Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
- Journal
- Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
- Volume
- 1 (1937 - 1938)
- Issue
- 5 (1.1.1938)
- Date
- 1938-01-01
- Page
- Seite 6 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 93% known words query
- IRI
…/4903956-4931894-4931924--058-4904008- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Seite 6 JÜDISCHES GEMEINDEBLATT FÜR DAS GEBIET DER RHEINPFALZ Nr. 5 Persönliche Nachrichten. Wer überlaßt der Ortsgruppe Landau des jüdischen Kulturbundes für die Pfalz ein gebrauchtes Stehpult (Rednerpult) billig oder gratis? Mitteilungen wollen an das Bczirksrabbinat ge» richtet werden . Wer hat einen gebrauchten, nicht sehr großen Handkoffer billig oder gratis abzugeben? Mitteilungen ah das Bezirksrabbinat erbeten. Suche jungen tüchtigen Metzgergesellen per sofort Siegmund Kahn. Metzgerei, Landau, Königstr. 62. ZuschneidcKurs. Ks hestcht die Möglichkeit, daß in Landau ein 14<tägiger Zuschneidekurs (2 Stunden pro Tag) ab Mitte Januar 1938 statt» findet. — Das Kursgeld beträgt 15 — RM. Interessenten wollen sich an Frau B. Mayer, Westring 4a oder Frau Erna Scharff, Südring 1 wenden. Rabbinatsbezirk Pirmasens Bewegung des Rabbinatsbezirks: Trauung: 9. Jan;: Herr Emst Frohwein aus Mainz und Fräulein Lotte Stern aus Pirmasens. 90. Geburtstag: 27. Jan.: Frau Wwe. Eduard Schohl, Pirmasens, Landauer» Straße 30. \ Bar Mizwah: Ii. Dez..; Kurt Mai, Sohn des Herrn Albert Mai und Frau Regine geb. Schwarzer aus Waldmohr. * .>>. Jan.: Georg Samaskewitz, Sohn des Herrn Leo Samaskc witz und Frau Olga geb. Ehrlich aus Pirmasens. Sterbefall: 16. Dez.: Herr Moses Mai aus Waldmohr. 85 Jahre. Auswanderung: Nach USA: Herr Eugen ten Brink aus Pirmasens; Wwe. Elsa Adler geh. Ken und Sohn Herr Dr. Ernst Adler aus Zweibrücken; Herr Felix Abraham und Frau Henny aus Landstuhl; Herr Albert Mai und Familie (Frau und vier Söhne) aus Waldmohr. Nach Argentinien: Herr Alex Bär aus Waljhalben. Wegzug: Nach Frankfurt a. M.: Herr Hugo Alexander und Frau Else geb. Stern, aus Pirmasens. Aus den Gemeinden. Pirmasens. Gemeindc-Chanukkahfeicr. Wie alljährlich veranstaltete auch dieses Mal die Israel. Kultusgcmcindc gemeinsam mit dem Israel. Fraucnvcrcin eine Chanukkahfeier für alle erwachsenen und jugendlichen Mitglieder. Sic fand am Nachmittage des 5. Dezember statt; ihr ging eine Bewirtung der Kinder .im Restaurant Mayer voran. / Dank dem Vorhandensein der neuen ücmcindcräumc konnte die diesjährige Veranstaltung in einem größeren Rahmen als bisher durchgeführt werden. Ernstes und Heiteres, Spiel und Sport wickelten sich in bunter Folge vor den die Räume bis auf den letzten Platz füllenden Zuschauern ab. Den Begrüßungsworten des Herrn Bezirksrabbiners Dr. Neil» haus schl^B sich zunächst der religiöse Teil an. Nach einem kleinen Prolog entzündete der jüngste Barmizwah die 8 Chanukkahlichter, und einige Knaben sprachen „Hanncrauß hallolu". Ein Kinder» Sprechchor forderte zum gemeinsamen Singen auf, und alle An» wesenden sangen begeistert das alte und doch ewig neue „Moaus\ -i.r" S<''"'lr <1 irniffoli'i-ndon Festansprache legte Dr. Nellhaos die Erzählung „Menora" von lheodor llcrzl zugrunde. Ein dem Judentum \ollig entfremdeter Künstler will wenigstens seine Kin» der jüdisch erziehen und erfährt selbst bei der Vorbereitung des Chanukkahfestes für seine Kinder sowie beim Betrachten der Menorah die Größe und Schönheit des Judentums. „Auch wir", führte der Redner weiter a\is, „sollen uns heute, wo wir jüdisches Schicksal erleben, Jiincinverscnkcn in dij ewigen Werte und Werke des Judentums und an dieser Flamme unsere Herzen entzünden, damit das Licht weitergegeben werde von Geschlecht ZU, Geschlecht. Denn erst von dieser judischen Grundhaltung aus können wir zu den großen Fragen des menschlichen Daseins Stellung nehmen." Die Ansprache schloß mit dem letzten Satze der Hcrzlschcn Er» Zahlung: „Und kein Amt ist beglückender als das eines Dieners, am Licht." Herzlichen Beifall erntete Dr. Nellhaus für iscinc begeisternden Ausfuhrungen. Ein deutsches Ghanukkahlicd, von allen gemeinsam gesungen, erklang und leitete zu dem Unterhai« tungsteil über, den Darbietungen der Jugend. Den Auftakt bildete ein Zwiegespräch zwischen den von 2 Jungens dargestellten Monaten Kislcw und Tewcth und deren gemeinsamer Gesang. Darnach kam die Musik zu ihrem Recht. Chwatals „Lustige Schlittenfahrt", eine Kindersymphonie, sorg» fältig vorbereitet und eingeübt von der Vorsitzenden des Frauen» Vereins, Frau Berta Beiersdorf, und von Herrn Paul Wolff, wurde unter Leitung des letzteren von einer Kapelle * der Schuljugend aufgeführt, Klavier, Violine, Blockflöte, Kindertrompeten, ScheU len, Peitschen, Weingläser und noch verschiedene andere Hilfs» mittel waren die Instrumente, die sich zu einem Orchester zu» sammen fanden und exakt spielend ein schönes Konzert boten. Mit Staunen konnte man feststellen, was trotz geringster Mittel^ der gute Wille alles vermag. Lebhafter Beifall war der Dank an' alle Mitwirkenden für die anerkennenswerte musikalische Leistung. Auch bei der Aufführung des Chanukkah'Märchenspiels „Jomi mit dem Sack" von Emil Bernhard, welches nunmehr folgte, konnte man erkennen, was sich durch gewissenhafte Vorberei* tung und durch die Einsatzbereitschaft jedes einzelnen erreichen läßt. Unter der Leitung von Herrn Dr. Nellhaus, in dessen Händen auch die mühevolle Einstudierung gelegen hat, gingen die 4 Akte spiclsichcr über die Bühne. Man wußte nicht, welchem von den jugendlichen Darstellern man das größte Lob spenden sollte. Sie alle, der naive, gläubige Jomi, die energische Lea, der fremde Alte, der kluge Bürgermeister, der nach Orden schielende Minister, der König, die Königin und die Prinzessin, die Hofdamen, die Bettler, die Nachbarn und die Bengel, (sie alle haben den Beifall redlich verdient, der ihnen nach jedem Akte in reichem Maße gezollt wurde. Besonderes Entzücken riefen die Einlagen im 3. Akt, Hein zelmännchens Wachtparadc und der Mohrentanz, hervor, von Herrn Fred Simon und Frl. Lore Schwarz gut eingeübt. Und alle Zuhörer standen im Banne der Wunder, welche Gott die glau bigen Menschen auf den Rat des Propheten Elia an sich erfahren und erleben läßt. Turnerische Uebungen, die ebenfalls Fred Simon mit 5 Jungens vorbereitet hatte,-und die durch die Sauberkeit ihrer Vorführung auffielen, leiteten zum Schlußbild über, das ab Wer» bung für den jüdischen Sport gedacht; war. Vor den mit Sport» geräten angetretenen Jungens forderte der geschäftsführende Vor» sitzende des „Jtus", Herr Karl Alexander, die anwesenden Eltern auf, ihre Kinder in die Turn» und Spielstundcn zu schicken und deren körperliche Ertüchtigung nicht zu vernachläßigen. Im Auftrage des Synagogenrats sowie im Namen aller An» wesenden dankte Herr Arthur Wolff allen denen, die zum guten Gelingen der Feier beigetragen und kein Opfer gescheut hatten, um diese Stunden des Frohsinns uns zu bereiten. Mit Schluß» worten des Herrn Bezirksrabbiners erreichte die Feier ihr Ende. Neugestärkt und freudig\ gestimmt gingen wir in den dunklen Winterabend hinaus. Diese uns alle innerlich befriedigende und erhebende Veranstaltung hatte uns wiedirum gezeigt, daß es heute unsere Gemeinden sind, die jüdisches Leben zu erwecken berufen sind, und die unter ihrem Dache alle Mitglieder zu gemeinsamem Wollen und Tun im Dienste des Judentums, zu froher und stolzer Bejahung ihres Judeseins zusammenführen. Karl Wolft Itus Pirmasens. Der Sportbetrieb ist in seinem vollen Umfange aufgenommen worden. Sämtliche Uebungsstunden sind zufriedenstellend be* sucht, und wir konnten sogar zur Aufstellung einer Alten Herren» riege schreiten, die in den vcrsten Januartagen ihre regelmäßigen Turnstunden aufnehmen wird. Es können sich noch weitere Teil» nehmer melden. — Die Pflichtspiele haben bis jetzt noch nicht begonnen, und auch Privatspiele konnten infolge der verschie» denen Sperren im Berichtmonat nicht durchgeführt werden. — Im letzten Monat haben uns folgende Sportkameraden durch Abwanderung verlassen: Ruth Stern, Annemarie Frank, Simon Haas, Ludwig Hirsch, Kurt Lcvi, Norbert Epstein, Rudi Eigner, Eugen ten Brink. Zur Zeit finden in der Tischtennis'Abreilung die Ausschei» dungskämpfe zur Ermittlung der besten Spieler statt. Erfreulicher» weise ist die Beteiligung äußerst zahlreich. — Auswärtige Sport» ler, die sich an unserem Sportbetrieb beteiligen wollen, sind herz» liehst willkommen. F. G. Jüdische Winterhilfe. \ Auch in diesem Jahre wurde eine Sonderbetreuung der hilfs» bedürftigen Familien in unserer Gemeinde und" in den uns zu» gewiesenen Filialgcmcinden zu Chanukkah durchgeführt, für welche wir erhebliche Mittel zur Anschaffung von Kleidung, Wäsche, Schuhwerk und Lebensmitteln bereitstellten. — . Die Ein» topfspenden *Sdmmlung am Sonntag, den 12. Dezember hat wiederum ein günstiges Ergebnis gezeitigt, wenn es auch nicht ganz an das der vormonatlichen Sammlung heranreichte. Allen Spendern und Sammlern sagen wir herzlichen Dank. — Die Pfund» spcndcn-'Samlu'ng und Pfundspenden*Verteilung wird nach wie vor vom Vorstand des israel. Frauenvereins besorgt. Die nächste Lebensmittel*Ausgabe an die hiesigen Hilfsbedürftigen findet am Mittwoch, ^den 5. Januar, 16 Uhr, im Gemeindesaal statt. — Nächster Eintopfsonntag: 9. Januar; Sammlung ab 10 Uhr. Noch immer wächst die Zahl derjenigen Gemeindemitglieder, welche von der jüdischen Winterhilfe betreut zu werden wün» sehen, und damit steigen auch die Anforderungen, die an uns in finanzieller Hinsicht gestellt werden. Das veranlaßt uns, an alle bisherigen Spender die herzliche Bitte zu richten, auch in der zweiten Hälfte der Winterszeit, in welcher die Kälte besonders streng zu sein pflegt, in ihrer Gebefreudigkeit nicht nachzulassen und ihre monatlichen Beiträge in voller Höhe zu leisten. Insbe» sondere richten wir an die säumigen Spender, deren es leider noch