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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz · 1937-11-01 · 3 (1.11.1937) · p. [Seite]

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Journal
Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz
Volume
1 (1937 - 1938)
Issue
3 (1.11.1937)
Date
1937-11-01
Page
[Seite] (sequence 1)
Language
German
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Jüdisches Gemeindeblatt für das Gebiet der Rheinpfalz Organ des Verbandes der israeliyy tischen Kultusgemeinden der Pfalz Herausgeber: Verband der israel. Kultusgemeinden der Pfalz, V jt Angemeldet beim Sonderbeauftragten des Rcichsministers für Landau/Pfalz. Verlag: Heinrich Wildmann, Philippsburg. SJ^Jjk Volksaufklärung und Propaganda betr. Ucbcrwachung der Verantwortlich f. d. Inhalt: Kurt Metzger, Landau, Glacisstr.9 i \f geistig und kulturell tätigen Juden im deutschen Reichsgebiet Erscheint monatlich 1. November 1937 / nü^in p&TiTS T2 \% «Jahrgang / Nr. 3 Jüdische Winterhilfe für die Pfalz., Die am 1. Oktober 1937 durchgeführte Zählung der jüdischen Bevölkerung der Pfalz hat gegenüber dem Vor» jähr eine Minderung von 650 Seelen ergeben. Dem gegenüber steht die Erschütternde Tatsache, daß die Zahl der Hilfsbedürftigen nicht abgenommen hat. Das bedeutet, daß die um ein Achtel verminderte Gemeinschaft die gleiche Last zu tragen hat wie im vergan* genen Jahr. Das bedeutet, daß jeder einzelne von uns nicht nur dasselbe, sondern mehr zu leisten hat als im ver> gangenen Jahr. Das bedeutet, daß die Richtlinien der jüdischen Winterhilfe» Abgabe von monatlich mindestens 1 der veranlagten Einkommensteuer oder von mindestens luu der veranlagten Vermögenssteuer, wenn diese höher ist — unter allen Umständen eingehalten werden müssen, wenn wir den dringenden und berechtigten Bitten unserer ver* armten Glaubensbrüder um Hilfe einigermaßen entsprechen wollen. Entziehe sich keiner seinem Bruder! Die Not ist größer als Sie glauben. . Wir wenden uns deshalb an alle unsere Spender mit der herzlichen Bitte, neben einer angemessenen Ein* topfspende, das monatliche Geldopfer mindestens im Rahmen der Richtlinien zu leisten und an die örtliche Winter» hilfe abzuführen. Den Leitern der örtlichen Winterhilfe aber, deren Aufgabe es ist die Angemessenheit der Lei» stungen auf Grund der Richtsätze nachzuprüfen, wollen wir in ihrem schweren Amte dadurch helfen, daß wir sie bitten uns alle diejenigen zu melden, deren Spenden ihnen nicht ausreichend erscheinen. Wir werden ihnen dann auf Grund unserer Kenntnis der Steuern einen Hinweis geben, der hoffentlich genügen wird, um Säumige zu ihrer Pflicht zurückzuführen. \ Die Leitung des Verbandes der israelitischen Kultusgemeinden der Pfalz. Israelitisches Altersheim für die Pfalz. Als in den ersten Jahren dieses Jahrhunderts die Absicht entstand in der Pfalz ein israelitisches Heim zur Aufnahme von alten und erwerbsunfähigen Glaubensgenossen zu schaffen, wurde vielfach die Bedürfnisfrage verneint. Es wurden ernste Bedenken laut, ob bei den günstigen Lebensverhältnissen der pfälzischen Juden jemals die Notwendigkeit für ein solches Haus entstehen wird, weil wahrscheinlich nie genügend Anwärter dafür vorhanden sein werden. Glücklicherweise (so muß man heute sagen) wurden aber die Anregungen eifrig gefördert und im Monat September 1908 wurde der * „Israelitische Kreisasylverein für die Pfalz" mit dem Sitz in Speyer gegründet. Der engere Ausschuß bestand aus den Herren : Dr. Reis in Speyer Leopold Klein in Speyer Leo Waldbott in Speyer. Gemäß Statut haben vornehmlich in der Pfalz geborene Israeliten das Recht aufgenommen zu werden und zwarx a) gegen ein einmaliges' Eintrittsgeld, b) gegen jährliche Vergütung, c) unentgeltlich, wenn die Verhältnisse es erfordern. Die Mitgliederwerbung für den Verein hatte sehr günstigen Erfolg. Die jüdischen Gemeinden der Pfalz — in der Stadt wie auf dem Lande — brachten große Beitragssummen auf. Auch in den Städten der Nachbarprovinzen wurden Mitglieder gewonnen. Allmählich gingen auch ansehnliche einmalige Spenden vornehm« lieh von im Ausland wohnenden Pfälzer Juden ein. So wurde es möglich den Bau bald zu errichten. Nach langen Verhandlungen wurde das zentral gelegene Neustadt dafür gc» wählt, wo ein günstiger Bauplatz in ruhiger landschaftlich schöner Lage zur Verfügung gestellt wurde. Es entstand ein architckto* nisch herrlicher Bau aus weißen Sandsteinen mit schöner Garten» anläge, guter Inneneinrichtung, Dampfheizung und fließendem Wasser. Das Haus enthält breite Treppenaufgänge, geräumige Vor* plätze, einen großen Speisesaal, Gcscllschaftsraum, Betsaal und luftige helle Schlafräume. Die Einrichtung der Schlafräumc und auch sonstiges Mobiliar wurde gestiftet. Eine Tafel der Stifter ist beim unteren Eingang angebracht. Die Einweihung f.md in feierlicher Weise i. J. 1914 bei zahl» reicher Beteiligung statt; auch die Stadtverwaltung war vertreten» Herr Emil Bchr bat als Vorstand der israel. Kultusgcmeindc Neustadt die Betreuung des Hauses übernommen und sich rege an der Führung des Haushaltes beteiligt. Nach Abgang von Herrn Dr. Reis war Herr Justizrat Dr. Rcinhcimcn in Kaiserslautern längere Zeit Vorsitzender der Vereins. Nach dessen Ableben wurde dem Vorsitzenden der israel. Kultusgemeinde Neustadt, I Icrrn Emil Bchr auch noch diese Würde übertragen. Herrn Behr gebührt großer Dank für seine Mühewaltung um das Altersheim, die für ihn eine Lebensaufgabe wurde. In aufopfernder Weise hat :cr für die Entwicklung und Erhaltung dieser segensreichen Anstalt gewirkt. Die Kasscnverwaltung ist seit Gründung in den I länden von Herrn Oberlehrer i. R. L. Waldbott in Speyer. Für die Leitung wurde Frau Carola Adlerals Oberin berufen, welche ebenfalls heute noch diese arbeitsvolle Stellung bekleidet »

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