Jüdischer Volksbote
- Journal
- Jüdischer Volksbote
- Volume
- 1914
- Issue
- 35 (8.1914)
- Date
- 1914-08-01
- Page
- Seite 543 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/4903180-5965947-5965993--757-4903892- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
543 dem liebevollen, aber Gehorsam fordernden Vater und Herrn der Welt, kann nicht früh genug in dem Kinde geweckt werden. Wo gebe es eine schönere, heiligere und erhebendere Pflicht in der großen Erziehungsaufgabe, als den sich eben erschließenden Geist des Kindes auf Gott hinzulenken und in das reine Kinderherz die Verehrnng^und Liebe Gottes zu pflanzen. Ist es doch, als ob man längst bekanme Erinnerungen wach rufe, wenn man dem aufhorchenden Kinde von Gott spricht. Das Kind lauscht so gern der erzählenden Mutter, die ihm die Allmacht Gottes verkündet, welche die Erde und den Himmel, die Sonne und den Mond, die Pflanze und das Tier und auch es und seinen Vater und seine Mutter und seine Geschwister ins Dasein gerufen, die Tag werden läßt und die Nacht herbeiführt und den Wechsel der Jahreszeiten, die den entlaubten Baum mit Blättern, Blüten und Früchten schmückt und die duftige Blume zur Entfaltung bringt. Und es fühlt sich so gern als Kind dieses allliebenden, allmächtigen Vaters und weiß sich unter dem stets wachen, überall hinschauenden Gottesauge, und sein kleines Herz ist der Empfindung so leicht zugänglich, daß es auch für ihn keine heiligere, süßere Pflicht gebe, als diesem Gotte zu gehorchen, wie ja auch Vater und Mutter seinem Gebote unverbrüchlichen Gehorsam zollen. Nicht minder aber als diesem Gottcsbewußtsein und der Erkenntnis des Verhältniflcs des Menschen zu Gott, öffnet sich das Gemüt des Kindes der besonderen israelitischen Aufgabe. Man verstehe es, auch hier nur den rechten Ton anzuschlagcn und zur rechten Zeit das entsprechende Wort zu finden, um es nach und nach einzuiühren in die Geschichte Israels und die ihm offenbarte Lehre Gottes. Aber auch hier, beachte man die weise Regel, nicht der Entwicklungsstufe deS Kindes voronzueilen, und sich auf das zu beschränken, was seiner Faffungskraft angemeffen erscheint. (Fortsetzung folgt). $ 'SaCmuöilcße Sentenzen- (Aus Masiechet Derech Erez-) II- Wer sein Weib liebt wie sich selbst, sie mehr ehrt als §eine eigene Person und seine Kinder zum Rechten erzieht, auch sie zur geeigneten Zeit verheiratet — von dem heißt es: du wirst es erfahren, daß Friede dein Zelt beglückt, und musterst du dein Heim, so mangelt nichts. (Jjob 5, 24.) * * *