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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz · 1938-01-01 · 5 (1.1.1938) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
Volume
1 (1937 - 1938)
Issue
5 (1.1.1938)
Date
1938-01-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz Organ des Verbandes der israeli- A tischen Kultusgemeinden der Pfalz Herausgeber: Verband der israel. Kultusgemeindcn der Pfalz, Landau Pfalz. Verlag: Heinrich Wildmann, Philippsburg. Verantwortlich f. d. Inhalt: Kurt Metzger, Landau, Glacisstr.9 $ Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Reichsn.inistcrs für Volksaufklärung und Propaganda betr. Uebcrwachung der geistig und kulturell tätigen Juden im deutschen Reichsgebiet Erscheint monatlich 1. Januar 1938 / ri'mn ttHO FC 1. Jahrgang / Nr. 5 * > 1 Das hundertjährige Jubiläum der Speyerer Synagoge. Das 100 jahrige Jubiläum der Spcycrcr Synagoge fand in allen Teilen der jüdisches Gemeinschaft in Deutschland seine gebührende Beachtung. Besonders hervorgehoben aber seien nur die Würdi« gungen, die dieses Ereignis in der bayerischen und in der engeren pfälzischen Heimat fand. Eine Gedenkschrift, verfaßt von Rein« hold Herz, einem Sohn der Speyerer Gemeinde, stellte in anschau» licher Weise die Geschichte dieser Gemeinde in den 'letzten 100 Jahren 'dar. Eine Nummer des jüdischen Gcrr.eindcblattcs 'für das Gebiet der Rheinpfalz war der Jahrhundertfeier der Speyerer Synagoge gewidmet. In dieser Nummer gingen einer Darstellung der Geschichte der Juden von Speyer von Reinhold Herz und Lehrer Sicgmiwid Marx, ein Votwort des Synagogenrats der israel. Kultus« gemeinde Speyer, Glückwünsche des Präsidenten des Verbandes der israel. Kultusgcmeinden der Pfalz und des für Speyer zuständigen Bezirksrabbiners Dr. Steckelm.ichcr>Ludwigshafen voran. Herr Dr., Steckelmacher veröffentlichte auch im Jüdischen Gemeindeblatt für den Verband der israelitischen Kultusgcmeinden in Rayern einen geschichtlichen Aufsatz über die Speyerer Gemeinde. Aus Anlaß dieses Ereignisses, das gerade durch die historische Stellung der Gemeinde Speyer innerhalb der jüdischen Gemeinden .Deutschlands eine erhöhte Bedeutung hatte, fand am 28. November 1937, nachmittags 2f/g Uhr eine Gedenkstunde in der Synagoge zu Speyer im Rahmen des Gottesdienstes zu Beginn des Chanukkah^ festes statt. i Schon das Programm der Gottesdienstordnung war sehr sinn« voll ausgestaltet. Auf der Titelseite befand sich das Bild der Syna» goge. 'Die beiden Innenseiten enthielten in sinniger Weise das Programm für die Einweihung der Synagoge in Speyer am 24. November 1837 u£id die sich daran anlehnende Anordnung der Gedenkstunde am 28. November 1937, die analog dem Einwei« hungsprogramm gleichfalls 18 Punkte umfaßte. So sollte schon fein äußerlich eine Verbindung zwischen jener Feier vor 100 Jahren und der Gedenkstunde im Jahre 1937 hergestellt werden. Main darf sagen, daß die Gedenkstunde einen außerordentlich feierlichen Verlauf nahm, würdig des Ortes, der Geschichte der Gemeinde und unserer ernsten Zeit. Aus bestimmten Gründen konnte der Feier nicht der breite Räumen gegeben werden, der uisptünglicn vorgesehen war. Dennoch hatten sich zahlreiche Gäste eingefunden, obwohl keine offiziellen Einladungen ausgegeben worden waren. Feierliche Erwartung lag über allen Versammelten, als bei dem Präludium, das von Herrn Hildesheimer, der sich im Verlauf der Feier als gewandter Begleiter der einzelnen Chorstücke erwies, gespielt wurde, mit dem Bezirksrabbiner die Rabbiner aus Pirmasens und Landau, der Lehrer und der Kantor der Gemeinde ihren Einzug in das festlich geschmückte Gotteshaus hielten. 1 Icrr Kantor Grünberg brachte mit seiner tragfähigen Stimme das Ma towu zu Gehör, wodurch der gottesdienstliche Akt cinge leitet wurde. Nach ihm sang der Synagogencnor von Speyer, ver» stärkt durch zahlreiche frühere Speyerer Gcmcindcmitglicdcr, den tröstenden und Zuversicht verleihenden Psalm 91 von F. C. Hell»« wig, der unter der Stabführung von Herrn Oberlehrer a. D. Leo Waldbott eine feierliche Einstimmung in die Gedenkstunde ver« mittelte. Daraufhin betrat Herr Albert Mühlhauser, der Vorsitzende des Svn.igogcnrats, die Kanzel, begrüßte die anwesenden Gaste und Gemeindemitglieder, dankte Herrn Kommerzienrat Albert Joseph für das von ihm gestiftete Sefer. sowie für die vom Verband der israel. Kultusgemeindcn der Pfalz Uberlassenen Thoratirollcn. Er gedachte der Toten der Gemeinde, zu deren ehrendem Gedächtnis sich alle Anwesenden von den Plätten erhoben, und würdigte fn klurz.cn* Worten die gleichfalls hundert jährigen Kultusgcgcn« stände der Gemeinde: ein Tnorahvorhang, eine Thorahrolle und ein Kiddr.schbccher. Nach ihm ergriff der Präsident des Verbandes der israel. Kultusgefneinden der Pfalz, Herr Kommerzienrat Albert Joseph, das Wort. Er sprach der Gemeinde Speyer den Dank des Pfälzer Verbandes für diese Einladung aus, übermittelte ihr auch die Glück» wünsche des Verbandes bayerischer israel. Gemeinden und wies d.'rauf hin, daß alle jüdischen Gemeinden in Bavern beim End» zünden der Lichter dieser bedeutsamen Feier gedenken werden'. Personliche Erinnerungen aus der Jugend verbinden den Redner mit der Gemeinde Speyer, und er bekannte, daß diese Zeit in bedeutsamer Weise sein spateres Leben geformt und beeinflußt hat. In dieser Gemeinde ist sich der Redner in entscheidender Weise des K'hilIah*Gcdankens bewußt geworden, dessen Ursprung und Entwicklung in ausführlicher Weise darlegte. Dieser K'hillah« Gedanke ist der Kraftquell allen judischen Lebens, das seinen Mittelpunkt im Gotteshause hat. Der Redner zeigte, daß gerade in Speyer dieser Gedanke in vollendeter Weise gepflegt wurde, und weist darauf hin, daß diese Idee und der Gottesglaube für alle Zu»" kunft in der Gemeinde gepflegt werden müssen, wenn sie in dieser schweren Zeit bestehen will. Angesichts der bedeutsamen Geschichte der Gemeinde Speyer verpflichtete der Redner ihre Mitglieder zu dem Gelöbnis, für die Ehre unserer Gemeinschaft und unserer Kinder zu kämpfen in dem Bewußtsein, daß Ehre und Charakter die höchsten Güter des Menschen sind. Als Vorsitzender des Rabbinatsbezirks sprach Herr Synagogen« rat Ludwig Strauß aus Bad Dürkheim. Er führte die andächtige Zuhörerschar in jene Zeit vor hundert Jahren zurück, da gottes« fürchtige und glaubenseifrige Menschen ihr Bestes dazu beitrugen, um dieses Gotteshaus erstehen zu lassen und würdig auszugestalten, das für sie dann eine Heimat, ein Zufluchtsort in allen Lebenslagen, eine Gebetsstatte für den Alltag und die besonderen Tage des Jahres werden sollte. Dafür gebührt den vergangenen Geschlechtern unauslöschlicher Dank, Dank für eine Leistung, die das Ccgcnwartsv schlecht angesichts der hohen und schweren Aufgaben unserer Zeit nicht mehr aufzubringen vermag. F!r gedachte der bedeutenden Persönlichkeiten, die in der Speyerer Gemeinde gewirkt haben: der Herren Bczirksrabbincr Dr. Salvcndi, Sigmund Herz und Leopold Klein — ihr Andenken sei zum Sehen. — Wohl lassen die Zeiten in denen wir leben, das Empfinden des Glücks nicht aufkommen, zu welchem all die Glückwünsche, die anläßlich dieser Feier ausgesprochen werden, hinführen sollen, aber der Wunsch möge seine Verwirklichung finden, daß dieses Gotteshaus wie seither so auch künftighin seiner heiligen Be« Stimmung diene. Darüber hinaus aber fordert als großes Vorbild die ruhmreiche Geschichte der Speyerer deineindc. die als eine der bedeutendsten von Deutschland den Ruf heiliger Berühmtheit genießen durfte und die Leiden jüdischen Schicksals in der i >

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