fragen des Kapitaltransfers. — Aussprache. Nachmittags. Dr. Franz Meyer, Berlin. j „Die Lage in Palästina urrfj die neuen Zertifikatsbestimmungen". Aussprache. In Verbindung mit dieser Arbeitstagung finden Sprechstunden ■des Palästinaamtes in Karlsruhe statt. Die Sprechstunden für In» Kressenten werden am Montag, den 13. Juni abgehalten. Zutritt zu der Tagung haben nur diejenigen, welche eine be» sondere Einladung des Palästinaamtes Berlin vorweisen können. Interessenten wollen sich dieserhalb persönlich oder schriftlich bei dem Zionistischen Büro, Mannheim, Moltkestraße 7, melden. Die Meldung mitß die Angaben über Familienstand und Alter aller Fa» inilicnangehörigen enthalten. Meldeschluß ist der 8. Juni. Um Irr» tümer zu vermeiden machen wir besonders darauf aufmerksam, daß nicht die abgegebene Meldung, sondern lediglich die Einladung des Palästihaamtes Berlin, zur Teilnahme berechtigt. Aus technischen -Gründen bitten wir von fernmündlichen Anmeldungen abzusehen. Persönliche Nachrichten. Trudel Speyer, Karlsruhe/Baden, Herrenstraße 14, staatlich gepn Turn» und Sportlehrerin empfiehlt sich zur Erteilung von Gym« nastikunterricht für Kinder und Frauen. Orthopädisches Turnen und Heilmassage. Für schulentlassenes gewandtes Mädchen Stelle in Haushalt gesucht, am liebsten zu einem Kind. E. Rosenthal, Germersheim Pfalz. Rabbinats bezirk Landau/Pfalz Amtliche Mitteilungen des Bezirksrabbinats. Die Sprechstunden finden am Dienstag und Donnerstag jeweils von 10 bis 11 Uhr in meiner Wohnung, Glacisstraße 9 — Fernsprecher 2128 — statt. Zu anderer Zeit bin ich nur nach vorheriger Vereinbarung zu sprechen. Bewegung des Rabbinatsbezirks: Trauung: 19. Mai: Herr Hugo Frank aus Oberlustadt mit Fräulein Erna Regina Meier aus Oberlustadt. St erbe falle: 29. April: Herr Max Blum aus Bergzabern,.68 Jahre; verstor* ben und beigesetzt in Karlsruhe. \ 9. Mai: Frau Berta Michel geb. Stein aus Köln, 73 Jahre, bei« gesetzt in Essingen. Auswanderung: Nach USA: Aus Landau: Fräulein Alice Ortenberg; Fräu« lein Gretel Weiß, Tochter von Herrn Nathan Weiß. Aus Bergzabern: Familie Ernst Lew Aus Oberlustadt: Herr Heinrich Meier und seine Tochter Frau Erna Frank. i Aus Heuchelheim: Herr Julius Strauß. Nach Uruguay: Familie Willy Dannheißer aus Landau. Wegzug. Nach Frankfurt/Main: Frau Rosa Tillmann aus Landau. Aus den Gemeinden. Landau. Jüdisches Lehrhaus. Mit dem 18. Mai 1938 wurde unter gewissen1 Auflagen vom Bür« germeister der Stadt Landau ein „Jüdisches Lehrhaus" genehmigt« Damit ist ein seit langem gehegtes Bedürfnis erfüllt worden, eine Einrichtung zu besitzen; die als Bildungsstätte für Erwachsene zur Unterrichtung im jüdischen Schrifttum und in Fremdsprachen die« nen soll. Nähere Bekanntmachungen über die einzelnen Lehrkurse erfolgen noch. Bereits in allernächster Zeit soll ein Lehrkurs in der eng» sehen Sprache eingerichtet 'werden. £>as Unterrichtshonorar für den Teilnehmer beträgt 1.50 RM. pro Stunde. Interessenten wollen sich bis zum 7. Juni schriftlich beim Bezirksrabbinat anmelden. Das Bezirksrabbinat ab Leitung des Jüdischen Lchrhauses. Diamantene Hochzeit des Ehepaars S. Rosenberg am 2. Mai und 70. Geburtstag von Herrn Oberkantor a. D. Willy Steinern a. 18. Mai. Beide Jubiläen waren gegebener Anlaß zu zahlreichen Ehrungen aus allen Kreisen der Gemeinde. Es mag für die Jubilare eine innere Genugtuung bedeutet haben, daß sie nunmehr im Ruhestand lebend, noch nicht von ihrer Gemeinde vergessen worden sind und sich noch immer der früheren Beliebtheit und Wertschätzung erfreuen. Das äußere Zeichen dieser Verehrung waren die zahlreichen Gc« schenke, die den Jubilaren an ihren Festtagen dargebracht worden sind. Wie bereits erwähnt, wurde das diamantene Hochzeitspaar durch eine kleine Feier im Rahmen des ihrem Hochzeitsjubiläum vorangegangenen Schabbaths in der Synagoge geehrt. Bei Herrn Oberkantor a. D. Steinern war es leider nicht möglich, den durch seine Krankheit Verhinderten an seiner früheren Wir« kungsstättc zu ehren. Aber bei beiden Jubilaren ließ es die Ge» mcindeverwaltung sich nicht nehmen, offiziell vden Glückwunsch der Gemeinde durch eine Abordnung, vertreten durch den Syna» gogenrat Landau und durch das Bezirksrabbinat, zum Ausdruck zu bringen und ein Geschenk seitens der Gemeinde zu überreichen. Der Gemeindevorstand, Herr Artur Schwarz, richtete bei beiden Jubiläen herzliche Worte an die Jubilare und würdigte deren Ver» dienste um die Gemeinde. Herr Landgerichtsrat a. D. Dr. Rosenberg sprach den Dank für diese Ehrung im Namen seiner Eltern aus, während Herr Ober» kantor Steinern trotz Krankheit persönlich seinen Dank zum Aus» druck brachte. — Es sei aber nochmals der Wunsch ausgesprochen, daß allen Jubilaren es vergönnt sein möge, noch viele Jahre unter uns weilen zu dürfen ."V*"* P'»"V,*,> r^v'^ "fM M. I -* — — W > I *s _ tjf Vortrag vom Hilfsverein der Juden in Deutschland e. V. Am Sonntag, den 8. Mai sprach in einer gut besuchten Vcr» Sammlung der für die Pfalz zuständige Auswandertungsberater, Herr Paul Steeg aus Karlsruhe, über das Thema: Jüdische Ucbersccwan» derung — Aufgabe und Arbeit des Hilfsvercins. Den an sich etwas spröden Stoff, bedingt durch die vAutzähhing der Möglichkeiten der Einwanderung in die einzelnen Länder, wußte der Redner in geschickter Weise zu formen, daß man sich beim Anhören der über» aus interessanten Ausführungen von Herrn Steeg gleichsam, auf einer Reise durch die einzelnen Länder versetzt glaubte uncT das Publikum nahezu eineinhalb .Stunden lang von Anfang bis zum Ende durch die Darlegungen gefesselt war. Der Dank für diesen aufschlußreichen Vortrag an den Redner und an den Ililfsverein, der diesen Vortrag vermittelte, möge dahin ausklingen, daß wir bald wieder Gelegenheit haben mögen, über Fragen des Hilfsvercins und der täglich wechselnden Auswanderungsmöglichkeiten orientiert zu werden. »° M.